Darf ich mit einem Defibrillator Auto fahren?

Ob Sie mit Ihrem Defibrillator Auto fahren dürfen, hängt davon ab, ob er rein vorsorglich oder nach schweren Herzrhythmusstörungen eingebaut wurde und um welche Fahrzeuggruppe es geht.

Ein Defibrillator wird zum Schutz vor einem plötzlichen Herztod bei herzkranken Menschen eingebaut. Ärzte unterscheiden eine "primär präventive" und eine "sekundär präventive" Implantation.

Ob primär oder sekundär, ist entscheidend

Primär präventiv bedeutet, dass der Defibrillator eingebaut wird, bevor jemals bösartige Rhythmusstörungen oder Ohnmachtsanfälle aufgetreten sind. Sekundär präventiv hingegen beschreibt, dass derartige Ereignisse bereits eingetroffen sind und in Zukunft verhindert werden sollen.

Bei bösartigen Rhythmusproblemen schlägt das Herz völlig ungeordnet, der Blutdruck sackt ab und Betroffene werden ohnmächtig. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem Herzstillstand bis hin zum Tod.

Ein solches Akutereignis ist im Autoverkehr höchst gefährlich. Auch Unbeteiligte können bei einem Unfall schwer verletzt werden. Deswegen gibt es strenge Regelungen, wer wann Autofahren darf.

Verschiedene Fahrzeuggruppen

Bei der Fahrzeugklasse unterscheidet man Gruppe 1 und Gruppe 2. Zur Gruppe 1 gehören zum Beispiel Mopeds, Kraft- und Leichtkrafträder, Kraftfahrzeuge sowie land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen bis 3,5 t und Motorräder.

Die Gruppe 2 umfasst Lastkraftwagen und Busse sowie die Erlaubnis zur Beförderung von Fahrgästen. Hier gibt es besonders strenge Vorgaben. Fahrzeuge der Gruppe 2 sind für Defibrillatorträger in der Regel ausgeschlossen.

Wer Auto fahren darf

Wenn bei Ihnen primär prophylaktisch ein Defibrillator implantiert wurde, können Sie in der Regel bei unkompliziertem Verlauf nach ein bis zwei Wochen wieder Kraftfahrzeuge der Gruppe 1 führen. Alle Betroffenen, die sekundär prophylaktisch einen Defibrillator erhalten haben, müssen hingegen länger warten und können frühestens nach drei Monaten wieder Fahrzeuge der Gruppe 1 nutzen. Der Kardiologe muss bestätigen, dass der Defibrillator funktioniert und die Wunde gut verheilt ist.

Sollten Sie bereits einen Defibrillator tragen und hat dieser nun ausgelöst, so wird Ihnen danach für drei Monate die Fahrerlaubnis entzogen und erst wieder erteilt, wenn keine weiteren Ereignisse aufgetreten sind.

Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem behandelnden Kardiologen, bevor Sie das Autofahren wieder aufnehmen. Weitere Informationen finden Sie zudem in der Begutachtungsleitlinie zur Kraftfahreignung in den Berichten der Bundesanstalt für Straßenwesen (aktueller Stand vom 24. Mai 2018).

Autorin: Dr. med. Susanne Endres

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