Welche Medikamente helfen bei Herzschwäche (Herzinsuffizienz)?

Zu den Medikamenten, die häufig bei einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) verschrieben werden, gehören:

  • ACE-Hemmer bzw. Angiotensinrezeptorblocker bei Unverträglichkeit
  • Betablocker
  • Entwässerungstabletten (Diuretika) bei Flüssigkeitseinlagerung
  • Aldosteronantagonisten bei fortbestehenden Beschwerden trotz der oben genannten Medikamente
  • Sondermittel bei schweren Verläufen

Gabe abhängig von Beschwerden und Pumpkraft

Die Leitlinien zur Therapie der Herzschwäche empfehlen eine bestimmte Reihenfolge, nach der alle Wirkstoffe verschrieben werden. Dabei bestimmen Schweregrad der Herzinsuffizienz, angegeben als LVEF (Pumpleistung des Herzmuskels), Begleitkrankheiten und bestehende Symptome die einzelnen medikamentösen Schritte.

Neben den üblichen Medikamenten gibt es außerdem neuere Wirkstoffe, die bei schwerer Herzschwäche zum Einsatz kommen. Auch Nitrate, Blutdruckmittel und Digitalis haben ihren Platz in der Behandlung einer Herzinsuffizienz, wobei letzteres bei dieser Krankheit als alleiniges Medikament an Bedeutung verloren hat.

Goldstandard: ACE-Hemmer und Betablocker

ACE-Hemmer sind Mittel der Wahl bei einer Herzinsuffizienz, mit ihnen wird in der Regel begonnen. Studien haben gezeigt, dass sie Krankheitsverlauf und Prognose nachweislich verbessern. Die Sterblichkeit (Mortalität) sinkt. Zu ihnen gehören zum Beispiel Wirkstoffe wie Captopril, Enalapril oder Ramipiril.

Wenn eine Unverträglichkeit gegen ACE-Hemmer besteht, zum Beispiel ein trockener Reizhusten, kann alternativ ein sogenannter Angiotensinrezeptorantagonist gegeben werden. Candesartan und Losartan sind Beispiele dieser Gruppe.

Betablocker wie Metoprolol, Bisoprolol oder Carvedilol gehören ebenfalls zur Therapie einer Herzschwäche. Mediziner verschreiben sie oft in Kombination mit ACE-Hemmern. Wenn Betroffene an Bluthochdruck leiden oder einen Herzinfarkt hatten, erfolgt die Gabe oft noch großzügiger. Betablocker senken wie ACE-Hemmer nachweislich die Mortalität bei Herzinsuffizienz.

Diuretika und Spironolacton

Wenn sich im Gewebe von Lungen und Beinen Flüssigkeit ansammelt, greifen Ärzte zu Diuretika (Wassertabletten). Sie umfassen verschiedene Wirkstoffgruppen wie die Thiazide (Hydrochlorothiazid, Xipamid) oder Schleifendiuretika (Furosemid, Torasemid).

Zudem können Mediziner die Medikamentenliste erweitern, wenn eine Herzschwäche trotz der Kombination der genannten Stoffe nicht ausreichend eingestellt und behandelt wird. Mineralrezeptorantagonisten wie Spirinolacton und Eplerenon werden dann hinzugefügt. Auch sie verbessern die Gesamtsterblichkeit nachweislich.

Wenn die Luftnot bleibt: Spezialmedikamente

Bei Betroffenen, die an schwerer Herzinsuffizienz leiden und trotz aller Mittel weiterhin Beschwerden haben, verschreiben Ärzte gelegentlich neuere Arzneien. Der Wirkstoff Ivabradin (Procoralan®) wird zum Beispiel bei schwerer Herzschwäche eingesetzt, wenn der Puls noch über 70 Schlägen pro Minute liegt.

Entresto® ist ein Angiotensinrezeptor-Neprilysin-Inhibitor und seit Ende 2015 auf dem europäischen Markt. Es senkt wie ACE-Hemmer ebenfalls die Mortalität. Zum Einsatz kommt es, wenn trotz ACE-Hemmern, Betablockern, Spironolacton und Diuretika eine schwere Herzinsuffizienz fortbesteht.

Die Rolle von Digitalis

Herzglycoside wie Digitalis helfen bei einer Herzschwäche besonders dann, wenn parallel eine Rhythmusstörung wie Vorhofflimmern vorliegt und der Puls dauerhaft zu hoch ist. Als Einzeltherapeutikum hat es an Bedeutung verloren.

Ob es neben der wirksamen Standardtherapie einen eigenen, zusätzlichen positiven Effekt auf die Gesamtmortalität hat, wurde bisher noch nicht abschließend nachgewiesen. Problematisch ist seine geringe therapeutische Breite, d.h. der Dosisbereich, in dem Digitalis wirkt, ohne jedoch Nebenwirkungen hervorzurufen. Oft ist es zu niedrig oder zu hoch, aber selten korrekt dosiert.

Autorin: Dr. med. Susanne Endres

Mehr dazu finden Sie in unserem Medikamentenkapitel:
Fragen zu Herz-Kreislauf-Medikamenten