Migräne: Symptome & Diagnostik

Die Beschwerden bei der Migräne können individuell sehr unterschiedlich sein. Neben den Kopfschmerzen treten oft Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit auf, die dem Kopfschmerz zum Teil auch vorausgehen und eine nahende Schmerzattacke ankündigen können.

Die Kopfschmerzen selbst sind typischerweise einseitig, werden oft als pochend bzw. pulsierend beschrieben und treten in unterschiedlicher Frequenz auf. Sie können sich im Einzelfall aber auch anders äußern. Die Abgrenzung zu weiteren Kopfschmerzformen ist dann nicht einfach.

Bei manchen Betroffenen ist die Migräne außerdem mit einer sogenannten Aura verbunden. Charakteristisch dafür sind Sensibilitätsstörungen wie Kribbelgefühle und Probleme beim Sehen.

Mehr zu den Symptomen der Migräne, möglichen Prodromi (Vorboten) und zur Migräne-Aura erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Wie fühlt sich der Migräne-Schmerz typischerweise an?

Im Gegensatz zum Spannungskopfschmerz, der meist als dumpf und drückend empfunden wird, äußert sich die Migräne eher durch pochende, pulsierende, hämmernde Schmerzen.

Kopfschmerz, ein Allerweltsphänomen

Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. Dabei gibt es je nach Ursache und Entstehung unzählige Varianten. Außerdem wird unterschieden zwischen primären Kopfschmerzen als für sich bestehendes Symptom und sekundären Formen, die als Begleiterscheinung bei verschiedenen Erkrankungen auftreten.

Die Migräne ist nach dem Spannungskopfschmerz die häufigste primäre Kopfschmerzform. Während der Spannungskopfschmerz häufiger bei Männern auftritt und den gesamten Kopf umfasst, leiden unter der Migräne mehr Frauen. Außerdem beschränken sich die Schmerzen dabei typischerweise auf eine Kopfseite, die jedoch wechseln kann.

Ein weiterer charakteristischer Unterschied ist, dass körperliche Aktivität Kopfschmerzen vom Clustertyp nicht verstärkt, wohingegen sich jemand mit Migräne am liebsten in ein abgedunkeltes Zimmer zurückzieht und vor allem Ruhe braucht.

Stark, einseitig, pulsierend – aber nicht immer!

Migräneschmerzen werden oft als einseitig pulsierend und stark beschrieben. Das heißt jedoch nicht, dass sie sich nicht auch anders äußern können. Es gibt durchaus Fälle, die nur mittelstark ausgeprägt sind, kontinuierlich verlaufen und den gesamten Kopf einbeziehen.

Für die Diagnosestellung wichtiger sind daher vielmehr die Vorboten und Begleitbeschwerden einer Migräne, die zwar individuell sehr unterschiedlich sein können, im Einzelnen aber sehr spezifisch sind. Dazu gehören insbesondere Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit oder auch neurologische Ausfälle wie Seh-, Sprachstörungen oder Missempfindungen.

Es empfiehlt sich daher, die eigenen Beschwerden rund um einen Migräneanfall genau zu beobachten und zu dokumentieren. Dazu können Sie ein Schmerztagebuch führen, in dem Sie den Verlauf genau festhalten. Ziemlich sicher werden Sie nach einer Weile ein Muster erkennen, das bei Ihnen immer wieder eintritt. Das kann Ihnen helfen, die Vorboten richtig einzuschätzen und sich gegen eine Kopfschmerzattacke zu rüsten.

Was sind typische Begleitsymptome bei einem Migräne-Anfall?

Im Gegensatz zu Spannungskopfschmerzen geht ein Migräne-Anfall nahezu immer mit weiteren Beschwerden einher. Diese Begleitsymptome sind zwar individuell unterschiedlich und können auch bei ein und derselben Person von Anfall zu Anfall variieren, aber es gibt unterm Strich auch viele Gemeinsamkeiten.

