Wie häufig treten bei einer Herzkatheter-Untersuchung Komplikationen auf?

Die Häufigkeit von Komplikationen beträgt weniger als 1%. Das heißt, Komplikationen kommen selten vor. Dennoch muss Ihr Arzt Sie über die möglichen Risiken ausführlich informieren.

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Im Grunde ist der Herzkatheter eine sehr sichere Untersuchung. Wie bei allen invasiven Methoden können aber manchmal auch Schwierigkeiten auftreten. Die Ärzte unterscheiden leichte von schweren, lebensbedrohlichen Komplikationen.

Komplikationen selten und meist harmlos

Wie häufig Probleme auftreten, hängt auch davon ab, ob ein Notfall- oder ein geplanter Herzkatheter durchgeführt wird. Bei einem geplanten Eingriff kann die Untersuchung gründlich vorbereitet werden, so dass in der Regel keinerlei Zwischenfälle zu erwarten sind.

Ein akuter Herzinfarkt dagegen ist ein absoluter Notfall. Hier treten bei der Untersuchung auch etwas häufiger Schwierigkeiten auf. Allerdings gibt es in solchen Situationen wenig zu diskutieren: Bei einem akuten Herzinfarkt muss der Arzt wissen, was Sache ist.

Zu den leichteren Komplikationen gehören zum Beispiel Kreislaufprobleme, allergische Reaktionen oder Herzrhythmusstörungen, die jedoch bei der EKG-Überwachung sofort angezeigt werden. Durch den Eingriff wird Ihr Herz leicht gereizt und kann dadurch kurzzeitig aus dem Takt geraten. Solche kleinen Stolperer sind aber in der Regel nicht weiter dramatisch.

Eine Arterie unter Druck

Im Anschluss an die Untersuchung sind Nachblutungen aus der punktierten Arterie möglich. Immerhin sind die Arterien im Gegensatz zu den Venen Hochdruckrohre. Das Blut schießt mit hoher Geschwindigkeit durch sie hindurch und erzeugt einen entsprechend hohen Druck. Deshalb wird Ihnen übrigens normalerweise nie aus einer Arterie Blut entnommen, sondern immer aus einer Vene, in der es gemächlicher zugeht.

Infolge einer Nachblutung können auch Blutergüsse entstehen. Die blauen Flecken bilden sich aber innerhalb der nächsten Wochen wieder zurück. Um schwere Blutungen zu vermeiden, bekommen Sie nach der Untersuchung einen Druckverband, den Sie so lange tragen müssen, bis sich die Gefäßwand wieder verschlossen hat.

Zu 99% geht alles gut

Die Gruppe der schwerwiegenden Komplikationen bilden Herzinfarkte und Schlaganfälle bis hin zum Tod. In ganz seltenen Ausnahmefällen kann die Untersuchung nämlich auch Thrombosen (losgelöste Blutgerinnsel) oder Embolien (Gefäßverschluss durch Verschleppung eines Thrombus) auslösen.

Zum Glück passiert das aber selten. Wenn 10.000 Menschen mit einem Herzkatheter untersucht werden, erleiden circa 5 von ihnen einen Herzinfarkt (0,05-0,06%), circa 3 einen Schlaganfall (0,03%), und 5 bis 10 versterben (0,05-0,1%).

Auch Einblutungen und Verletzungen der Gefäße, Infektionen oder schwere allergische Reaktionen sind möglich. Insgesamt beträgt die Häufigkeit von schweren Komplikationen jedoch weniger als 1%.

Unterm Strich lohnt es sich

Ein Herzkatheter ist und bleibt eine invasive Untersuchung, bei der Fremdmaterial in Ihren Körper eingebracht wird und die unmittelbar am Herzen erfolgt. Das ist aber auch der große Vorteil dieser eleganten Methode. Der Arzt kann den Ort des Geschehens ohne großen Eingriff direkt erreichen und auf dem Monitor genau sehen, wo das Problem liegt. Die Einführung der Herzkatheteruntersuchung bedeutete einen enormen Fortschritt in der Medizin und verbesserte die Versorgung von Menschen, die einen Herzinfarkt erlitten, erheblich.

Wie hoch genau das individuelle Risiko ist, hängt von der jeweiligen Person, ihrem Alter und möglichen Begleiterkrankungen wie einer Herzschwäche, Zuckerkrankheit oder Nierenschwäche ab. Grundsätzlich werden Risiken und Nutzen vor einer Untersuchungen immer gegeneinander abgewogen. Das gebietet allein schon die ärztliche Sorgfaltspflicht. Sprechen Sie daher vor der Herzkatheteruntersuchung alle Fragen und Sorgen offen bei Ihrem Arzt an.

Autoren: Dr. med. Susanne Endres, Eva Bauer (Ärztin)

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