Welche Komplikationen können nach einer Herzklappenoperation auftreten?

Die korrekte Funktion einer operierten Herzklappe wird in der Regel noch während der Operation, auf jeden Fall aber vor der Entlassung überprüft. Nach einer Herzklappenoperation können Komplikationen auftreten, die Ihren Krankenhausaufenthalt verlängern, z.B. eine Lungenentzündung.

Seltener sind allgemeine Komplikationen nach Operationen wie z.B. Thrombosen oder Embolien, weil Sie zum Einen sehr früh nach der Operation, meist schon am ersten Tag, mobilisiert werden. Andererseits erhalten die meisten Patienten direkt nach der Operation noch Heparin und manche auch Marcumar für einige Wochen, sodass das Risiko für Gerinnsel in den Venen des Beines im Vergleich zu anderen großen Operationen gering ist. Bei manchen Klappenoperationen, z.B. an der Aortenklappe, befindet sich der Chirurg direkt an den großen Herzkranzgefäßen, sodass manchmal während der Operation selber ein Herzinfarkt auftreten kann.

Vorhofflimmern - die häufigste Komplikation nach einer Herzoperation

Die häufigste Komplikation nach einer Herzklappenoperation ist das sogenannte Vorhofflimmern. Hierbei werden die beiden Herzvorhöfe nicht mehr koordiniert über den körpereigenen Schrittmacher, den Sinusknoten erregt. Stattdessen treten in den Herzmuskelfasern der Vorhöfe unkoordiniert und unregelmäßig elektrische Entladungen auf, die dann unregelmäßig auf die Herzkammern übergeleitet werden. Vorhofflimmern tritt bei ungefähr 40% der Patienten nach Herzklappenoperationen auf und meist bedingt durch die Manipulation an den Vorhöfen während der Operation. Meist lässt es sich durch eine Kardioversion, also einen kurzen elektrischen Impuls oder durch Medikamente wieder in den normalen Sinusrhythmus überführen. Marcumar muss man hier nur nehmen, wenn das Vorhofflimmern für einige Woche bestehen bleibt und sich erst später wieder normalisiert.

Spezielle Komplikationen nach Herzklappenoperationen

Gefürchtet ist auch eine Infektion der Herzklappenprothese, eine sogenannte Endokarditis. Diese entsteht in der Regel nicht während der Operation, sondern durch Bakterien im Blut. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Bakterien im Blut auftauchen und bedeutet nicht immer, dass etwas mit der Hygiene nicht gestimmt hat. Normalerweise wird die körpereigene Abwehr aber mit solchen vereinzelt immer auftretenden Bakterien fertig. Nur wenn die Bakterien in sehr hoher Zahl auftreten oder wenn, wie z.B. nach Herzoperationen, die Abwehr des Körpers geschwächt ist, können sich Bakterien mit dem Blutstrom bis zu den operierten Klappen bewegen und sich dann dort absetzen und vermehren, weil sie z.B. in den Nahtstellen der Klappen von der Abwehr oder auch von Antibiotika nicht erreicht werden. Darum muss auch in den allermeisten Fällen eine erneute Operation mit Austausch der Klappenprothese erfolgen, wenn sie mit Bakterien besiedelt ist. Erkannt wird das am besten mit der Echokardiographie, also einer speziellen Ultraschallmethode und mit Blutuntersuchungen, bei denen das Blut auf die Bakterien untersucht wird und gleichzeitig getestet wird, welches Antibiotikum wirksam ist.

Dr. med. Sven Meyer

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