Epidemiologie

Die Prävalenzratio beträgt weltweit 0.0059, in Deutschland 0.0007, in Österreich 0.0011 (Stand 2006). Aus epidemiologischer Sicht ist das weltweite Verteilungsmuster von HIV interessant: Während sich die meisten Viren gleichmäßig schnell ausbreiten, war dies bei HIV anders.

Der erste entdeckte AIDS-Erreger ist ein HI-Virus 1 vom Subtyp B aus der Hauptgruppe M. Dieses Virus tauchte erstmals um 1930 in Zentralafrika auf. Ein internationales Forscherteam kommt nach Gen-Analysen zahlreicher HIV-Subtypen aus aller Welt zu dem Schluss, dass dieses AIDS-Virus um das Jahr 1966 herum von Afrika nach Haiti gelangte. Die Untersuchungen belegen ferner, dass sich das Virus mit hoher Wahrscheinlichkeit zunächst innerhalb von Haiti und dann von dort über die ganze Welt ausbreitete.

So erreichte es von Haiti aus 1969 die USA. Zu diesem Schluss gelangten Forscher um Michael Worobey an der Universität Arizona nach der eingehenden Analyse von Virusproben der ersten bekannten AIDS-Patienten aus Haiti.In den USA habe sich das Virus zunächst sehr langsam in der heterosexuellen Bevölkerung ausgebreitet, bevor es sich dann wenig später innerhalb der Hochrisiko-Gruppe homosexueller Männer stärker verbreitete.

Während die HIV-Epidemie in den USA bereits in den 1980er Jahren begann, gab es einige Länder, die von HIV verschont zu sein schienen, dann aber mit großer Geschwindigkeit vom Virus erobert wurden. So geschah es vor allem in Osteuropa und Asien Mitte der 1990er Jahre. In anderen Ländern, zum Beispiel Kamerun, blieb die Prävalenz von HIV Jahre lang stabil, um dann sprunghaft anzusteigen. Auch eine Obergrenze in der HIV-Prävalenz scheint es nicht zu geben. So stieg die Quote der schwangeren Frauen mit HIV in städtischen Zentren in Botsuana nach 1997 in vier Jahren von 38,5 auf 55,6 Prozent.

Eine nachhaltig erfolgreiche Bekämpfung von HIV/AIDS in afrikanischen Hochprävalenzländern muss die Reduktion sowohl von AIDS-bedingten Todesfällen als auch von Neuinfektionen umfassen. Daten aus einigen schwer von der HIV-Epidemie getroffenen Ländern wie Kenia, Ruanda, Uganda und Simbabwe zeigen, dass sich die Rate der Neuinfektionen durch Änderungen im Sexualverhalten verringern lässt.

Als Grundlagen dieses Erfolges gelten die landesweite Einführung von Sexualkundeunterricht, die zunehmende Einführung der antiretroviralen Therapie, flächendeckende Kampagnen zur Steigerung der Akzeptanz von Kondomen, HIV-Tests, deren Ergebnisse noch am selben Tag bekannt gegeben wurden und Selbsthilfe-Kits für sexuell übertragbare Krankheiten.

Diese Erfolge sind jedoch nur mit finanziellen Mitteln durchführbar, die viele der Hochendemie-Länder in Afrika nicht allein aufbringen können. Unabdingbar ist ferner ebenso ein politischer Wille, diese Seuche aktiv zu bekämpfen. Laut Daten aus Uganda konnte die Prävalenz von HIV bei schwangeren Frauen von fast 30 Prozent im Jahr 1992 auf 5,4 Prozent im Jahr 2007 gesenkt werden . Das Erfolgsmodell Uganda ist nicht unumstritten: Zur Reduktion der HIV-Prävalenz haben auch eine verbesserte Datenerhebung und die dramatische Sterblichkeitsrate von Menschen mit HIV/AIDS beigetragen.

