Omega-3-Fettsäuren und Herzinfarkt

Es ist ein Gefühl, als würde ein Elefant auf der Brust stehen, dazu kommen häufig Todesangst, vielleicht kalter Schweiß, ein rasender Puls. Manchmal läuft aber auch alles ganz ruhig ab oder wird als Rücken- oder Armschmerzen verkannt. Die Rede ist vom Herzinfarkt. Um zu verhindern, dass er überhaupt auftritt, kann man einiges tun. Ebenso natürlich dafür, dass sich das überstandene Erlebnis wiederholt. Wie mittlerweile wissenschaftlich untermauert ist, spielen dabei Omega-3-Fettsäuren eine entscheidende Rolle.

Herzmuskel wird nicht mehr komplett durchblutet

Wenn alles gut läuft, pumpt der Herzmuskel das Blut kreuz und quer durch unseren Körper, damit alle Organe genügend Sauerstoff und Nährstoffe bekommen. Aber auch das Herz selbst muss versorgt werden. Das geschieht über die Herzkranzgefäße, die sich um den Herzmuskel drum herum spannen. Wird der Blutfluss in einem oder mehreren dieser Gefäße unterbrochen, dann sitzt der Herzmuskel in dem zugehörigen Bereich auf dem Trockenen. Im Klartext: Die Herzmuskelzellen sterben ab, das Gewebe geht unter – und wir haben den Infarkt.

„Tödliches Quartett“: Risikofaktoren für Herzinfarkt

Die Herzkranzgefäße halten zwar einiges aus. Aber wenn sie über Jahre stetig traktiert werden, ist es irgendwann zu viel. Dass damit nicht zu spaßen ist, sagt schon die Bezeichnung „tödliches Quartett“ für eine Gruppe von Risikofaktoren. Dazu gehören Übergewicht (gerade das Bauchfett gilt als gefährlich), ein dauerhaft erhöhter Blutdruck sowie zu hohe Blutfett- und Blutzuckerwerte. Diese vier und andere Faktoren führen mit der Zeit dazu, dass die Gefäßinnenwände geschädigt werden – es kommt zu einer Arteriosklerose.

Omega-3-Fettsäuren als Cholesterin-Killer

Gewicht, Zucker, Fett, ja selbst der Blutdruck – all das hängt mehr oder weniger mit unseren Ess- und Trinkgewohnheiten zusammen. Glücklicherweise geht es aber beispielsweise beim Fett gar nicht darum, völlig darauf zu verzichten. Insgesamt raten Ernährungsexperten dazu, nicht mehr als 30% der Energie in Form von Fett zu sich zu nehmen. Aber Fett ist nicht gleich Fett. Als besonders wertvoll gelten die Omega-3-Fettsäuren. Sie sorgen nämlich dafür, dass gefäßschädigende Fette sinken.

Was die Wirkung der Omega-3-Fettsäuren auf den Blutdruck anbelangt, so werteten Forscher insgesamt 70 Studien aus. Das Ergebnis war positiv, die Blutdruckwerte fielen niedriger aus (Miller et al. 2014).

Anti-diabetische Wirkung von Omega-3-Fettsäuren

Auch dem Zucker im Blut schieben die Omega-3-Fettsäuren einen Riegel vor. In Untersuchungen mit insgesamt rund 120.000 Frauen zeigte sich folgendes: Diejenigen, die hauptsächlich mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie Omega-3-Fettsäuren zu sich nahmen, hatten ein wesentlich geringeres Risiko, einen Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“) zu entwickeln, als die Frauen, die hauptsächlich gesättigte Fettsäuren (z.B. Butter, Milchprodukte, Fleisch) aßen (Meyer et al. 2001; Salmerón et al. 2001). Offenbar sorgen die mehrfach ungesättigten Fettsäuren dafür, dass die Zellen wieder besser auf Insulin reagieren (häufig ist beim Diabetes eines der Probleme, dass die Insulinrezeptoren abgestumpft sind und der Zucker somit nicht in die Zellen geschleust wird).

Blut bleibt besser im Fluss

Ein weiterer Pluspunkt der Omega-3-Fettsäuren: Sie halten die Zellmembranen flexibel und biegsam. Das gilt auch für die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die dadurch ganz geschmeidig durch die Gefäße hindurch gleiten können, selbst wenn es mal eng werden sollte. Abgesehen davon hemmen die Fettsäuren die Blutgerinnung auf recht sanfte Weise. Die Blutplättchen haften nicht so stark aneinander – mit der Konsequenz, dass es nicht so leicht zu Blutgerinnseln kommen kann.

