Angst nach Herzinfarkt – was kann ich tun?

Nach einem Herzinfarkt haben Betroffene häufig Angst, dass ein solches Ereignis erneut auftritt. Oft verschwinden diese Gedanken nach einiger Zeit. Bleiben sie jedoch bestehen, kann die Lebensqualität erheblich darunter leiden.

Ein verschlossenes Gefäß löst Angst aus

Bei der koronaren Herzkrankheit (KHK) sind die kleinen Herzkranzgefäße, die Ihr Herz mit Blut und Sauerstoff versorgen, verkalkt und verengt. Bei starken Verengungen oder auch akuten Verschlüssen eines Gefäßes kann es zu einem Herzinfarkt kommen.

Betroffene haben dann meist starke Schmerzen oder ein Engegefühl im Brustbereich. Auch Luftnot und Übelkeit können auftreten. Gleichzeitig verspüren sie in der akuten Situation häufig Todesangst. Schmerz und auch akute Angst verschwinden meist, wenn die Mediziner es schaffen, das verschlossene Gefäß schnell wieder zu öffnen.

Wenn die Gedanken bleiben

Im weiteren Verlauf ist es nicht ungewöhnlich, dass Betroffene an dieses Ereignis zurückdenken. Auch können bestimmte Situationen das Gefühl vom Herzinfarkt wieder aufleben lassen. Damit kann dann auch die Angst zurückkehren.

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So tritt bei Menschen nach einem Herzinfarkt nicht selten ein posttraumatisches Belastungssyndrom auf. Flashbacks lassen das akute Ereignis aufleben. Betroffene meiden dann tunlichst Situationen, die an den Herzinfarkt erinnern. Sie reagieren oft schreckhaft und leiden an Schlafstörungen. All das kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Wenn man sich zudem vieles nicht mehr traut, besteht die Gefahr, sich immer mehr zurückzuziehen und zu isolieren.

Die Angst nach einem Herzinfarkt ist menschlich sehr nachvollziehbar. Ein Teufelskreislauf sollte aber nicht in Gang gesetzt werden. Herzinfarkt und Angst (oder auch Depressionen) können sich nämlich gegenseitig bedingen. Allein die Angst kann tatsächlich das Risiko eines erneuten Infarktes wieder steigern.

Angststörungen sind häufig

Wichtig ist es, sich vor Augen zu halten, dass besonders in den westlichen Industrieländern viele Menschen an einer Angsterkrankung leiden und Sie somit nicht alleine sind. Oft legen sich die Beschwerden einige Wochen nach dem Akutereignis. Eine stabile Unterstützung der Familie oder des Freundeskreises können helfen.

Auch eine Psychotherapie kann die Beschwerden von Angst oder auch Depressionen reduzieren. Ein entsprechender Therapeut kann Ihnen wertvolle Hinweise geben, wie Sie aus dem Teufelskreis der Angst ausbrechen und wieder ein selbstbestimmtes Leben führen können. Er kann Ihnen Übungen zeigen, wie Sie sich der Angst stellen und sie gleichzeitig überwinden.

In der Regel arbeiten Ihr Arzt, Ihr Kardiologe und ggf. auch Psychiater oder Psychologe eng zusammen. Denn manchmal kann es auch notwendig werden, eine Zeit lang mit Medikamenten unterstützend zu helfen. Nach einem Herzinfarkt muss der Arzt ein wenig darauf achten, welches Arzneimittel er verschreibt. Nicht alle Wirkstoffe gegen Angst oder auch Depressionen können hier eingesetzt werden. Zudem sind gelegentliche EKG-Kontrollen unter der Medikation wichtig. Die Termine hierzu sollten Sie einhalten.

Sollten Sie unter Angststörungen nach einem Infarkt leiden, dann sprechen Sie Ihren behandelnden Arzt und Kardiologen an und fragen Sie ihn, was Sie gegen diese Angst tun können.

Autorin: Dr. med. Susanne Endres

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