Was kann ein Vorhofflimmern auslösen?

Bei manchen Menschen tritt Vorhofflimmern unvorhersehbar und scheinbar zufällig auf, so dass sie keine auslösenden Situationen benennen können. Bei anderen Menschen mit der Herzrhythmusstörung gibt es typische Auslöser, nach denen es häufig zu Episoden des Flimmerns kommt.

Hyperaktive Zellen im Vorhof – bei jungen Menschen oft ohne Grund

Beim Vorhofflimmern kommen Extraimpulse aus einer der kleinen Kammern des Herzens, dem linken Vorhof. Hier sind Zellen überaktiv und feuern zusätzliche Signale Richtung Hauptkammer, die den gesamten Rhythmus durcheinanderbringen können.

Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen. Mit steigendem Alter tritt es vermehrt auf. Ab einem Alter von 70 Jahren haben bis zu 15 von 100 Menschen ein Vorhofflimmern. Im Alter zwischen 60 und 70 Jahren betrifft es 5% und zwischen 50 und 60 Jahren 1%. Es kann dauerhaft vorkommen oder gelegentlich auftreten ("paroxysmal").

Bei jüngeren Menschen, die das 50. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, tritt es oft (80%) auf, ohne dass eine spezielle Herzkrankheit oder ein anderes medizinisches Problem vorliegt. Ärzte sprechen von "lone atrial fibrillation" oder idiopathischem Vorhofflimmern. Bei Personen über 50 Jahren liegt häufig eine Ursache vor, die zur Rhythmusstörung geführt hat. Hierzu gehören beispielsweise Herz- und Lungenkrankheiten oder langjähriger Bluthochdruck.

Schauen wir uns das etwas genauer an.

Klappenprobleme, mangelnde Durchblutung und Herzschwäche

Zwischen linkem Vorhof und linker Hauptkammer liegt die Mitralklappe. Wenn diese Klappe verkalkt, zu eng wird oder nicht mehr richtig schließt und undicht wird, hat dies indirekt Einfluss auf den linken Vorhof und seine Zellen. Spannungs- und Druckänderungen können ein Vorhofflimmern begünstigen.

Auch eine koronare Herzkrankheit, bei der die zarten Kranzgefäße (Koronarien) verkalkt sind und die Durchblutung des Herzmuskels unter Umständen nicht ausreicht, kann zu Vorhofflimmern führen. Ebenso tritt es manchmal im Rahmen eines Infarktes oder bei einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) auf. Je stärker Herzschwäche und Luftnot sind, desto häufiger kommt die Rhythmusstörung vor.

Im Rahmen von Herzmuskelerkrankungen oder -entzündungen kann ebenso wie nach Herzoperationen ein Vorhofflimmern auftreten. Veränderungen im elektrischen Leitungssystem des Herzens selbst können ebenfalls hinter dem Stolpern stecken.

Bluthochdruck, Schilddrüse und Lungenkrankheiten

Neben direkten Herzkrankheiten gibt es weitere Situationen, in denen die Vorhofzellen überaktiv werden. Hierzu gehören zum Beispiel jahrelanger Bluthochdruck, Schilddrüsenüberfunktion und Lungenkrankheiten.

Wenn ein Bluthochdruck über lange Zeit nicht gut eingestellt ist, kann der Herzmuskel verdicken und steifer werden und zudem die Entstehung von Vorhofflimmern begünstigen. Auch eine überaktive Schilddrüse hat diesen Effekt. Deshalb kontrollieren Mediziner bei neuen Rhythmusstörungen immer den Schilddrüsenwert TSH.

Da Lungenkreislauf und Herzhöhlen direkt ineinandergreifen, können Lungenkrankheiten wie eine COPD (chronisch obstruktive Lungenkrankheit), schwere Bronchitis oder Lungenentzündung mit hohem Fieber ebenfalls ein Vorhofflimmern auslösen.

Alkohol und Tabletten

Neben den oben genannten medizinischen Problemen können auch übermäßiger Alkoholkonsum und einige Arzneimittel die Zellen des linken Vorhofes aktivieren. So sprechen Mediziner vom "Holiday Heart Syndrom", wenn Menschen unter viel Alkohol ein Vorhofflimmern bekommen. Dies kann junge Leute auf Studienabschlussreisen treffen sowie Menschen mit einem Alkoholproblem.

Manchmal können auch reichhaltige Mahlzeiten, Stress oder körperliche Anstrengung die Rhythmusstörung triggern, wenn sie generell gelegentlich darunter leiden. Die Auslöser sind individuell unterschiedlich. Niedrige Werte an Kalium im Blut können zudem ein Vorhofflimmern fördern, sie treten manchmal unter Wassertabletten auf.

Zu den Arzneimitteln, die Puls und Rhythmus beschleunigen, zählen insbesondere Lungensprays, die Ärzte bei Asthma und COPD verschreiben, da ihre Andockstellen der Lungen denen des Herzens ähneln. Auch erhöhte Dosierungen von Theophyllin, ebenfalls ein Lungenmittel, können ein Vorhofflimmern auslösen.

Wichtig: Unabhängig davon, weshalb Sie ein Vorhofflimmern haben, müssen Sie unter Umständen – abhängig von Ihrem persönlichen Risiko, einen Schlaganfall zu bekommen – blutverdünnende Medikamente einnehmen. Folgen Sie dabei dem Rat Ihres Arztes.

Autorin: Dr. med. Susanne Endres

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