Ist Sex nach einem Herzinfarkt gefährlich?

Ein Herzinfarkt ist ein großer Einschnitt in Ihrem Leben. Viele alltägliche Dinge sind auf einmal nicht mehr selbstverständlich. Beim Wunsch nach körperlicher Nähe und Intimität taucht unweigerlich die Frage auf, ab wann sexuelle Aktivität eigentlich sicher ist und wieder aufgenommen werden darf.

Die gute Nachricht: Oft reichen zwei Wochen

Sex nach einem Herzinfarkt ist allgemein weniger gefährlich, als Sie vielleicht denken. Von der Anstrengung und körperlichen Belastung her ist der Sex in etwa vergleichbar mit dem Gehen beziehungsweise dem Treppensteigen.

Unsere 10 wichtigsten Tipps nach dem Herzinfarkt

weiterlesen...

Die amerikanischen Leitlinien empfehlen in solchen Fällen, dass die sexuelle Aktivität eine oder mehrere Wochen nach dem Herzinfarkt wieder aufgenommen werden kann. Nach einem komplikationslosen, "einfachen" Herzinfarkt wird im Allgemeinen eine Karenzzeit von zwei Wochen nach dem Akutereignis empfohlen.

Natürlich muss jeder Einzelfall mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden, da er Sie am besten kennt. Wenn Sie bei leichter bis mittlerer körperlicher Anstrengung beschwerdefrei sind und es problemlos in den 2. Stock schaffen, sollten Sie allerdings auf der sicheren Seite sein.

Manchmal brauchen Sie etwas Geduld

Anders sieht es aus, wenn während oder nach dem Herzinfarkt Komplikationen aufgetreten sind. Hat womöglich die Pumpkraft Ihres Herzens abgenommen, oder sind einzelne Gefäße noch verengt? Haben Sie im Alltag Brustschmerzen bei körperlicher Anstrengung oder Rhythmusstörungen? Ist vielleicht der Blutdruck noch nicht gut eingestellt und der Herzinfarkt weniger als zwei Wochen her?

In solchen Fällen muss je nach Schweregrad der Komplikationen noch etwas abgewartet und gegebenenfalls die Therapie optimiert werden.

Wer gut radelt, kann meist sicher Sex haben

In Zwischenfällen und unklaren Situationen kann auch ein Belastungs-EKG weiterhelfen. Hier fahren Sie unter Aufsicht in der Arztpraxis oder Klinik in der Regel auf einem Standfahrrad unter ansteigender Belastung. Dabei werden die Herzlinie (EKG) und der Blutdruck kontrolliert.

Ist das EKG unauffällig und haben Sie keinerlei Beschwerden bei der Anstrengung, so sollten Sie in der Regel auch bei sexueller Aktivität keine Probleme bekommen. Schlussendlich entscheidet auch hier Ihr Arzt, inwieweit und ab wann Sie sich belasten können.

Nur keine Scham!

Wie wichtig dieses Thema ist, zeigt auch die Tatsache, dass es eigene Empfehlungen und medizinische Leitlinien dazu gibt, die immer wieder betonen, dass Ärzte dieses Thema direkt ansprechen sollen. Zu viele offene Fragen und Unsicherheit beeinflussen die Lebensqualität der Betroffenen.

Beim Sex handelt es sich um eines unserer Grundbedürfnisse. Sie sind also mit Ihren Sorgen nicht alleine und nicht der erste, der das Thema Sex bei seinem Arzt anspricht. Also nur Mut, fragen Sie drauf los!

Autorin: Dr. med. Susanne Endres

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).