Schützt Aronia vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören verschiedene Krankheiten wie der viel gefürchtete Herzinfarkt, Arteriosklerose (umgangssprachlich "Arterienverkalkung") und Thrombose (Gefäßverschluss durch Blutgerinnsel). Als Risikofaktoren gelten unter anderem der Diabetes mellitus, erhöhte Cholesterin- und Blutzuckerspiegel sowie Bluthochdruck; außerdem natürlich Rauchen und Übergewicht.

Aronia soll den Gefäßen gut tun

Die Aroniabeeren haben dem einiges entgegenzusetzen. Die Früchte verringern das Risiko, dass Blutzellen verklumpen und so Gefäße verstopfen. Auch die Herzkranzgefäße werden durch Aroniaextrakte geschmeidiger. Das mindert die Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden. Außerdem wird den Früchten nachgesagt, dass sie ausgleichend auf Blutdruck, Blutfett- und Blutzuckerwerte wirken.

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Es gibt verschiedene Studien, die untersuchen, inwiefern Aroniabeeren Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Einige recht aussagekräftige Erhebungen möchte ich herausgreifen und Ihnen vorstellen. Dabei steht im Vordergrund, ob und in welchem Maße Aronia die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Gefäßverschlüsse reduzieren kann.

Risiko metabolisches Syndrom

Einige der oben genannten Risikofaktoren werden zusammen als "metabolisches Syndrom" bezeichnet (dazu gehören Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und eine gestörte Glukosetoleranz). Eine Studie (Bronzel et al. 2010) verglich den Einfluss von Aronia bei 22 Gesunden sowie bei 25 Menschen mit einem metabolischen Syndrom.

Letztere bekamen zwei Monate lang ein Aroniaextrakt (3 x 100 mg pro Tag). Es wurde deutlich, dass die Personen mit einem metabolischen Syndrom tatsächlich von dem Extrakt profitierten, ihre Werte besserten sich. Damit bestätigen sich Ergebnisse von Studien, die eher einzelne Risikofaktoren in den Mittelpunkt gestellt hatten.

Sinkende Cholesterinspiegel und bessere Blutzuckerwerte

So lässt eine Erhebung (Valcheva-Kuzmanova et al. 2006) darauf schließen, dass Aroniasaft einen günstigen Einfluss auf die Blutfettwerte hat: Die Werte blieben gleich oder verbesserten sich sogar. Allerdings wurde das nicht bei Menschen beobachtet, sondern bei Ratten.

In einer anderen Studie (Skoczynska et al. 2007) bekamen Probanden mit etwas erhöhten Cholesterinwerten über einen Zeitraum von sechs Wochen jeweils 250 ml Aroniasaft pro Tag. Das Resultat: Das "schlechte" Cholesterin (v.a. LDL) sank, während das "gute" Cholesterin (HDL) anstieg.

Auch wenn Sie an Diabetes mellitus leiden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln, höher als bei Gesunden. Eine Studie (Simeonov et al. 2002) belegt, dass Aroniasaft ausgleichend auf den Blutzuckerspiegel wirkt. Probanden waren in diesem Fall Patienten mit einem Diabetes mellitus Typ 2. Sie tranken über einen Zeitraum von drei Monaten täglich 200 ml Aroniasaft. Bei den Betroffenen besserten sich nicht nur die Blutzuckerwerte, sondern auch die Cholesterinwerte. Zudem sank der Blutdruck.

Gut für Herzkranzgefäße und Blutplättchen

Bei einer weiteren Studie (Bell und Gochenaur 2006) wurde die Wirkung der Extrakte von Aronia-, Heidel- und Holunderbeeren auf die Herzkranzgefäße untersucht. Getestet wurde das an isolierten Arterien von Schweinen. Dabei kam heraus, dass sich die Gefäße besonders durch Aroniaextrakte entspannten.

In einer Erhebung in Polen (Ryszawa et al. 2006) ging es um Menschen, die Risikofaktoren für eine Arteriosklerose haben – zum Beispiel erhöhte Cholesterin- und Blutdruckwerte, Vorerkrankungen in der Familie usw. Bei ihnen zeigte sich, dass Aroniabeeren dafür sorgen, dass die Blutplättchen in einem geringeren Maße verklumpen. Ein deutlicher Effekt trat aber erst ab einer bestimmten Phenolkonzentration ein (mindestens 1 µg Polyphenole pro ml Blut) – bei geringeren Werten blieb der Effekt aus. Leider lassen sich daraus aber keine Dosisempfehlungen ableiten.

Hoher Anteil an gesundheitsfördernden Pflanzenstoffen

All diese Effekte erzielten die Aroniabeeren zum einen durch einen hohen Anteil verschiedener Vitamine und Mineralstoffe, zum anderen durch die sekundären Pflanzenstoffe, die sie reichlich zu bieten haben.

Normalerweise nimmt ein Mensch durch die Nahrung pro Tag durchschnittlich 1,5 g dieser sekundären Pflanzenstoffe zu sich. Durch Aroniabeeren lässt sich die Menge locker steigern (natürlich geht das auch mit anderen Nahrungsmitteln, aber die Aroniabeeren scheinen Rekordhalter dieser Pflanzenstoffe zu sein). Zu diesen Stoffen gehören Polyphenole wie Flavonole und Anthocyane.

Wissen sollten Sie, dass zwar einige Wirkungen der sekundären Pflanzenstoffe an sich belegt sind. Aber wir nehmen diese Stoffe ja nicht isoliert zu uns, sondern als Teil der Aroniabeeren, die wiederum viele andere Inhaltsstoffe aufweisen. Dazu kommt noch, dass die Beeren aus unterschiedlichen Regionen kommen und zu verschiedenen Produkten verarbeitet werden, z.B. zu Saft oder Pulver. Auch das spielt bei der Wirkung eine Rolle.

Gute Daten, aber noch zu wenige

Wie Sie sehen, gibt es durchaus Studien, die gezielt die Wirkung von Aroniabeeren auf Blutdruck, Blutzucker- und Cholesterinspiegel prüfen und vielversprechend sind. Diese Studien legen nahe, dass Aroniaprodukte vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen können, indem sie die Risikofaktoren zurückfahren.

Insgesamt sind – zumindest aus streng wissenschaftlicher Sicht – aber noch mehr Daten notwendig. So umfassten die Studien beispielsweise zu wenige Probanden. Wissenschaftler bemängeln daher, die Erhebungen reichten nicht aus, um die Effekte der Beeren zu beweisen. Dass die Apfelbeeren NICHT wirken, ist aber auch nicht belegt.

Fazit: Aroniabeeren scheinen vor allem durch die sekundären Pflanzenstoffe, aber auch durch die enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu schützen bzw. die Risikofaktoren zu mindern. Auch wenn das nach wissenschaftlichen Kriterien noch nicht abschließend bewiesen ist, spricht vieles für diese Beeren. Insofern gibt es gute Gründe, den Früchten einen Platz im Ernährungsplan einzuräumen.

Autorin: Anna Brockdorff

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