Hat man bei einem Herzinfarkt immer Schmerzen?

Nein. Gar nicht so selten geht ein Herzinfarkt mit nur sehr geringen oder sogar überhaupt keinen subjektiven Beschwerden einher. Man spricht dann auch von einem "stummen Infarkt". Oft wird er erst später im Rahmen einer Routineuntersuchung entdeckt – wenn überhaupt.

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Von "gar nichts" bis zu Schwindel oder Benommenheit

Macht sich ein solcher stummer Herzinfarkt zumindest ein bisschen bemerkbar, sind mögliche Symptome z.B. ein kurzzeitiges Schwächegefühl mit Schwindel oder ein leichter Ohnmachtsanfall. Mitunter kann es auch zu Atemnot kommen. Aber hinter solchen Beschwerden können natürlich auch tausend andere, und deutlich harmlosere Ursachen stecken (und so ist es meistens auch), so dass es auch Unsinn wäre, bei jedem leichten Schwindel sofort einen Herzinfarkt zu befürchten. Aber zumindest ist das ein Grund mehr, derartige Symptome ernst zu nehmen und sich im Zweifel lieber von einem Arzt durchchecken zu lassen.

Genauso gefährlich, auch ohne Schmerzen

Vor allem Menschen mit einer Diabetes-Erkrankung haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sich bei ihnen ein Herzinfarkt nur sehr dezent oder gar nicht bemerkbar macht. Das hängt damit zusammen, dass bei Diabetes die Nervenübertragung gestört sein kann und damit auch Schmerzreize weniger intensiv weitergeleitet werden. Insgesamt ist etwa jeder dritte Herzinfarkt ein stummer Infarkt.

Der naheliegende Gedanke, dass man sich ja ohne Beschwerden oder Schmerzen dann auch nicht groß sorgen muss, ist leider falsch. Im Gegenteil: Das Tückische an einem stummen Herzinfarkt ist, dass eine relevante Lebensgefahr besteht, von der man nichts weiß. Denn das Herz ist ja auch bei einem stummen Herzinfarkt definitiv schlecht durchblutet und wahrscheinlich ist auch schon Herzmuskelgewebe in Mitleidenschaft gezogen worden. Diese Gefahr kann man erst bannen, wenn man von ihr weiß.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

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Kommentare (1)
Schmerzen beim Herzinfarkt
1 Dienstag, den 21. Juli 2020 um 18:13 Uhr
Dirk
Ich (59 Jahre) hatte an einem Abend im April 2019 - nach dem Abendessen und kurzzeitigem privaten Stress - ein leichtes Brennen in der Brust. Parallel dazu entlang der Speiseröhre sowie zeitweise ausstrahlend in den linken Arm. Für mich gefühlt überhaupt kein Anlass zur Sorge, da es ungefähr einem Sodbrennen gleich kam. Zuvor hatte ich auch zufällig noch gut gewürztes Fleisch gegessen, so dass das plausibel für mich war. Es ist an dem Abend auch nicht stärker geworden, ging zeitweise auch ganz weg. Daher bin ich auch zur normalen Zeit schlafen gegangen und gegen 4:00 morgens dann wieder mit diesem Brennen aufgewacht. Ich habe dann einen Tee getrunken, und mich danach wieder hingelegt. Morgens gegen 6:00 war nichts mehr zu spüren. Trotzdem habe ich mich entschlossen zu meinem Hausarz zu gehen, der mich nach meinen Schilderungen dringend bat, umgehend ins Krankenhaus zu fahren. Im Krankenhaus wurde dann anhand der Blutwerte festgestellt, dass ich einen Herzinfarkt erlitten hatte. Ich kam dann auch direkt ins Katheter-Labor, wo festgestellt wurde, dass der Hauptstamm meiner rechten Herzkranzarterie komplett dicht war, und mir nach der "Freimachung" 3 Stents gesetzt wurden. Mein großes Glück war, dass mein Herz keinerlei Nachfolgeschäden erlitten hat und eine volle Pumpleistung vorliegt. Daher kann ich nur empfehlen, auch bei vermeintlich geringen Symptomen, unbedingt einen Arzt aufzusuchen.