Erhebung zu verschiedenen Omega-Effekten

Mit den Omega-3-Fettsäuren können Sie also im Idealfall mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Dass das funktioniert, bestätigt eine Studie schwedischer Forscher, die parallel verschiedene Faktoren testeten (Nilsson et al. 2012). Neben den genannten Aspekten zeigten die Fettsäuren auch entzündungshemmende Effekte, wovon wiederum die Gefäßwände profitierten.

Fisch-Verzehr senkt Herzinfarkt-Risiko

Tatsächlich geben Studien, die nun konkret die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren auf das Risiko tödlicher Herzerkrankungen untersucht haben, Anlass zum Optimismus (Daviglus et al. 1997; Kromhout et al. 1985; Oomen CM et al. 2000). Einige Erhebungen liefen über einen Zeitraum von zwanzig oder sogar dreißig Jahren. Diejenigen, die regelmäßig fetten Fisch aßen (er hat einen hohen Anteil wichtiger Omega-3-Fettsäuren), kamen deutlich besser weg als die anderen: In den jeweiligen „Fisch-Gruppen“ gab es bis zu 50% weniger Todesfälle.

Wohl auch Schutz vor weiteren Infarkten

Menschen, die schon einen Herzinfarkt erlitten haben, können das Risiko einer weiteren Attacke offenbar ebenfalls reduzieren. Eine sehr umfangreiche Studie ist die sogenannte „GISSI-Präventionsstudie“ (Marchioli et al. 2002). Gemeinsam war den mehr als 11.000 Studienteilnehmern, dass sie drei Monate vor Beginn der Erhebung einen Herzinfarkt hatten. Ein Teil der Probanden bekam nun dreieinhalb Jahre lang täglich 1.000 mg bestimmter Omega-3-Fettsäuren. Bei den Patienten der „Omega-3-Gruppe“ ging die Zahl derjenigen, die in der Nachbeobachtungsphase an einem plötzlichen Herztod starben, deutlich zurück. Positive Effekte zeigte auch die „DART-Studie“ (Burr et al. 1989). Bei den Studienteilnehmern, die zweimal pro Woche Fisch aßen, sank die Gesamtsterblichkeit um 29 Prozent.

Drei verschiedene Omega-3-Fettsäuren

Also nichts wie her mit den Omega-3-Fettsäuren, denken Sie vielleicht. Aber Sie sollten einiges beachten. Es gibt nämlich drei verschiedene Omega-3-Fettsäuren, die jeweils etwas unterschiedliche Wirkungen haben.

Die Alpha-Linolensäure (ALA) kommt zwar in höherer Konzentrationen in Pflanzenölen wie Lein- und Chiaöl vor. Wichtig ist aber, dass sie in die biologisch aktiveren Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) umgewandelt wird. Das kann der Körper allerdings nur zu einem gewissen Anteil leisten. Deswegen kann es durchaus ratsam sein, EPA und DHA direkt aufzunehmen. Sie sind vor allem in fettem Fisch, bestimmten Algen oder eben in entsprechenden Ölen und Kapseln enthalten. Empfehlenswerte Produkte gibt es zum Beispiel hier.

Im Gegenzug sollten Sie versuchen, den Anteil an Omega-6-Fettsäuren (v.a. in Form von Fleisch, Eiern, Milchprodukten) zu reduzieren. Diese sind zwar auch lebensnotwendig, die meisten von uns haben aber eh mehr als genug von diesen Omega-6-Fettsäuren. Im Übermaß schränken sie die Wirkung der Omega-3-Fettsäuren ein und fördern außerdem Entzündungen und eine Verengung der Gefäße.

Weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Mittelmeerkost

Am besten ist es natürlich, wenn Sie generell Ihre Lebens- und Ernährungsgewohnheiten kritisch hinterfragen und – wenn nötig – einem kleinen oder auch großen Reformprogramm unterziehen. Bewährt hat sich die „mediterrane Kost“. Statt Fleisch gibt’s eher Fisch (und damit auch hier wieder eine gute Portion Omega-3-Fettsäuren), dazu viel Gemüse, Obst und Olivenöl.