Kein Appetit, Lärm- und Lichtscheu

Folgende Symptome treten bei einer Migräne-Attacke zusätzlich zu den Kopfschmerzen typischerweise auf:

  • Appetitlosigkeit (in fast allen Fällen)
  • Übelkeit (bei 80% aller Betroffenen)
  • Erbrechen (etwas seltener: 40-50%)
  • Lichtempfindlichkeit (60%)
  • Lärmempfindlichkeit (50%)
  • Geruchsempfindlichkeit (10%)

Genaues Dokumentieren lohnt sich

Für die Diagnose sind diese begleitenden Beschwerden wesentlich. Der Migräneschmerz an sich hat zwar bestimmte Charakteristika, kann sich im Einzelfall aber auch anders äußern. Die zusätzlichen Symptome sind dagegen typisch und bilden somit verlässliche Diagnosemerkmale.

Es lohnt sich daher, sie genau zu beobachten und richtig einzuschätzen. Dazu eignet sich ein Schmerztagebuch, in dem die Betroffenen die Kopfschmerzen wie auch vorangehende und begleitende Beschwerden sowie die Nachwehen der Schmerzattacke genau dokumentieren. So lassen sich bestimmte Muster finden, die dabei helfen, die Symptome richtig einzuordnen und sich auf einen drohenden Anfall vorzubereiten.

Wie lange dauert ein Migräne-Anfall?

Wenn man Glück hat, drei bis vier Stunden. Wenn man Pech hat, mehrere Tage. Das ist nicht zynisch gemeint, sondern leider die Realität. Die Dauer eines Migräne-Anfalls kann extrem schwanken. Und wenn er beginnt, ist es praktisch unmöglich, vorherzusagen, wie lange die Attacke dauern wird.

Typischerweise besteht ein solcher Migräne-Anfall aus mehreren Phasen. Oft kündigt er sich Stunden bis sogar Tage vor Beginn durch die sogenannte Vorbotenphase an. Starke Müdigkeit, ständiges Gähnen oder auch Geräuschempfindlichkeit sind mögliche solcher Vorboten. Das muss aber nicht passieren und ist von Person zu Person unterschiedlich.

Frühzeitige Medikamenten-Einnahme kann Anfall abmildern

Bevor die Kopfschmerzen beginnen, tritt dann bei rund 10% der Betroffenen erst eine Aura-Phase in Erscheinung. Das ist ein buntes Spektrum an Begleitsymptomen, die von Sehstörungen, Missempfindungen bis hin zu Gleichgewichtsstörungen reichen. Auch diese Migräne-Aura variiert von Person zu Person enorm, sowohl was ihre Intensität als auch ihre Symptomatik angeht. Manchmal tritt sie sogar solitär auf, also ohne dass es danach noch zu Kopfschmerzen kommt.

Wenn Sie wiederholt an Migräne-Anfällen leiden, bekommen Sie mit der Zeit "ein Gefühl" für Ihre Attacken. Oft auch eine Ahnung, ob es diesmal schnell gehen wird oder länger dauern wird. Unabhängig davon kann vor allem eine sehr frühzeitige Einnahme von Migräne-Anfalls-Medikamenten die Intensität einer Attacke abmildern.

Was sind typische Vorboten (Prodromi) eines Migräne-Anfalls?

Häufig kündigt sich ein Migräne-Anfall durch sogenannte Prodromi an. Diese Vorboten treten in Erscheinung, bevor der eigentliche Kopfschmerz einsetzt. Sie können individuell sehr unterschiedlich sein und weiter fortbestehen, wenn die Kopfschmerzen bereits abgeklungen sind.

Jede Migräne ist anders

Nicht nur die Kopfschmerzen an sich äußern sich von Mensch zu Mensch verschieden, sondern auch die Vorboten der gefürchteten Attacken. Viele Betroffene wissen bereits einige Stunden vor dem Anfall, was in Kürze auf sie zukommt. Ein kleiner Trost ist dann nur, dass man sich entsprechend darauf vorbereiten kann, um die Attacke möglicherweise etwas abzumildern. Ruhe und Dunkelheit sind meist das Richtige.

