Wie lange dauert eine Herzkatheter-Untersuchung?

Die Herzkatheter-Untersuchung selbst dauert je nach Zustand der Arterien zwischen einer halben Stunde bis zu zwei Stunden. Allerdings müssen unmittelbar vor dem Eingriff einige Routine-Untersuchungen durchgeführt werden.

Unter Umständen müssen Sie nach dem Eingriff noch eine Weile flach liegen, abhängig davon, ob der Arzt  die Untersuchung über den Puls am Handgelenk oder der Leiste durchgeführt hat.

Nach 30 Minuten kann alles vorbei sein

Unter Umständen kann ein Herzkatheter schon nach 30 Minuten vorbei sein. In dieser halben Stunde erfolgen Vorbereitung und Untersuchung.

Wie viel Zeit man insgesamt für den Eingriff einplanen muss, hängt auch davon ab, ob die Gefäße nur begutachtet werden oder ob zum Beispiel zusätzlich eine Gefäßaufweitung durchgeführt wird. Im ersteren Fall kann man mitunter schon am gleichen Tag oder zumindest am nächsten Morgen nach Hause. Wurde aber zum Beispiel eine Ballon-Erweiterung durchgeführt, muss man mindestens eine Nacht oder gelegentlich mehrere Tage in der Klinik bleiben.

Vorbereitungsphase

Vor der Untersuchung legen Pflegepersonal oder Ärzte einen Zugang in eine Ihrer Venen in Ellbogen, Unterarm oder auf der Handfläche. Hierüber können die Mediziner bei Bedarf Schlaf- oder Beruhigungsmittel geben.

Auch wenn der Herzkatheter keine Operation ist, findet er in einer Art OP-Saal statt, bei der der behandelnde Arzt steril gekleidet ist und wie ein Chirurg grüne oder blaue Kleidung, einen Mundschutz und sterile Handschuhe trägt.

Sie selbst tragen in der Regel Krankenhauskleidung und liegen auf einer Katheterliege. Sterile Tücher bedecken Sie. Die Liege kann während der Untersuchung elektronisch nach vorne und hinten verschoben werden. Außerdem ragt ein Röntgenbogen wie ein großer Arm über die Liege. Damit können Bilder Ihrer Herzkranzgefäße aufgenommen werden.

Weg zum Herzen

Ein kleines schmales Röhrchen dient als Eingang in Ihr Gefäßsystem. Es führt über Arm- und Hauptschlagader zum Herzen und den Kranzgefäßen. Der behandelnde Mediziner legt es unter örtlicher Betäubung mit Hilfe einer kleinen Nadel in den Puls am Handgelenk oder in der Leiste.

Wenn die Vorbereitung abgeschlossen sind, beginnt die eigentliche Untersuchung. Dabei führt der Herzspezialist feine, sehr biegsame Drähte über den Zugang an Handgelenk oder Leiste ins Gefäß und kann sie bis zu den Haupteingängen der drei Herzkranzgefäße vorschieben.

Dann gilt es, jede einzelne Ader separat zu sondieren. Sobald der Draht es wenige Millimeter in den Gefäßeingang geschafft hat, appliziert der Arzt Kontrastmittel, eine Art Farbe in die Ader und macht aus mehreren Winkeln Röntgenbilder. Eine ruhige Hand, viel Geduld und Erfahrung sind hier unerlässlich.

Druckverband am Handgelenk

Gelingt es, die Gefäße problemlos zu sondieren und verteilt sich das Kontrastmittel in allen drei Adern vollständig, ist die Untersuchung damit schon beendet. Der Draht kann herausgezogen und die kleine Schleuse in Handgelenk oder Leiste entfernt werden.

