Wie schütze ich mich beim Sport vor Herzinfarkt oder Herztod?

Das Wichtigste bei sportlicher Betätigung und vor allem bei deren Wiederaufnahme nach längerer Abstinenz ist: Ihr gesunder Menschenverstand. Das Internet und auch Broschüren von medizinischen Anbietern vermitteln manchmal den Eindruck, der Tod lauere fast an jeder Ecke, vor allem, wenn man sich vorher nicht hat ärztlich abchecken lassen. Das erzeugt eine unnötige und übertriebene Angst.

Auf gesunden Menschenverstand hören

Wir wollen die Sinnhaftigkeit einer sportmedizinischen Untersuchung und eines Gesundheits-Checks hier keinesfalls in Frage stellen. Diese Maßnahmen sind aus verschiedenen Gründen sehr empfehlenswert. Allerdings bieten auch sie keine 100%ige Gewähr gegen tödliche Ereignisse, die uns letztlich immer und überall treffen können.

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Vor allem aber geht es uns darum, Sie dazu zu ermuntern, sich maßvoll und vernünftig zu bewegen und sportlich zu betätigen. Und das nicht erst irgendwann, etwa nach einem Arztbesuch zum Durchchecken, der erst vereinbart und dann auch noch tatsächlich wahrgenommen werden muss. Sondern möglichst gleich, lieber heute als morgen. Natürlich abhängig von Ihrer aktuellen Situation. Das ist weitgehend ungefährlich und gesund, soweit Sie ein paar Regeln beachten, die sich hauptsächlich auch bei Anwendung des gesunden Menschenverstandes erschließen lassen:

Eigene Wahrnehmung und Motivation

Um Ihren gesunden Menschverstand für Ihre Gesundheit einsetzen zu können, müssen Sie sich und Ihr gesundheitliches Befinden zunächst mit wachen Sinnen wahrnehmen und einschätzen. Beginnen Sie Ihr selbstgewähltes Sportprogramm in Freude über Ihre Bewegungsfähigkeit, ohne Druck oder Zwang. Mit den ersten Erfolgen wird sich ein Positivkreislauf für die weitere Durchführung ergeben.

Moderater Anspruch statt übertriebener Ehrgeiz

Wenn Sie nicht Leistungssportler sind, haben Sie nichts zu verlieren. Außer Ihrer Gesundheit, wenn Sie es mit dem sportlichen Einsatz übertreiben. Fangen Sie sachte an und steigern Sie die Belastung behutsam und schrittweise. Probieren Sie es nicht gleich mit Hochleistungen, die in jüngeren Jahren vielleicht problemlos möglich waren. Weniger ist mehr, denn mit der Übung und zunehmender Erlebnis- und Ergebnisfreude wird es automatisch mehr. Das gilt übrigens auch für den Schlussspurt, wenn Sie sich vorher schon ziemlich verausgabt und Ihre Kräfte aufgezehrt haben.

Kein Sport bei Infekt

Kurieren Sie jeden Infekt erst aus, bevor Sie Sport treiben. Beliebt unter den Krankheitserregern ist unter anderem die Ansiedlung an den Herzklappenspitzen in so einer abwehrgeschwächten Situation. Die dort resultierenden Entzündungen können sehr unangenehme Folgen haben. Wenn nach einem abgeklungenen Infekt Ihr Puls in Ruhe oder nach körperlicher Belastung höher als vor dem Infekt ist, sollten Sie Ihre Herz- und Kreislaufgesundheit ärztlich abklären lassen. Während des Infekts ist ein erhöhter Ruhe- und Belastungspuls neben dem Fieber zur Erregerabwehr normal, danach kann er auf eine gestörte Herzfunktion hinweisen.

Geeignete Sportart wählen

Empfehlenswert sind moderat zu betreibende Ausdauersportarten wie Walken, Joggen, Radfahren oder Schwimmen. Mannschaftssportarten wie Fußball oder Handball, aber auch Einzelsportarten wie Tennis oder Squash verleiten leicht zu einer körperlichen Überanstrengung und zu situativen Überforderungen des Herz-Kreislauf-Systems oder auch der Gelenke.

Beim Joggen können Sie allerdings auch Ihre Gelenke, vor allem diejenigen der Knie, überstrapazieren, wenn Sie es übermäßig oder falsch betreiben. Insbesondere, wenn auch noch ein ordentliches Übergewicht abgefedert werden muss. Also: maßvoll und mit Verstand, aber ohne Angst.

Warnzeichen beachten

Furchtlos bedeutet wiederum nicht unvorsichtig. Mögliche Warnzeichen sollten Sie ernstnehmen. Dazu zählen beispielsweise ein Druckgefühl, Schmerzen oder ein Engegefühl im Brustraum, die länger als fünf Minuten andauern. Im Zweifelsfall – es könnte sich ein Herzinfarkt anbahnen – und bei anhaltender Symptomatik sollte ein Notarzt gerufen werden (Notrufnummer: 112). Auch kurze Schwindelattacken, Ohnmachtsgefühle, eine besonders unregelmäßige oder schnelle Herztätigkeit sind Alarmhinweise. Achten Sie zudem auf Ihren Puls, ob er im Vergleich zu früheren Belastungen ungewöhnlich hoch ansteigt oder nach der Belastung länger als üblich braucht, um wieder abzufallen.

Medizinische Angebote in Anspruch nehmen

Gehen Sie zum Arzt, um sich durchchecken zu lassen. Das ist insbesondere Wiedereinsteigern anzuraten, die längere Zeit keinen Sport betrieben haben. Und natürlich auch allen, die aufgrund von bestehenden Herzproblemen ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod haben.

Eine regelmäßige Kontrolluntersuchung ist ab dem 35. Lebensjahr empfehlenswert, auch für Nichtsportler. Im zweijährlichen Rhythmus wird sie von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt, allerdings meist nur in einer Sparversion. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach. Falls nötig, lohnt es sich hier auch, ein paar Euro aus der eigenen Tasche zu bezahlen. Mit Augenmaß und ohne kostspieligen bzw. unnötigen Firlefanz, versteht sich. Ein guter Hausarzt berät Sie entsprechend.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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