Wie behandelt man eine Wundrose (Erysipel)?

Die meist durch A-Streptokokken hervorgerufene Wundrose ist eine bakterielle Infektionskrankheit der Haut. Unabhängig von der Lokalisation erfordert diese akute Erkrankung neben allgemeintherapeutischen Maßnahmen immer auch eine systemische (innerliche) Behandlung mit Antibiotika.

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Sollte bei Ihnen die Diagnose eines Erysipels gestellt worden sein, bedeutet das automatisch, dass Sie sich spätestens jetzt etwas Ruhe gönnen sollten. Egal ob im Gesicht, am Arm oder Bein – die Wundrose ist eine behandlungsbedürftige Infektionskrankheit, die Sie nicht unterschätzen sollten.

Obwohl anfangs noch auf das Eintrittsgebiet der Bakterien beschränkt, kann sich die Hautentzündung sehr schnell auf tieferliegendes Gewebe und über Blut- und Lymphbahnen auch auf den restlichen Körper ausbreiten. Schlimmstenfalls könnte eine solche Keimausbreitung sogar auf die inneren Organe übergehen.

Um mögliche Komplikationen zu vermeiden, sollten Sie deshalb unbedingt die empfohlene Bettruhe einhalten, Anstrengung und Aufregung vermeiden sowie selbstverständlich nicht in die Sonne gehen.

Weitere allgemeine Empfehlungen

Generell sollte der erkrankte Körperabschnitt ruhiggestellt und hochgelagert werden. Sollten Sie unter einem Gesichtserysipel leiden, müssen Sie eventuell zusätzlich ein Sprechverbot einhalten und sogar Ihre Ernährung eine Zeit lang auf flüssige Kost umstellen.

Feuchte Verbände mit Antiseptika wirken antibakteriell auf Haut und Schleimhäute. Aus diesem Grund wird eine begleitende lokale Therapie mit Kaliumpermanganat- oder Chlorhexidin-Lösung empfohlen.

Um eine erneute Keimbesiedlung zu verhindern, müssen mögliche Eintrittspforten sofort mitbehandelt werden. Neben einem bestehenden mazerierten (aufgequollenen) Fußpilz können dies auch Nagelbettentzündungen, Nasen- und Ohreinrisse oder irgendwelche anderen Hautverletzungen bzw. chronische Wunden sein. Seien Sie aufmerksam und helfen Sie Ihrem behandelnden Arzt auf der Suche nach möglichen Infektionsquellen.

Antibiose – der Weg zum Erfolg

So sehr Sie sich vielleicht in anderen, berechtigten Situationen dagegen sträuben, bei der Behandlung des Erysipels führt kein Weg daran vorbei: Sie brauchen ein Antibiotikum. Allein durch eine adäquate Antibiose wird gesichert, dass sich die Bakterien nicht weiter in Ihrem Körper verteilen und noch größeren Schaden anrichten.

Je nach Ausprägung und Ort der Wundrose wird man Ihnen das Antibiotikum in Tablettenform oder als Infusion über die Vene verordnen. Letzteres ist meist den komplizierten Fällen oder Risikogruppen vorbehalten und erfordert normalerweise einen stationären Aufenthalt im Krankenhaus.

Da es sich bei den Hauptverursachern des Erysipels um Streptokokken handelt, wird zur Behandlung das altbewährte Penicillin eingesetzt, auf das die Bakterien sehr empfindlich reagieren. Lediglich bei einer bestehenden Medikamentenallergie oder wenn die Behandlung nicht anspricht (weil z.B. andere Keime für die Infektion verantwortlich sind), kommen alternative Antibiotika zum Einsatz.

Bei Schmerzen, Fieber und Co.

Die Wundrose wird, insbesondere bei einer Erstinfektion, nicht selten auch von Allgemeinsymptomen wie Fieber und Schüttelfrost, aber auch teilweise von heftigen Schmerzen, Schwellungen und Überwärmung begleitet.

Scheuen Sie sich nicht, in Rücksprache mit Ihrem Arzt begleitend schmerzlindernde, fiebersenkende Medikamente einzunehmen. Kühlen Sie ferner die betroffenen Hautpartien regelmäßig über den Tag verteilt und in angemessener Form. Verwenden Sie idealerweise eine Kältekompresse, um die Sie ein Baumwolltuch gewickelt haben. Die Haut sollte sich kühl, aber nicht eiskalt anfühlen. Nach der Kühlung sollte man eine Kühlpause einlegen, bis sich die Haut wieder erwärmt hat.

Falls Sie viel liegen müssen und bei Ihnen evtl. Risikofaktoren für die Entwicklung von Blutgerinnseln bestehen, kann es sein, dass Ihr behandelnder Arzt Ihnen zusätzlich Antikoagulantien verschreibt. Diese gerinnungshemmenden Medikamente (z.B. ASS, Heparin-Spritzen) werden prophylaktisch eingenommen, um Thrombosen zu verhindern.

Risikofaktoren erkennen und behandeln

Bei manchen Menschen stellen bestimmte chronische Erkrankungen (u.a. Gefäßerkrankungen, neurologische oder den Stoffwechsel betreffende Krankheiten) ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Wundrose dar. Sobald die akute Entzündung rückläufig ist, sollten bei diesen Personen daher zeitnah mögliche begünstigende Faktoren ausgemacht und behandelt werden. Für manch einen bedeutet das in Zukunft vielleicht regelmäßige Lymphdrainagen, Kompressionstherapien oder die Teilnahme an Diabetesschulungen und Bewegungskursen.

Jeder Erkrankungsfall ist individuell und muss auch so betrachtet werden. Bei manchen Menschen bleibt die Wundrose eine einmalige akute Infektion. Bei anderen kehrt sie immer wieder. In diesen Fällen ist nur durch eine ganzheitliche Betrachtung und Behandlung eine erfolgreiche Therapie zu erwarten. Nur so lassen sich Langzeitfolgen vermeiden.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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