Folgende Vorboten können einen Migräneanfall ankündigen:

  • Lichtscheu (kann auch Begleiterscheinung während des Migräne-Anfalls sein)
  • Lärmempfindlichkeit (kann auch Begleiterscheinung während des Migräne-Anfalls sein)
  • große Müdigkeit
  • Gähnen
  • Heißhunger
  • nervöse Unruhe, Drang, viel zu tun (Hyperaktivität)
  • Erschöpfung
  • Stimmungsänderungen
  • Nackenschmerzen

Immer nach demselben Schema

Auch neurologische Symptome wie Seh- oder Sprachstörungen, Schwindel und eine veränderte Wahrnehmung können im Vorfeld auftreten. Bei manchen Betroffenen wird die Haut plötzlich ganz empfindlich und schmerzt bei der leisesten Berührung. Dieses Phänomen wird auch als cutane Allodynie bezeichnet.

So unterschiedlich die Vorzeichen der Kopfschmerzen bei verschiedenen Betroffenen auch sind, bleiben sie beim Einzelnen meist recht konstant. Vielen ist der Zusammenhang jedoch lange gar nicht bewusst. Hier hilft es, ein Schmerztagebuch zu führen, in dem die Beschwerden rund um den Anfall genau dokumentiert werden. Oft lässt sich daraus ein individuelles Muster ableiten, das immer wiederkehrt. Damit sind Sie der Schmerzattacke zumindest ein Stück weit voraus und können sich besser dagegen wappnen.

Was versteht man unter der sogenannten Migräne-Aura?

Missempfindungen, Seh- und Sprachstörungen

Etwa 10-15% aller Menschen mit Migräne erleben im Vorfeld eines Anfalls eine sogenannte Migräne-Aura. Sie äußert sich häufig durch Probleme mit dem Sehen (Sehstörungen, Flimmern oder Schlieren vor den Augen), aber auch Kribbeln an Armen und Beinen.
Seltener treten auch Sprachstörungen auf. Nach etwa einer Stunde ist der Spuk vorbei, erst danach setzen die Kopfschmerzen ein.

Die Migräne-Aura ist nicht zu verwechseln mit den Migräne-Vorboten (Prodromi). Diese sind sehr viel häufiger und äußern sich nicht durch derartige Sensibilitätsstörungen, sondern eher durch Licht- oder Lärmempfindlichkeit, Unruhe oder Heißhunger.

Wofür spricht ein einseitiger Kopfschmerz (nur auf einer Kopfseite)?

Am ehesten für eine Migräne. Typisch für die Migräne ist der einseitige, also nur auf einer Seite lokalisierte Kopfschmerz.

Beidseitige Kopfschmerzen eher untypisch für Migräne

Spannungskopfschmerzen und auch Medikamentenkopfschmerzen sind hingegen fast immer beidseitig.

Theoretisch kann ein einseitiger Kopfschmerz natürlich auch auf eine ernste Grunderkrankung (Blutung, Tumor) zurückgehen, aber das ist eher selten. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Migräne.

Wofür sprechen Kopfschmerzen mit Übelkeit, Lärm- und Lichtempfindlichkeit?

Das ist das typische Bild einer Migräne. Wenn die Kopfschmerzen zudem noch einseitig, also nur auf einer Kopfseite lokalisiert sind, sind alle charakteristischen Merkmale der Migräne erfüllt.

Abklären lassen

Aber Vorsicht: Sollten diese Beschwerden zum ersten Mal bei Ihnen auftreten, gehen Sie damit auf jeden Fall zum Arzt. Es ist zwar unwahrscheinlich, aber theoretisch können auch ernstere Ursachen hinter den Beschwerden stecken. Und auch eine erstmalig auftretende Migräne ist Grund genug, darüber mit einem Arzt zu sprechen.

Warum sprechen tägliche Kopfschmerzen gegen eine Migräne?

Weil die Migräne typischerweise anfallsweise auftritt. Das kann bis zu sechsmal pro Monat passieren, aber nie täglich.

