Was für mögliche Komplikationen hat das Erysipel?

Das auch unter Rotlauf oder Wundrose bekannte Erysipel ist eine häufige Infektionskrankheit der Haut. Komplikationen und Langzeitschäden sind unter bestimmten Umständen möglich. Insbesondere die chronisch-wiederkehrenden Verläufe des Erysipels sorgen hierbei für die meisten Probleme.

Frühe Behandlung ist wichtig

Bei der Prognose des Erysipels spielt vor allem der frühzeitige Therapiebeginn mit einem Antibiotikum eine entscheidende Rolle. Die meist durch den "Eiterkeim" Streptococcus pyogenes ausgelöste bakterielle Erkrankung lässt sich in den meisten Fällen sehr gut mit einer 10- bis 14-tägigen Penicillingabe zur Abheilung bringen.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist jedoch, dass gleichzeitig begünstigende Faktoren ausgeräumt werden. Neben der Sanierung (Beseitigung) möglicher Eintrittspforten für die Keime (Hautrisse z. B. im Rahmen eines Fußpilzes oder einer Neurodermitis, Nagelbettentzündungen, chronische Wunden) sollten auch bestimmte Grunderkrankungen bestmöglich eingestellt werden.

Auslöser erkennen und beheben

Zu den bekannten Risikofaktoren einer Wundrose gehören sowohl angeborene als auch erworbene Erkrankungen. Zu diesen zählen u. a.:

  • Chronisch-venöse Insuffizienz (CVI, Venenschwäche)
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK, Durchblutungsstörung der Arterien, "Schaufensterkrankheit")
  • Lymphödem (Ansammlung von Gewebeflüssigkeit durch Lymphgefäßschädigung)
  • Adipositas (ausgeprägte Fettleibigkeit)
  • Abwehrschwäche (auch durch Medikamente, die das Immunsystem dämpfen)
  • Diabetes mellitus

Nur wenn bestehende Risikoerkrankungen ausreichend und regelmäßig versorgt bzw. behandelt werden, kann man Komplikationen und dauerhafte Schäden beim Erysipel weitestgehend vermeiden.

Wenn es doch kompliziert wird

Eine verzögerte oder unzureichend verordnete Therapie wie auch ein schwerer Krankheitsverlauf können beim Erysipel zu entsprechenden Komplikationen mit Folgeschäden führen. Besonders gefährdet sind in diesem Zusammenhang Personen mit bestimmten Begleiterkrankungen oder einer Immunschwäche sowie ältere Menschen und Kinder.

So treten bei geschwächter Abwehrlage oder einer Durchblutungsstörung vergleichsweise häufig seltene Verlaufsformen dieser bakteriellen Infektionskrankheit auf. Hierzu gehört beispielsweise das Erysipelas gangraenosum. Diese nekrotische Wundrose geht mit einer Zerstörung des Gewebes einher. Ebenfalls gefürchtet ist das Erysipelas phlegmonosum, bei dem sich großflächig Eiterhöhlen (Abszesse) in tieferen Hautschichten bilden.

Eine schwerwiegende Komplikation beim Gesichtserysipel ist übrigens das Übergreifen der Infektion auf die Augenhöhlen und Hirnhautgefäße. Das kann dann zur Bildung von Blutgerinnseln (Sinusthrombose) oder zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) führen. Gerade bei dieser Form der Wundrose ist also ein schnelles Handeln erforderlich. Eine stationäre Behandlung mit einer antibiotischen Infusionstherapie sowie ggf. einem Sprech- und Kauverbot ist oft Standard.

Häufig betrifft es die Lymphgefäße

Gar nicht so selten, besonders bei den chronisch-wiederkehrenden Erysipelen, ist die Entstehung von Lymphödemen. Durch die (wiederholten) Entzündungen können die Lymphgefäße "verkleben", so dass die Lymphe nicht mehr richtig abfließen kann. Während das Gewebe dadurch schlechter mit Nährstoffen und Immunzellen versorgt wird, freuen sich die Bakterien dagegen über die eiweißreiche Lymphe.

Es ist ein echter Teufelskreislauf, da Lymphödeme ja wiederum zu den bekannten begünstigenden Faktoren des Erysipels gehören. Die Maximalform eines solchen Lymphödems stellt übrigens die "Elephantiasis nostras" dar. Durch den Lymphstau kommt es zu einer unumkehrbaren abnormen (elefantenartigen) Vergrößerung des betroffenen Körperteils mit starken Bewegungseinschränkungen.

Weitere Zielstrukturen

Eine ebenfalls mögliche Folge der Wundrose im Bereich der Unterschenkel ist die Thrombophlebitis. Hierbei kommt es zu einer Entzündung benachbarter oberflächlicher Venen. Doch auch tiefe Beinvenenthrombosen sind als Komplikation des Erysipels möglich.

Wird das chronisch-wiederkehrende Erysipel nicht ausreichend behandelt, kann die anfangs auf die Haut beschränkte Infektion auch auf innere Organe übergreifen. Besonders bei längerem Bestehen dieser bakteriellen Infektionskrankheit muss mit Entzündungen des Herzens, der Lunge und der Nieren gerechnet werden.

Eine weitere, sehr seltene Komplikation ist die Sepsis. Bei dieser lebensbedrohlichen Blutvergiftung breiten sich die Keime rasch im gesamten Organismus aus und können so zu einem Versagen sämtlicher Körperorgane führen.

Nicht panisch werden

Trotz der soeben gelesenen möglichen Komplikationen und Langzeitschäden – verfallen Sie bitte nicht in Panik, sobald Sie an einem Erysipel erkranken. All die genannten, potentiell lebensbedrohlichen Komplikationen können durch eine zeitige und adäquate Behandlung des Erysipels verhindert werden. Das ist auch der Grund, warum Sie in Deutschland eher selten mit diesen Folgeerscheinungen konfrontiert werden.

Wenn Sie den Verdacht haben, an einem Erysipel erkrankt zu sein, dann stellen Sie sich unverzüglich einem Arzt vor, damit dieser die erforderlichen Therapien in die Wege leiten kann. Scheuen Sie außerhalb der Sprechzeiten daher auch nicht den Weg in die Notfallpraxis oder Ambulanz.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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