Welche Risikofaktoren gibt es beim Erysipel (Wundrose)?

Wundrose: Manche bekommen es nie, andere dafür mehrmals in ihrem Leben. Das durch Bakterien hervorgerufene Erysipel ist eine häufige akute Infektionskrankheit der Haut. Doch nicht jeder Mensch ist dafür gleichermaßen anfällig.

Eingangspforte ist die Haut

Das auch Rotlauf oder Wundrose genannte Erysipel ist eine meist durch Streptokokken A ausgelöste Hauterkrankung. Der Infektionsweg führt die Bakterien über kleine oberflächliche Hautwunden in tiefere Zellschichten, wo sie sich ungehindert vermehren können.

Verantwortlich für diese sich flächenhaft ausbreitende Entzündung ist häufig der "Eiterkeim" Streptococcus pyogenes. Der Erreger kann sowohl Infektionen der oberen Atemwege als auch der Haut und der Weichteile auslösen.

Normalerweise harmlos

Streptococcus pyogenes und seine artverwandten Bakterienkollegen gehören bei vielen Menschen zur natürlichen Bakteriengemeinschaft. Wir finden sie auf der Haut und auf den Schleimhäuten, ohne dass sie uns krank machen.

Wichtig ist diesbezüglich jedoch ein intaktes Immunsystem und eine unversehrte Hautbarriere, die uns vor Außenreizen, vor Infektionen und somit vor Krankheiten schützen. Sollten diese Abwehrmechanismen aus irgendwelchen Gründen nicht mehr richtig funktionieren, besteht die Gefahr, dass die sonst harmlosen Keime in unseren Körper eindringen und Schaden anrichten.

Trockene Haut: begünstigend, aber beeinflussbar

Tatsächlich gibt es einige mögliche Risikofaktoren im Hinblick auf das Entstehen eines Erysipels. Fangen wir zunächst bei den Auslösern an, die Sie als Betroffener leicht beeinflussen bzw. sogar ganz ausschalten können.

Ganz oben auf der Liste steht hierbei die trockene Haut. Sie kann viele Ursachen haben, lässt sich in der Regel jedoch gut behandeln. Neben äußeren Einflüssen (häufiges Waschen, trockene Umgebungsluft, Sonnenlicht) spielen in diesem Zusammenhang auch innere Faktoren (Alter, Ernährung, bestimmte Medikamente, Diabetes etc.) eine Rolle. Sie alle können sich negativ auf die Haut auswirken. Folge ist dann eine gestörte Hautbarriere mit feinen Rissen, die als Eintrittspforte für Bakterien dienen.

Sorgen Sie also dafür, dass Ihre Haut stets ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt wird und Ihnen durch eine intakte Oberfläche ausreichend Schutz bietet. Achten Sie übrigens insbesondere auf eine gute Fuß- und Nagelpflege. Gerade die Zehenzwischenräume (nicht selten mit Fußpilz befallen) bieten aufgrund der feuchtwarmen Umgebung einen idealen Nährboden für Keime. Sehr häufig findet sich hier der Auslöser für die Wundrose.

Neurodermitiker sind besonders anfällig für Erysipele im Bereich des Gesichtes. Das liegt daran, dass diese Personen zu sogenannten Rhagaden an Ohren, Mundwinkeln oder der Nase neigen. Solche tiefen Hautrisse laden die Streptokokken (aber auch Staphylokokken) zur Invasion geradezu ein.

Geschwächtes Immunsystem

Natürlich muss nicht jeder Mensch mit einer trockenen Haut befürchten, sofort ein Erysipel zu entwickeln. Meist führt erst die Kombination verschiedener Faktoren dazu, dass ideale Bedingungen geschaffen werden, die eine Keimbesiedlung möglich machen. Zu diesen ungünstigen Voraussetzungen gehören zum Beispiel ein abgeschwächtes Immunsystem oder Durchblutungsstörungen.

So können ein Diabetes mellitus, die Immunschwäche AIDS, eine Chemotherapie im Rahmen einer Krebserkrankung, Gefäßerkrankungen der Arterien (Atherosklerose) oder Venen (CVI, chronisch venöse Insuffizienz) und auch eine Alkoholabhängigkeit dafür sorgen, dass die Betroffenen immer wieder Hautinfektionen erleiden, die u.a. mit wiederholten Erysipelen einhergehen können.

Ein Teufelskreislauf, den Sie nur mit Unterstützung Ihres behandelnden Arztes in den Griff bekommen können. Eine Voraussetzung ist bei solchen Konstellationen nämlich, dass Ihre Grunderkrankungen gut eingestellt bzw. ausreichend versorgt sind. Nur so haben Sie die Möglichkeit, auch dauerhaft von Infektionen wie der Wundrose verschont zu bleiben.

Vorsicht bei Ödemen

Ein weiterer, nicht unerheblicher Risikofaktor für ein Erysipel stellt das Lymphödem dar. Hierbei handelt es sich um eine Flüssigkeitsansammlung im Zwischenzellraum, die durch eine Schwäche oder Schädigung des Lymphgefäßsystems hervorgerufen wird.

Insbesondere infolge einer Brustkrebs-Operation mit Entfernung der Lymphgefäße kommt es bei Frauen nicht selten zu Wundrosen. Aufgrund der gestörten Entwässerung durch die geschädigten Lymphbahnen bleibt Flüssigkeit im Gewebe zurück. Die Haut am Arm schwillt dadurch regelmäßig an und erleichtert es den Bakterien, in den Körper einzudringen und eine Entzündung zu provozieren.

Das gleiche gilt natürlich auch für andere Ödemarten, beispielsweise im Rahmen einer Herz- oder Nierenschwäche, eines Krampfaderleidens (Varikose) oder anderer chronischer Erkrankungen. Die in diesem Zusammenhang entstehenden Wundrosen treten vorzugsweise asymmetrisch an den Unterschenkeln auf.

Fazit: Achten Sie auf sich und Ihren Körper! Bereits kleine Maßnahmen wie eine regelmäßige Haut- und Fußpflege oder das Tragen von Kompressionsstrümpfen können manch einem viel Ärger ersparen.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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