Kopfschmerzen pochend und pulsierend: Spannungskopfschmerzen oder Migräne?

Ein pochender, pulsierender oder auch hämmernder Kopfschmerz ist eher charakteristisch für Migräne. Vor allem dann, wenn er nur einseitig auftritt. Der typische Kopfschmerz bei Spannungskopfschmerzen ist dagegen dumpf und drückend und umfasst meist den gesamten Kopf.

Das ist natürlich nur eine grobe Orientierung, und theoretisch können auch immer ganz andere (auch ernstere) Ursachen hinter den Kopfschmerzen stecken. Aber für die beiden mit Abstand häufigsten Kopfschmerzformen ist diese Schmerzunterscheidung charakteristisch.

Detektivarbeit

Es gibt noch ein paar weitere Unterscheidungsmerkmale, mit denen sich Spannungskopfschmerzen und Migräne voneinander abgrenzen lassen. Dazu gehören:

  • Dauer der Kopfschmerzattacke
  • Schmerzintensität
  • Begleitsymptome
  • Einfluss körperlicher Aktivität
  • Geschlecht

Diese Faktoren wird der Arzt beim Erstgespräch genau abfragen, um der richtigen Diagnose auf die Schliche zu kommen.

Spannungskopfschmerz: oft weniger stark, aber dauerhaft

Ein Migräneanfall kann zwischen 4 und 72 Stunden dauern. Beim Spannungskopfschmerz ist das Spektrum noch weiter. Er kann nach einer halben Stunde bereits vorbei sein, aber auch eine Woche lang anhalten oder bei der chronischen Form sogar dauerhaft bestehen. Dafür ist der Schmerz in der Regel nicht so stark ausgeprägt (leicht bis mittelschwer) wie bei der Migräne (mittelschwer bis stark), und die Betroffenen sind weniger beeinträchtigt.

Charakteristisch für die Migräne sind begleitende Beschwerden. Oft gehen die Attacken mit Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen einher. Typischerweise sind die Betroffenen außerdem lichtscheu und lärmempfindlich. Am liebsten ziehen sie sich in eine dunkle, ruhige Ecke zurück.

Auch, wer unter Spannungskopfschmerzen leidet, fühlt sich bisweilen durch Licht oder Lärm gestört. Übelkeit und Erbrechen sind dagegen selten.

Menschen mit Migräne brauchen Ruhe

Menschen mit Migräne meiden jede körperliche Anstrengung. Denn dadurch verstärken sich die Schmerzen weiter. Spannungskopfschmerzen sind dagegen unabhängig von der körperlichen Aktivität.

Schließlich kann das Geschlecht einen Hinweis geben, wenngleich Männer und Frauen jeweils von beiden Kopfschmerzformen betroffen sein können. Tendentiell erkranken jedoch mehr Männer am Spannungskopfschmerz, während mehr Frauen unter Migräne leiden.
All das sind nur Anhaltspunkte, die bei der Diagnosefindung jedoch wichtig sein können. Dennoch ist die Abgrenzung zwischen den verschiedenen Formen von Kopfschmerz und den Erkrankungen, die dahinterstecken, oft nicht einfach.

Was sind typische Beschwerden bei Migräne im Kindesalter?

Die Beschwerden bei Migräne im Kindes- und Jugendalter sind zwar im wesentlichen die gleichen wie auch bei Erwachsenen, in deren Ausprägung gibt es aber Unterschiede:

  • anfallsartige, heftige, pochende Kopfschmerzen, typischerweise halbseitig (bei Kleinkindern jedoch nicht selten beidseitig oder Stirnkopfschmerzen)
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kind möchte sich hinlegen und seine Ruhe haben
  • Anfallsdauer bei Kleinkindern meist wenige Stunden, Besserung durch Schlafen

Migräne kann bereits ab dem 2.-3. Lebensjahr auftreten und wird insgesamt häufiger bei Jungen beobachtet.

Autoren: Dr. med. Jörg Zorn, Eva Bauer (Ärztin), Dr. Hubertus Glaser

Quellen:

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