Ist der Bluttest auf Borreliose sicher?

Nein. Bei der Blutuntersuchung auf Borreliose sucht man in der Routinediagnostik nach spezifischen Antikörpern gegen die auslösenden Bakterien, also gegen die Borrelien. Finden sich Antikörper im Blut, ist dies jedoch kein sicherer Beweis dafür, dass man wirklich eine Borreliose (auch Lyme-Krankheit genannt) hat.

Ein positiver Antikörper-Befund sagt lediglich aus, dass man bereits Kontakt zu Borrelien hatte und sich das Immunsystem mit den Erregern auseinandergesetzt hat. Der Bluttest kann jedoch keine Aussage darüber treffen, ob das Immunsystem alle Erreger eliminieren konnte oder ob sich noch Borrelien im Körper befinden.

Eine Restunsicherheit bleibt immer

Und als würde das an Unklarheiten nicht genügen: Auch ein negativer Antikörpertest bedeutet nicht immer, dass keine Borrelien-Infektion vorliegt. Das Immunsystem braucht nämlich einige Zeit, bis es bei einer Infektion Antikörper bildet. Deshalb kann es zu Beginn der Lyme-Krankheit sein, dass sich trotz der Infektion noch keine Antikörper gegen die Bakterien im Blut nachweisen lassen.

Es gibt jedoch auch Bluttests, die gezielt nach Bruchstücken von Borrelien-Erbgut suchen. Das Vorhandensein solcher DNA-Fragmente beweist, dass Borrelien im Blut vorhanden sind. Oder waren. Also muss man auch hier Wasser in den Wein gießen: Der Test kann in seltenen Fällen "falsch positiv" ausfallen, wenn es sich um die DNA bereits toter Borrelien handelt.

Zur Diagnose einer Lyme-Borreliose berücksichtigt man deshalb neben einem positiven Bluttest auch das individuelle Beschwerdebild. Da nur bei jedem zweiten Betroffenen die typischen Hautflecken auftreten (sich ausbreitende, ringförmige Rötung), bleibt als Fazit: eine wirklich hundertprozentig sichere Diagnose der Borreliose gibt es selten.

Autoren: Celina Hofmann & Dr. med. Jörg Zorn

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