Was ist das Wirkprinzip von Nukleosid-Analoga?

Nukleosid-Analoga waren die ersten Wirkstoffe gegen die HIV-Infektion, die auf den Markt kamen. Das Wirkprinzip beruht wie bei fast allen Nachfolger-Medikamenten auch auf einer Unterbindung oder zumindest Einschränkung der Viren-Vermehrung.

Im Falle der Nukleosid-Analoga ist der Angriffspunkt die "Reverse Transkriptase". Also das Enzym, mit dem das HI-Virus die Wirtszelle dazu bringt, seine Virus-RNA in DNA umzuwandeln. Erst durch diese enzymgesteuerte Umwandlung der Viren-RNA in Viren-DNA nämlich kann die befallene Immunzelle neue Viren produzieren.

Prinzip der Täuschung

Nukleosid-Analoga arbeiten dabei nach dem Prinzip der Täuschung. Sie sind fast identisch aufgebaut wie bestimmte Bausteine der DNA (Nukleoside). Nur ein einzelnes Zuckermolekül ist verändert. Genau das aber verhindert eine Duplizierung der DNA und damit die vom Virus angestrebte Vervielfältigung. Das vom Virus eingeschleuste Kopier-Enzym "Reverse Transkriptase" kann keine haltbaren DNA-Doppelstränge mehr bauen, also entstehen keine neuen Viren mehr.

Nicht nur das Virus beeinträchtigt

Soweit zur idealtypischen Theorie. In der Praxis gibt es leider auch einige Probleme (sonst wäre Aids längst besiegt). Erstens erreichen die Nukleosid-Analoga oft nicht schnell genug alle befallenen Zellen. Zweitens behindern die fehlerhaften Nukleoside auch normale Stoffwechselvorgänge in gesunden Zellen. Vor allem die Arbeit der Mitochondrien, also der Energie-Lieferanten in den Körperzellen, wird behindert. Die Folge sind zahlreiche Nebenwirkungen und eine damit nur beschränkte Dosierungsmöglichkeit.

Entsprechend ihres Wirkprinzips werden Nukleosid-Analoga auch Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI) genannt. Umgangssprachlich auch oft „Nukes“.

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