Vorhofflimmern: Was sieht der Arzt im EKG (Elektrokardiogramm)?

Bei Vorhofflimmern treten die sonst regelmäßigen kleinen Wellen und größeren Zacken ungeordnet auf, dies erkennt Ihr Arzt im EKG.

Rhythmus außer Kontrolle

Die elektrische Erregung des Herzens kommt aus dem sogenannten Sinusknoten, einem wenige Millimeter großen Areal aus Spezialzellen im rechten Vorhof, einer der vier Herzkammern. Er setzt den ersten Impuls des Herzschlages. Über eine Art Leitungsbahn wird die Erregung zu jeder einzelnen Muskelzelle weitergeleitet, die sich daraufhin zusammenziehen und einen Herzschlag auslösen. Mediziner sprechen von einer Kontraktion. Der zeitliche Ablauf der einzelnen Schritte läuft normalerweise ganz regelmäßig ab.

Beim Vorhofflimmern hingegen wechselt der Taktgeber. Dabei sind die Zellen aus dem linken Vorhof deutlich aktiver und erzeugen elektrische Impulse in einem viel schnelleren Tempo, als es der Sinusknoten vorgibt. Allerdings wird durch die Leitungsbahn nur ein Teil der Erregungen weitergeleitet, ansonsten würde Ihr Herz viel zu schnell schlagen.

Komplexes Bild aus Wellen und Zacken

Vorhofflimmern im EKG Vorhofflimmern im EKG

Im EKG erkennen Mediziner die elektrische Erregung. Die Kammerkontraktion wird in der Regel durch die große, gut erkennbare Zacke (QRS-Komplex) vertreten, die Vorhofaktion durch die kleine P-Welle, die im normalen Sinusrhythmus vor jedem QRS-Komplex steht.

Beim Vorhofflimmern erscheinen nun im EKG statt einer regelmäßig auftretenden P-Welle viele kleine Dellen, die die Linie uneben wirken lassen. Die QRS-Komplexe tauchen in zeitlich unregelmäßigen Abständen auf, die mal länger und mal kürzer sein können. Zudem kann der Herzschlag teils zu schnell oder zu langsam sein.

Die Deutung einer EKG-Kurve ist nicht einfach. Nur Spezialisten und gut geschultes Personal können eine Herzkurve wirklich gut interpretieren. Lassen Sie sich nicht durch computeranalytisch vorgedruckte Diagnosen und Zahlenangaben auf einem EKG-Ausdruck irritieren. Wenn ein Mediziner ein EKG auswertet, spielen immer auch Vorgeschichte, Beschwerden, Arzneimittel und vieles andere eine Rolle. Vertrauen Sie am besten Ihrem Arzt.

Autorin: Dr. med. Susanne Endres

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