Welche Folgen hat ein zu schneller Herzschlag (Tachykardie)?

Pauschal lässt sich das praktisch nicht beantworten. Die Folgen einer Tachykardie hängen u.a. davon ab, wie schnell der Herzschlag tatsächlich ist und wo die Tachykardie entsteht. So kann ein zu schneller Herzschlag, der im Herzvorhof seinen Ursprung hat, wesentlich besser kompensiert werden, als wenn es sich um eine "Kammer-Tachykardie" handelt.

Eine Tachykardie kann viele Gesichter haben

Wenn Ärzte von einer Tachykardie sprechen, meinen sie zunächst einmal einfach einen zu hohen Puls. Und zwar nicht kurzfristig, weil man eben mal die Treppe hinaufgerannt ist, sondern dauerhaft.

Als Grenzwert gelten 100 Schläge pro Minute. Mediziner unterscheiden verschiedene Formen von Tachykardien, in der Regel abhängig davon, aus welcher Ecke der Herzkammern der schnelle Puls herrührt.

Sinustachykardie: normaler Rhythmus, schneller Puls

Bei der Sinustachykardie schlägt das Herz im normalen Rhythmus, aber schneller als "normal". Sportliche Anstrengung als einfachstes Beispiel erhöht den Puls auf diese Weise.

Der elektrische Impuls kommt dabei wie vorgesehen aus dem sogenannten Sinusknoten, einem kleinen Gebiet im rechten Vorhof, einer der vier Herzkammern. Spezialzellen erzeugen in diesem Areal elektrische Erregungen und senden das Signal über besondere Leitungsbahnen weiter zu den Herzkammern. Hier ziehen sich die Muskelzellen durch die elektrische Aktivität zusammen (Kontraktion), ein Herzschlag folgt.

Herzrasen, Druck und Luftnot

Die Taktgeberzellen im Sinusknoten können unter bestimmten Umständen und bei diversen Krankheiten wie beispielsweise Fieber, Schilddrüsenüberfunktion und Blutarmut, manchmal aber auch ohne jeglichen Grund, zu schnell feuern. Übermäßiger Alkoholgenuss und einige Medikamente wie Lungensprays können den Herzschlag klassischerweise ebenfalls erhöhen.

Menschen mit einer Sinustachykardie merken in der Regel, dass ihr Herz rast. Manche verspüren eventuell Druck hinter dem Brustbein oder Luftnot. Einigen wird unter Umständen schwindelig. Hinzu kommen noch Beschwerden, die die auslösende Krankheit ggf. verursacht, wie beispielsweise Fieber bei einer Grippe.

Vorhofflimmern mit hohem Puls

Neben der Sinustachykardie gibt es Rhythmusstörungen, die ebenfalls den Puls erhöhen können, also mit einer Tachykardie einhergehen. Bei ihnen kommen die ersten elektrischen Impulse nicht aus dem beschriebenen Sinusknoten, sondern aus anderen Ecken der Herzhöhlen. Dabei handelt es sich um überaktive Zellen oft aus dem linken, manchmal dem rechten Vorhof, die das Kommando übernehmen. Sie bringen den sonst geordneten Rhythmus durcheinander, unter Umständen mit erhöhtem Tempo.

Vorhofflimmern ist ein Beispiel einer solchen Rhythmusstörung. Prinzipiell gibt es aber ein Vielzahl weiterer Erkrankungen, die ähnlich ablaufen, aber insgesamt seltener vorkommen. Ein Vorhofflimmern mit hohem Puls nennen Mediziner Tachyarrhythmia absoluta. Betroffene leiden auch hier zum Teil an Herzrasen, Brustschmerzen, Luftproblemen oder Schwindel.

Potentiell gefährlich: Kammertachykardien

Kammertachykardien sind anders als die oben genannten Rhythmusveränderungen. Sie haben ihren Ursprungsort in den Zellen der Hauptkammern des Herzen und können abhängig von Frequenz, Dauer und Begleiterkrankungen gefährlich sein. Mündet eine Kammertachykardie in ein Kammerflimmern, kann der Kreislauf versagen.

Tritt eine solche Rhythmusstörung auf, spüren Betroffene Schwindel, unter Umständen sinkt der Blutdruck ab, einige verlieren plötzlich ihr Bewusstsein. Bricht der Kreislauf komplett zusammen, hilft  nur ein elektrischer Schock. Menschen mit Kammertachykardien sind meist schwerer herzkrank und müssen in der Regel von Spezialisten behandelt werden.

Zum Glück kommen solche Kammertachykardien aber viel seltener vor als die harmlosen Sinustachykardien oder ein schnelles Vorhofflimmern.

Dauerraser mit Herzschwäche

Eine Zeit lang kann ein Herz einen zu schnellen Puls tolerieren. Auf Dauer wird es aber irgendwann ermüden, wenn es zu viel pro Zeiteinheit pumpen muss. Dies gilt für alle Formen der Tachykardie. Hält sie dauerhaft und zu lange an, kann sich im Verlauf eine Kardiomyopathie (Herzschwäche) entwickeln. Die Pumpkraft des Herzmuskels nimmt dann ab, weniger frisches Blut gelangt so pro Schlag in den Körperkreislauf.

In schweren Fällen kann sich Flüssigkeit vom Herzen über das Gefäßsystem in den Lungenraum zurück stauen und Luftnot auslösen. Manchmal sammelt sich sogar in Beinen oder im Bauchraum Flüssigkeit an.

Entschleunigen hilft

Bei Tachykardien im Rahmen von Vorhofflimmern geben Mediziner in der Regel Medikamente, die das Herz bremsen und den Puls beruhigen. Stecken ein Infekt mit Fieber, eine Schilddrüsenüberfunktion, eine Blutarmut oder eine andere Krankheit hinter der Tachykardie, muss natürlich das Grundproblem ebenfalls behandelt werden.

Prinzipiell kann ein gesundes Herz im Vergleich zu einem vorgeschädigten eine hohe Frequenz besser tolerieren als ein vorerkranktes. Ein herzgesunder junger Mensch kann Frequenzen um die 200 Schläge pro Minute kurzfristig schadlos überstehen.

Autorin: Dr. med. Susanne Endres

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