Kopfschmerzen pochend und pulsierend: Spannungskopfschmerzen oder Migräne?

Ein pochender, pulsierender oder auch hämmernder Kopfschmerz ist eher charakteristisch für Migräne. Vor allem dann, wenn er nur einseitig auftritt. Der typische Kopfschmerz bei Spannungskopfschmerzen ist dagegen dumpf und drückend und umfasst meist den gesamten Kopf.

Das ist natürlich nur eine grobe Orientierung, und theoretisch können auch immer ganz andere (auch ernstere) Ursachen hinter den Kopfschmerzen stecken. Aber für die beiden mit Abstand häufigsten Kopfschmerzformen ist diese Schmerzunterscheidung charakteristisch.

Detektivarbeit

Es gibt noch ein paar weitere Unterscheidungsmerkmale, mit denen sich Spannungskopfschmerzen und Migräne voneinander abgrenzen lassen. Dazu gehören:

  • Dauer der Kopfschmerzattacke
  • Schmerzintensität
  • Begleitsymptome
  • Einfluss körperlicher Aktivität
  • Geschlecht

Diese Faktoren wird der Arzt beim Erstgespräch genau abfragen, um der richtigen Diagnose auf die Schliche zu kommen.

Spannungskopfschmerz: oft weniger stark, aber dauerhaft

Ein Migräneanfall kann zwischen 4 und 72 Stunden dauern. Beim Spannungskopfschmerz ist das Spektrum noch weiter. Er kann nach einer halben Stunde bereits vorbei sein, aber auch eine Woche lang anhalten oder bei der chronischen Form sogar dauerhaft bestehen. Dafür ist der Schmerz in der Regel nicht so stark ausgeprägt (leicht bis mittelschwer) wie bei der Migräne (mittelschwer bis stark), und die Betroffenen sind weniger beeinträchtigt.

Charakteristisch für die Migräne sind begleitende Beschwerden. Oft gehen die Attacken mit Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen einher. Typischerweise sind die Betroffenen außerdem lichtscheu und lärmempfindlich. Am liebsten ziehen sie sich in eine dunkle, ruhige Ecke zurück.

Auch, wer unter Spannungskopfschmerzen leidet, fühlt sich bisweilen durch Licht oder Lärm gestört. Übelkeit und Erbrechen sind dagegen selten.

Menschen mit Migräne brauchen Ruhe

Menschen mit Migräne meiden jede körperliche Anstrengung. Denn dadurch verstärken sich die Schmerzen weiter. Spannungskopfschmerzen sind dagegen unabhängig von der körperlichen Aktivität.

Schließlich kann das Geschlecht einen Hinweis geben, wenngleich Männer und Frauen jeweils von beiden Kopfschmerzformen betroffen sein können. Tendentiell erkranken jedoch mehr Männer am Spannungskopfschmerz, während mehr Frauen unter Migräne leiden.

All das sind nur Anhaltspunkte, die bei der Diagnosefindung jedoch wichtig sein können. Dennoch ist die Abgrenzung zwischen den verschiedenen Formen von Kopfschmerz und den Erkrankungen, die dahinterstecken, oft nicht einfach.

Autoren: Dr. med. Jörg Zorn, Eva Bauer (Ärztin)

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