Was sind Beta-Glucane?

Beta-Glucane sind ein Naturstoff. Sie dienen den Pflanzen sowie Hefen, Pilzen, Algen und Bakterien als Speicher- und Gerüstsubstanzen. Chemisch handelt es sich um Polysaccharide, also Vielfachzucker, die aus lauter D-Glukose-Molekülen bestehen.

Gesundmacher aus Pilzen

In der menschlichen Ernährung spielen Beta-Glucane als pflanzliche Ballaststoffe eine wichtige Rolle: Sie fördern die Verdauung. Zusätzlich zählen sie zu den sogenannten bioaktiven Substanzen – was sie besonders interessant für Wissenschaft und pharmazeutische Hersteller macht. Das liegt vor allem daran, dass ihnen zahlreiche positive Wirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben werden. Dazu zählen günstige Effekte auf

  • Cholesterinspiegel
  • Blutdruck
  • Blutzucker
  • Immunsystem
  • sowie Wirksamkeit gegen Entzündungen und Krebsentwicklung

Beta-Glucan ist nicht gleich Beta-Glucan

Auch wenn in den Medien meist nur pauschal von den Beta-Glucanen die Rede ist, handelt es sich doch in Wirklichkeit um eine höchst heterogene Gruppe. Die verschiedenen Glucane sind unterschiedliche Moleküle mit unterschiedlichem Molekulargewicht. Die Art der Bindung zwischen den Zuckermolekülen entscheidet über ihre Raumstruktur und Lösungseigenschaften. Und die feinen chemischen Unterschiede zwischen den Beta-Glucanen entscheiden über ihre gesundheitliche Wirkung.

Wer das näher verstehen will, dem sei der folgende Abschnitt empfohlen. Aber Vorsicht: Das wird jetzt sehr chemisch.

Beta kommt von Bindung

Oben sprachen wir ja davon, dass es sich bei den Beta-Glucanen um einen Vielfachzucker handelt. Entscheidend ist nun, wie sich diese Zuckermoleküle aneinander binden.

Ein Glucose-Molekül besteht aus 6 Kohlenstoff-Atomen. Ist das erste Kohlenstoff-Atom des einen Glukose-Moleküls mit dem vierten Kohlenstoff-Atom des benachbarten Moleküls verbunden, spricht man von einem Beta-1,4-Glucan. Warum Beta? Weil es sich um eine ß-glykosidische Bindung handelt, was das Gebilde zu mehr oder weniger unverdaulichen Ballaststoffen macht.

Zu den Alpha-Glucanen mit α-glykosidischer Bindung zählt beispielsweise die gut verdauliche Stärke. Dieser pflanzlichen Speichersubstanz steht bei Tier und Mensch das Alpha-Glucan Glykogen gegenüber.

Beta-Glucane für das Immunsystem in Hefe und Pilzen

Der Klassiker der Beta-Glucane ist die Zellulose, der Hauptbestandteil der pflanzlichen Zellwände und damit die häufigste organische Verbindung überhaupt. Sie besteht aus hunderten bis zehntausend Glucose-Molekülen, die in Form einer Beta-Bindung aneinandergereiht sind.

In Gerste und Hafer macht das Beta-Glucan Lichenin bis zu 6-8% der Trockenmasse aus. Es enthält neben den 1,4-Bindungen auch Beta-1,3-Verknüpfungen (Kohlenstoff-Atom 1 hängt an Kohlenstoff-Atom 3). Dadurch werden diese Moleküle wasserlöslich.

Von besonderem Interesse sind sogenannte Beta-1,3/1,6-Glucane (gemischt sowohl 1,3- als auch 1,6-Glykosidbindungen). Sie finden sich in Hefe und speziellen Pilzen und sind nicht wasserlöslich. In Nahrungsergänzungsmitteln wirken diese Beta-1,3/1,6-Glucane stimulierend auf das Immunsystem.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

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