Den Blutdruck senken – mit Bach und Heavy Metal

Eine Studie zeigt: Klassische Musik kann offensichtlich das Herz-Kreislauf-System beeinflussen und den Blutdruck senken. Heavy Metal kann das auch.

 Blutdruck senken – mit Musik senkenProf. Hans-Joachim Trappe von Universitätsklinik in Bochum und sein Team führten eine Studie an 60 freiwilligen, herz-gesunden Teilnehmern – je 30 Frauen und Männer mittleren Alters – durch, die sie in Gruppen eingeteilt und jeweils mit einem der folgenden Klänge beschallt haben: mit der Orchestersuite Nr. 3 von Johann Sebastian Bach, mit Songs der Heavy-Metal-Band Disturbed und mit typischen Geräuschen, die wir als Lärm wahrnehmen, darunter ein Staubsauger, eine Kettensäge und Babygeschrei. Die Teilnehmer hörten ihre Klänge 30 Minuten lang über Kopfhörer, während ihr Blutdruck und ihre Herzfrequenz kontinuierlich über drei Stunden hinweg gemessen wurden. Eine weitere Gruppe – „die Entspannungsgruppe“ – haben Trappe und sein Team zum Vergleich herangezogen und nicht mit Geräuschen beschallt. Alle Probanden lagen ruhig auf einer Liege und hatten die Augen geschlossen. Als die Studienphase beendet war, bewegten sie sich wieder ganz normal

Effekt bei Bach am stärksten

Es zeigte sich, dass der obere, systolische Blutdruckwert – er gibt Aufschluss über die Auswurfleistung des Herzens, wenn es sich zusammenzieht – sowohl unter Klassik und Heavy Metal als auch in Ruhe gesunken war.

Dieser Effekt war während der Musik von Bach am stärksten: Der Blutdruck sank von 128 auf 121 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule, Einheit des Blutdrucks), im Mittel waren es 7,5 mmHg. Nach der Suite hingegen stieg er wieder an. Und auch der untere, diastolische Blutdruckwert – er entspricht dem Dauerdruck in den Arterien – nahm während der Beschallung von 82 auf 77 mmHg ab, im Mittel um 4,9 mmHg. Genau wie der systolische Blutdruckwert nahm der diastolische anschließend wieder signifikant zu. In der Studie hat die Komposition von Bach den Blutdruck am deutlichsten gesenkt. Interessanterweise hat auch Heavy Metal zu Blutdrucksenkungen geführt.

Musik als „Medikament“?

Ob die Ergebnisse der Studie grundsätzlich gelten, kann man aufgrund der wenigen Versuchsteilnehmer nicht sagen. Doch was ohnehin noch aussteht und keine Studie bisher bieten konnte, ist laut Trappe ein „musikalischer Parameter“ einer Herz-Kreislauf-Wirkung: „Man kann nicht sicher sagen, welche Wirkung auf den Körper tatsächlich von der Musik ausgeht. Und solange das so ist, sind weitere Untersuchungen nötig, bevor Musik als Medikament eingesetzt werden kann“, kommentiert Trappe die Ergebnisse seiner Studie.

Gesunder Lebensstil normalisiert den Blutdruck

  • Wenig Salz: 5 bis 6 Gramm pro Tag sind genug.
  • Wenig Alkohol: Maximal 10 bis 20 Gramm pro Tag (Frauen) beziehungsweise 20 bis 30 Gramm pro Tag (Männer). Ein Glas Wein (200 ml) enthält 16 Gramm Alkohol, ein Glas Bier (500 ml) 20 Gramm.
  • Mediterrane Kost mit wenig Fett, aber viel Obst und -Gemüse (300 bis 400 Gramm am Tag).
  • Gewichtsabnahme bei Übergewicht: Anzustreben ist ein -Body-Mass-Index (BMI) unter 25 kg/m2 und ein Bauch-umfang kleiner als 88 Zentimeter (Frauen) beziehungsweise kleiner als 102 Zentimeter (Männer).
  • Regelmäßige Bewegung oder Sport: 30 Minuten -moderates Training an 5 bis 7 Tagen in der Woche, zum Beispiel Walken, Joggen, Radfahren oder Schwimmen.
  • Nicht rauchen.

Autor: Martin Scholl
Patienten Journal Reise & Gesundheit 1/2014

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