Was hat der Kaliumspiegel mit Herzrhythmusstörungen zu tun?

Das Elektrolyt Kalium hat große Bedeutung für den Stoffwechsel von Muskel- und Nervenzellen und die neuromuskuläre Erregungsleitung. Ein zu hoher Gehalt an Kalium im Blut (Hyperkaliämie), aber vor allem zu geringe Mengen (Hypokaliämie) des Elektrolyts können Herzrhythmusstörungen wie Extrasystolen oder Vorhofflimmern auslösen oder verstärken.

Kalium erzeugt elektrische Spannung an Zellwänden

Nervenfasern, Muskelzellen und auch das Herz nutzen für ihre Funktionen elektrische Spannungen. Dabei fördern kleine Pumpen über winzige Kanäle in den Zellwänden Salze wie Natrium, Chlorid und Kalium von außen nach innen und umgekehrt. Kalium befindet sich zu 98 % innerhalb (intra-) und nur zu 2 % außerhalb der Zellen (extrazellulär).

Von den Salzen sind einzelne Elemente positiv und andere negativ geladen. Durch ihre ungleiche Verteilung in Zellen und Umgebung entsteht so eine elektrische Ladung an der Zellwand. Diese elektrischen Ladungen sind Grundvoraussetzung dafür, dass Nerven, Muskulatur und Herz arbeiten können.

Sinusknoten gibt Takt an

Auch der Taktgeber des Herzens, der Sinusknoten, nutzt diese Mechanismen. Hierbei handelt es sich um einen wenige Millimeter großen Bereich spezialisierter Herzzellen, die sozusagen Strom generieren können. Sie liegen im rechten Vorhof, eine der vier Herzkammern.

Diese Zellen senden in regelmäßigen Abständen 60 bis 100 elektrische Impulse pro Minute aus, was unserem Puls entspricht. Besondere Faserbahnen leiten die Erregung zu den einzelnen Herzmuskelzellen weiter, die sich in einem nächsten Schritt zusammenziehen und und so eine  Pumpaktion des Herzens auslösen.

Kalium spielt wie oben beschrieben bei diesen Prozessen eine wichtige Rolle. So wird verständlich, weshalb Veränderungen des Elektrolyts einen großen Einfluss auf den Herzrhythmus haben können und unter Umständen zu Rhythmusstörungen führen.

Herzstolpern und Rhythmusstörungen

Sowohl erhöhte als auch erniedrigte Kaliumwerte beeinflussen die elektrische Spannung an den Zellwänden. Sie können beide den Herzschlag durcheinanderbringen.

Das Bild von Herzstolpern und -rasen ist dabei bunt. Es umfasst harmlose Extrasystolen (Extraschläge), Rhythmusstörungen wie zum Beispiel Vorhofflimmern, aber auch höhergradige Tachykardien (Herzrasen) aus den Hauptkammern, die unter Umständen gefährlich sein können. Neben zu schnellen Rhythmen sind zudem Bradykardien möglich, bei denen der Puls zu langsam wird.

Bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen ist somit die Normalisierung des Kaliumspiegels bedeutsam. Der Kaliumspiegel des Blutes sollte bei Erwachsenen zwischen 3,6 und 5,0 mmol/l liegen.

Muskellähmungen durch verändertes Kalium

Kalium ist wie gesagt nicht nur für das Herz bedeutsam, sondern auch für Nerven und Muskeln. Unter einer Hyper- oder Hypokaliämie (zu viel beziehungsweise zu wenig Kalium) kann die sogenannte neuromuskuläre Erregbarkeit ebenfalls leiden, was zu Lähmungserscheinungen führen kann.

Autorin: Dr. med. Susanne Endres

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