In der „Lyon Diet Heart Study“ mit Herzinfarktpatienten sank die Gesamtsterblichkeit durch die Mittelmeerkost deutlich (de Lorgeril et al. 1999). Ähnliche Resultate lieferte die weitaus größer angelegte „PERIMED-Studie“ (Estruch et al. 2013). Die Vitamine und Mineralstoffe, die in Obst und Gemüse stecken, tragen übrigens wiederum dazu bei, dass sich die Wirkung der Omega-3-Fettsäuren richtig entfalten kann.

Mehr Bewegung, weniger Salz

Darüber hinaus ist es sinnvoll, Speisen nicht so sehr zu salzen – zumindest wenn Sie an einem hohen Blutdruck leiden.

Und dann ist da natürlich noch das Thema Bewegung. Ein gutes Maß an Sport beeinflusst fast alle Risikofaktoren positiv: Im Idealfall specken Sie dadurch etwas ab und können sich vielleicht bei der nächsten Blutuntersuchung über niedrigere Cholesterinwerte freuen.

Autorin: Anna Brockdorff

Quellen und Studien:

  • Burr ML, Fehily AM, Gilbert JF, Rogers S, Holliday RM, Sweetnam PM, Elwood PC, Deadman NM: Effects of changes in fat, fish, and fibre intakes on death and myocardial reinfarction: diet and reinfarction trial (DART). 1989

  • Daviglus ML, Stamler J, Orencia AJ, Dyer AR, Liu K, Greenland P, Walsh MK, Morris D, Shekelle RB: Fish consumption and the 30-year risk of fatal myocardial infarction. 1997.

  • de Lorgeril M, Salen P, Martin JL, Monjaud I, Delaye J, Mamelle N. Mediterrane an diet, traditional risk factors, and the rate of cardiovascular complications after myocardial infarction: final report of the Lyon Diet Heart Study. Circulation. 1999.

  • Estruch R, Ros E, Salas-Salvadó J, Covas MI, Corella D, Arós F, Gómez-Gracia E, Ruiz-Gutiérrez V, Fiol M, Lapetra J, Lamuela-Raventos RM, Serra-Majem L, Pintó X, Basora J, Muñoz MA, Sorlí JV, Martínez JA, Martínez-González MA; PREDIMED Study Investigators: Primary prevention of cardiovascular disease with a Mediterranean diet. 2013.

  • Kromhout D, Bosschieter EB, de Lezenne Coulander C: The inverse relation between fish consumption and 20-year mortality from coronary heart disease. 1985.

  • Marchioli R, Barzi F, Bomba E, Chieffo C, Di Gregorio D, Di Mascio R, Franzosi MG, Geraci E, Levantesi G, Maggioni AP, Mantini L, Marfisi RM, Mastrogiuseppe G, Mininni N, Nicolosi GL, Santini M, Schweiger C, Tavazzi L, Tognoni G, Tucci C, Valagussa F; GISSI-Prevenzione Investigators: Early protection against sudden death by n-3 polyunsaturated fatty acids after myocardial infarction: time-course analysis of the results of the Gruppo Italiano per lo Studio della Sopravvivenza nell'Infarto Miocardico (GISSI)-Prevenzione. 2002.

  • Meyer KA, Kushi LH, Jacobs DR Jr, Folsom AR: Dietary fat and incidence of type 2 diabetes in older Iowa women. 2001.

  • Miller PE, Van Elswyk M, Alexander DD: Long-chain omega-3 fatty acids eicosapentaenoic acid and docosahexaenoic acid and blood pressure: a meta-analysis of randomized controlled trials. 2014.

  • Nilsson A, Radeborg K, Salo I, Björck I: Effects of supplementation with n-3 polyunsaturated fatty acids on cognitive performance and cardiometabolic risk markers in healthy 51 to 72 years old subjects: a randomized controlled cross-over study. 2012.

  • Oomen CM, Feskens EJ, Räsänen L, Fidanza F, Nissinen AM, Menotti A, Kok FJ, Kromhout D: Fish consumption and coronary heart disease mortality in Finland, Italy, and The Netherlands. 2000.

  • Salmerón J, Hu FB, Manson JE, Stampfer MJ, Colditz GA, Rimm EB, Willett WC: Dietary fat intake and risk of type 2 diabetes in women. 2001.

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