Weltweit

Jahr

Mit HIV/AIDS lebende Personen

Neuinfektionen

Todesfälle

Todesfälle aufsummiert

Quelle

1980 (~ 2.000.000) 1
1993 (12.900.000) 1 (2.500.000) 1
1999 4.000.000
2000 3.800.000
2001 34.900.000 (40.000.000) 1 3.400.000 2.500.000 20–22 Mio.
2002 (42.000.000) 1 3.500.000 3.100.000 ~ 21.1 Mio.
2003 37.800.000 4.800.000 2.900.000 ~ 24.0 Mio.
2004 39.400.000 4.900.000 3.100.000 ~ 27.1 Mio.
2005 40.300.000 4.900.000 3.100.000 > 25 Mio. AIDS epidemic update December 2005 (UNAIDS)
2006 39.500.000 4.300.000 2.900.000 > 25 Mio. AIDS epidemic update 2006 (UNAIDS)
2007 33.200.000 2.500.000 2.100.000 > 25 Mio. AIDS epidemic update 2007 (UNAIDS)

1 Bei der Berechnung der Gesamtzahl aller Infektionen wandte UNAIDS ab 2004 eine neue Methodik an, die eine relative Korrektur der Zahlen nach unten nach sich zog. Nach alter Methodik ermittelte Zahlen sind zur Unterscheidung kursiv gesetzt, für 2001 finden sich zum Vergleich beide Werte angegeben, ein korrigierter Wert für 2002 ist nicht bekannt.



Mit HIV/AIDS lebende Erwachsene und Kinder (Schätzungen¹)

Globale Verteilung

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

Subsahara-Afrika 23,8 Millionen 24,4 Millionen 25,0 Millionen 25,4 Millionen 25,8 Millionen 24,7 Millionen 22,5 Millionen 22,4 Millionen
Süd- und Südostasien 5,9 Millionen 6,4 Millionen 6,5 Millionen 7,1 Millionen 7,4 Millionen 7,8 Millionen 4,0 Millionen 3,8 Millionen
Latein-Amerika 1,4 Millionen 1,5 Millionen 1,6 Millionen 1,7 Millionen 1,8 Millionen 1,7 Millionen 1,6 Millionen 2,0 Millionen
Osteuropa und Zentralasien 890.000 1,0 Millionen 1,3 Millionen 1,4 Millionen 1,6 Millionen 1,7 Millionen 1,6 Millionen 1,5 Millionen
Ostasien 680.000 760.000 900.000 1,1 Millionen 870.000 750.000 800.000 850.000
Nordamerika 950.000 970.000 1 Million 1 Million 1,2 Millionen 1,4 Millionen 1,3 Millionen 1,4 Millionen
West- und Mitteleuropa 540.000 600.000 580.000 610.000 720.000 740.000 760.000 850.000
Nordafrika und Naher Osten 340.000 430.000 480.000 540.000 510.000 460.000 380.000 310.000
Karibik 400.000 420.000 430.000 440.000 300.000 250.000 230.000 240.000
Ozeanien 24.000 28.000 32.000 35.000 74.000 81.000 75.000 59.000
¹Alle Zahlen von UNAIDS (rot: Zunahme gegenüber dem Vorjahr; schwarz: Gleichstand/Abnahme gegenüber dem Vorjahr)

Im südlichen Afrika ist die Rate am höchsten. Die Rate der schwangeren HIV-Infizierten unter 20 Jahren ist in Südafrika auf 15,4 Prozent gesunken (1998: 21 Prozent); dies bedeutet, dass Aufklärungsprogramme langsam Erfolge zeigen. Jedoch sind die AIDS-Raten bei älteren Frauen immer noch sehr hoch. 32 Prozent der Frauen zwischen 24 und 29 Jahren sind derzeitig mit der Krankheit infiziert. Insgesamt sind 20 Prozent der Bevölkerung Südafrikas mit HIV infiziert. Das Land mit der weltweit höchsten AIDS-Rate ist das benachbarte Swasiland, wo 2005 42 Prozent der Bevölkerung infiziert waren.


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