Herzkrank in die Hitze? Tipps für Tropen und Sauna

Ohne Kontraindikationen spricht beim gründlich untersuchten Herzpatienten mit stabiler Erkrankung nichts gegen einen Aufenthalt in den Tropen oder in der Wüste. Auch von einem Saunabesuch müsse man nicht abraten, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Dr. Josef Niebauer aus Salzburg.

Alter Mann: Herzkrank in die Hitze?In schwülem und heißem Klima schlägt das Herz generell schneller und die Körpertemperatur steigt an. Zudem schwitzt man in der Hitze mehr und verliert dadurch an Gewicht.

Mit dem Schweiß scheidet der Körper aber nicht nur Wasser aus, sondern auch Elektrolyte. Wer diesen Verlust nicht ausgleicht, riskiert gegebenenfalls Herzrhythmusstörungen. Weitere Auswirkungen: Das Herz pumpt weniger Blut in den Kreislauf und der Blutdruck sinkt.

Alle diese Effekte können insbesondere bei Menschen mit Herz-Erkrankungen problematisch werden. Patienten, die entwässernde Medikamente einnehmen, müssen Niebauer zufolge eventuell deren Dosierung an den erhöhten Wasserverlust anpassen.

Generelle Empfehlungen für den Aufenthalt in der Hitze gelten in besonderem Maße auch für Herzpatienten:

  • ausreichend viel trinken,
  • direkte Sonneneinstrahlung meiden,
  • Überanstrengung vermeiden,
  • mittags Siesta halten,
  • körperliche Aktivität in den frühen Morgen oder Abend verlegen.

Bereits vor dem Sport ausreichend trinken

Wer bei höheren Temperaturen körperlich aktiv ist, sollte die Belastung nicht mit einem Flüssigkeitsdefizit beginnen, sondern bereits vorher genügend trinken. Bei Ausdauerbelastungen von über einer Dreiviertelstunde empfiehlt Niebauer zwischendurch zu trinken, am besten immer wieder circa 150 Milliliter – langsam und schluckweise. Die Temperatur des Getränks sollte zwischen 12 und 20 Grad Celsius liegen.

Ein Flüssigkeitsverlust ist mit einem Abfall der Leistungsfähigkeit verbunden: Verliert etwa ein 70 kg schwerer Mann 1,4 Liter -Flüssigkeit, ist seine Leistungsfähigkeit um 20 Prozent reduziert, ein Verlust von 2,8 Litern führt zu einem Leistungsabfall um 40 Prozent, sagt Sportmediziner Niebauer.

Hitzestress in der Sauna

Während eines Sauna-Aufenthalts steigen die Temperatur und die Durchblutung der Haut, ebenso das Herzzeitvolumen, das Schlagvolumen und die Herzfrequenz. Mit diesen Belastungen kommt nicht jeder zurecht. Niebauer rät von Sauna-Besuchen ab bei:

  • instabiler Angina pectoris,
  • Herzinfarkt vor weniger als drei Monaten,
  • schwerer Herzinsuffizienz,
  • hochgradiger Aortenstenose.

Nach Gewöhnung hält Niebauer auch Saunagänge bei 80 bis 100 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 10 bis 20 Prozent durchaus für möglich.

Dass Saunabesuche bei Patienten mit chronischer Herzschwäche sogar förderlich sein können, zeigt eine japanische Studie mit 30 Herz-Patienten, von denen 20 zwei Wochen lang an fünf Tagen pro Woche in die Sauna gingen, die restlichen zehn dienten als -Kontroll-Personen. Die Saunagänger hielten sich jeweils für 15 Minuten in der Sauna bei 60 Grad Celsius auf, danach folgte eine 30 Minuten lange Ruhepause.

Nach zwei Wochen zeigten sich in der Sauna-Gruppe weniger Herzrhythmusstörungen und die Herzfrequenz passte sich besser an die Erfordernisse an. Auch eine Verbesserung der Herzschwäche war bei den Saunagängern klar nachweisbar. In der Vergleichsgruppe dokumentierten die japanischen Wissenschaftler keine positiven Änderungen.

Autorin: Birgit Bok/cw
Patienten Journal Reise & Gesundheit 6/2014

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