Wie viel Sport ist gut fürs kranke Herz?

Rad fahren

Nachgefragt bei Sportmediziner Univ.-Prof. Dr. Dr. Josef Niebauer aus Salzburg

Herr Prof. Niebauer, welchen Herzpatienten empfehlen Sie sportliches Training, wem raten Sie lieber ab?

Niebauer: Ein Training kann fast allen herzkranken Patienten empfohlen werden. Nur wenn eine akute Gefährdung besteht, rate ich ab: Dazu zählen prinzipiell alle fieberhaften, akuten Erkrankungen – diese sollte der Patient erst auskurieren. Ebenfalls ungünstig ist körperliches Training etwa bei einer akuten Entzündung des Herzmuskels, bei einer Herzschwäche mit Beschwerden innerhalb der letzten drei Monate, bei einer durch Belastung ausgelösten Minderdurchblutung des Herzens sowie bei lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen. Bei chronischen Herzerkrankung sind Bewegung und Sport immer ein Teil der Therapie.

Lässt sich das Training nicht auch durch leicht fordernde Alltags-Aktivitäten wie Gartenarbeit und Treppensteigen ersetzen?

Nein, leider nicht. Es ist zwar wichtig, einen aktiven Lebensstil zu führen und sich im Alltag zu fordern. Aber das körperliche Training lässt sich dadurch nicht ersetzen.

Ist es wichtiger, die Ausdauer oder die Kraft zu trainieren?

Favorisiert wird eindeutig das Ausdauertraining, also Joggen, Walken, Nordic Walking, Schwimmen, Radfahren, Skilanglauf oder Inline-Skaten. Nur für Ausdauer-Sportarten ist eindeutig nachgewiesen, dass sie das Erkrankungs-Risiko verringern und die Prognose verbessern. Dennoch spricht nichts gegen, aber viel für ein Krafttraining zusätzlich zum Ausdauertraining.

Bis zu welchem Alter können die Patienten trainieren?

Es gibt keine Grenze, die lediglich am Alter festgemacht wird. Selbst bei über 80-jährigen Patienten lässt sich durch regelmäßiges Training die Verletzungshäufigkeit durch Stürze reduzieren. Weitere Vorteile: Die Menschen sind geistig agiler und profitieren auch insgesamt gesundheitlich vom Training.

Sex trotz krankem Herz – geht das?

Die körperliche „Leistung“ beim Liebesspiel wird oftmals überschätzt: Ein normaler Geschlechtsverkehr ist im Allgemeinen für das Herz nicht belastender als drei bis vier Stockwerke hochzugehen. Patienten, die einen unkomplizierten Herzinfarkt erlitten haben, können üblicherweise etwa zehn Tage später wieder wie gewohnt sexuell aktiv werden. Nach einer erfolgreichen Herzoperation sollte man einige Wochen warten. Männer mit instabiler Angina pectoris oder schwerer Herzschwäche mit Symptomen bereits im Ruhezustand, denen von sexueller Aktivität abzuraten ist, sollten keine PDE-5-Hemmer wie Viagra gegen Erektionsstörungen einnehmen.

Interview: Birgit Bok
Patienten Journal Reise & Gesundheit 3/2016

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