Arterien stehen im Vergleich zu den Venen, in die Medikamente wie Beruhigungsmittel gespritzt werden, unter deutlich mehr Druck. Daher muss nach Entfernen der Schleuse ein Druckverband angelegt werden. Für das Handgelenk gibt es vorgefertigte Manschetten aus Plastik. Sie liegen ähnlich wie eine Armbanduhr ums Handgelenk, sind aber etwas eng und unangenehm. Meist kann das Pflegepersonal sie nach circa 6 Stunden abnehmen.

Bettruhe bei Zugang über die Leiste

Wenn der Herzkatheter über die Ader in der Leiste durchgeführt wurde, kann es sein, dass Sie eine Zeit lang strenge Bettruhe einhalten müssen. Inzwischen gibt es zudem Verschlusssysteme, die wie Klebstoff als kleiner Pfropfen von innen die Arterienwand verschließen. Damit können Sie unter Umständen auch schon früher wieder aufstehen.

Viele Faktoren wie Herzvorerkrankungen, Medikamente und Veränderungen an den Adern spielen eine Rolle, welchen Zugangsweg in das Gefäßsystem Mediziner wählen und wie lange Sie dementsprechend Bettruhe einhalten müssen.

Am selben Tag nach Hause oder über Nacht im Krankenhaus

Wenn die Untersuchung unauffällige Adern zeigte, komplikationslos verlief und Sie sonst völlig gesund sind, können Sie unter Umständen noch am selben Tag wieder nach Hause gehen. Es ist jedoch nicht ungewöhnlich, für eine Nacht überwacht zu werden.

Menschen mit Vorerkrankungen wie koronarer Herzkrankheit, Herzschwäche oder anderen medizinischen Problemen wie Diabetes mellitus oder Nierenschwäche sowie all diejenigen, bei denen sich im Herzkatheter Engstellen zeigten, die mit einem Ballon und Stent (Metallgitterchen) behandelt wurden, müssen in der Regel zur Überwachung mindestens eine Nacht in der Klinik bleiben.

Engstellen kosten Zeit

Finden Ärzte in der Katheteruntersuchung eine oder mehrere Kalk- beziehungsweise Engstellen in den Adern, so versuchen sie in der Regel, sie mit einem Ballon und Stent wieder zu öffnen. Dies gelingt oft, aber nicht immer. Komplexe Empfehlungen von Experten regeln, welche Art von Engstellen geöffnet werden können und müssen.

Ein auffälliger Befund an den Kranzgefäßen verlängert auf jeden Fall die Dauer des Herzkatheters. An den oben beschriebenen ersten Teil schließt sich dann meist nahtlos in derselben Untersuchung ein zweiter Teil an, in dem eine Engstelle mit Hilfe eines kleinen Ballons wieder aufgeweitet und stabilisiert wird.

Fingerspitzengefühl notwendig

Hierzu nutzen Mediziner spezielle Drähte, an deren vorderem Ende ein kleiner Ballon und ein Metallgitterchen liegen. Sie schieben ihn in das betroffene Herzkranzgefäß bis zur Engstelle vor und kontrollieren mit dem Röntgengerät, ob der Draht korrekt liegt. Mit relativ viel Druck wird der Ballon aufgeblasen und das Metallgitter von innen an die Gefäßwand gedrückt. So wird die Engstelle geöffnet, und die Arterie ist wieder frei durchgängig.

Das erfordert Fingerspitzengefühl und kostet Zeit. Manche Verkalkungen sind so verhärtet, dass der feine Draht die Engstelle kaum passieren kann. All dies kann eine Untersuchung dementsprechend verlängern.

Von Fall zu Fall unterschiedlich

Sie sehen also, es ist gar nicht so einfach zu sagen, wie lange ein Herzkatheter im Einzelfall dauert. Es hängt immer auch davon ab, wie schnell und gut der Arzt die Adern sondieren und öffnen kann und wie viele Gefäße betroffen sind. Auch Komplikationen während der Untersuchung und Begleitkrankheiten spielen eine Rolle.

Autorin: Dr. med. Susanne Endres

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