Schluss mit dem Rauchen!

Zigarette rauchen Etwa 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland rauchen – und geben dafür 24,3 Milliarden Euro im Jahr aus. Ein guter Grund, um endlich mit dem Qualm aufzuhören.

Wie es klappen kann, sagt Psychologe Dr. Christoph B. Kröger.

Herr Dr. Kröger, jeder weiß, dass Rauchen schädlich ist. Warum tun wir es trotzdem?

Es ist die Sucht, die uns zur Zigarette greifen lässt. Wer viel raucht – also mehr als zehn Zigaretten am Tag –, hat sich daran gewöhnt. Dann haben sich im Gehirn Verknüpfungen gebildet, die einen Mangelzustand signalisieren, wenn man nicht raucht. Rauchen wird damit einfach notwendig.

Viele Raucher fassen an Silvester den Entschluss, nicht mehr zu rauchen – ohne Erfolg. Gibt es den richtigen Zeitpunkt, um damit aufzuhören?

Eigentlich ist jeder Zeitpunkt gut. Aber es gibt besondere Situationen, in denen es leichter fällt. Der gute Vorsatz zum Neuen Jahr gehört eher nicht dazu. Besser geeignet ist beispielsweise Urlaub. Wesentlich sind aber Änderungen im Leben. Bei Jüngeren ist es etwa die Geburt eines Kindes. Bei Älteren ist es das plötzliche Bewusstwerden körperlicher Defizite. Dabei handelt es sich nicht nur um chronische Krankheiten, sondern auch um kleinere Infekte der Atemwege. Erkältungen bessern sich viel langsamer, wenn man raucht. Es sind Situationen, in denen einem selbst der Gedanke kommt, man sollte aufhören. Wichtig ist es, eine klare Entscheidung gegen das Rauchen zu treffen.

Sie haben in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung das Rauchfrei-Programm entwickelt. Wie gehen Sie vor?

Das Programm basiert auf zwei Säulen: Experten unterstützen den Raucher dabei zu erkennen, dass er süchtig ist. Sie helfen ihm beim Sprung in das rauchfreie Leben. Das kann am Anfang schwierig sein. Ganz wesentlich ist aber ist die zweite Säule – die Gruppe. Es gibt immer Teilnehmer, die tolle Modelle entwickelt und gute Erfahrungen gesammelt haben. Der Austausch spornt an. Viele, die alleine den Ausstieg schaffen wollen, verpassen tatsächlich etwas, wenn sie sich keiner Gruppe anschließen.

Wie motivieren Sie die Teilnehmer?

Einmal, indem wir ihnen klar machen, wie wenig Nutzen das Rauchen hat. Dass es nur noch Gewohnheit und Sucht sind, die einen zur Zigarette greifen lassen. Dann schaut man sich an, was man ganz konkret gewinnt, wenn man aufhört. Was sind die persönlichen Motive: Freiheit, Unabhängigkeit, Stolz, Gesundheit? Es geht nicht nur darum, allgemein gesünder zu leben, sondern darum, was sich der einzelne ganz persönlich davon erwartet, wenn er aufhört. Dazu erstellt jeder eine Liste mit den individuellen Gründen und tauscht sich bei den Gruppen-treffen mit den anderen aus. Zusätzlich bieten wir telefonische Beratung an.

Wie hoch ist die Erfolgsquote?

Bei denjenigen, die es alleine versuchen, liegt die Erfolgsquote bei drei bis fünf Prozent. Bei unseren Kursen ist ein Jahr später etwa ein Drittel noch rauchfrei. Wir sind zufrieden mit diesem Ergebnis.

Menschen mit psychischen Erkrankungen rauchen deutlich häufiger als psychisch Gesunde. Wo liegt der Zusammenhang?

Der Anteil der Raucher liegt in dieser Bevölkerungsgruppe bei 70 bis 90 Prozent. Sucht und psychische Erkrankung haben in diesem Fall eventuell eine gemeinsame Ursache. Nikotin beeinflusst die Stressregulation, diese funktioniert nicht mehr so flexibel wie bei Nichtrauchern. Rauchen schädigt damit die psychische Stabilität. Nikotinabhängige werden dadurch anfälliger dafür, an einer Depression zu erkranken. Außerdem sind die Erfolgsaussichten bei psychisch labilen Menschen, von der Zigarette wegzukommen, generell schlechter.

Arbeiten Sie auch mit Nikotinersatz wie Pflaster, Spray oder Tablette?

Optional sind diese Präparate in unserem Programm enthalten. Wir empfehlen sie beispielsweise am Anfang, um sich den Griff zur Zigarette abzugewöhnen. Sie unterstützen damit das Training und wirken gegen die Entzugserscheinungen. Was wir oft sehen: Erst mit diesen Hilfsmitteln trauen sich viele Raucher überhaupt, den Rauchstopp zu wagen. Auf jeden Fall bieten die Präparate psychologische Unterstützung. Kurs und Medikament dienen als doppelter Boden. Das Medikament hilft dabei, die Eigenmotivation zu fördern.

Nikotin macht süchtig. Ist es darüber hinaus auch schädlich?

Die Nikotin-Dosis, die man beim Zigarettenrauchen inhaliert, ist relativ harmlos. Nikotin hat zwar negativen Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System und auf das Tumorwachstum. Doch es ist unklar, ob die Substanz selbst Krebs auslöst. Die Hauptgiftstoffe sind die Verbrennungsprodukte der Zigarette.

Die Verbrennungsprodukte fehlen bei der E-Zigarette. Ist sie eine harmlose Alternative zum Glimmstengel? Kann sie beim Aufhören helfen?

Auf jeden Fall ist sie eine harmlosere Alternative. Ob sie beim Entzug hilft, wissen wir nicht sicher. Dazu gibt es noch zu wenige Erfahrungswerte und wissenschaftlich belastbare Daten. Viele benutzen sie auch nur dazu, um von der rauchenden Zigarette auf die dampfende Variante umzusteigen. Im Moment empfehlen wir sie nicht in unseren Kursen, dulden sie aber. Aber wenn jemand damit den Entzug schafft, ist es mir lieber, als wenn er weiterrauchen würde. Für Menschen mit COPD eignet sich die E-Zigarette allerdings nicht, da ihr Liquid Substanzen enthält, die bei dieser Lungenerkrankung kritisch sind. Gerade diese Patienten sind aber häufig stark Nikotin-abhängig und bräuchten dringendst einen Rauchstopp. Sie werden weiterhin mit Nikotinersatz-Präparaten versorgt.

Interview: Cornelia Weber
Patienten Journal Reise & Gesundheit 1/2014
Weitere Informationen unter www.ift-gesundheit.de; www.rauchfrei-info.de

Anzeigen