Wie läuft eine Herzmuskelbiopsie ab?

Im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung lassen sich kleine Proben (Biopsien) aus der Innenseite des Herzmuskels entnehmen. Die feingewebliche Untersuchung lässt Rückschlüsse auf Herzmuskelerkrankungen zu.

So kann etwa eine Myokarditis nachgewiesen, genauer beurteilt und im Idealfall die richtige Behandlung eingeleitet werden. Auch andere Krankheitsprozesse, die das Herz schädigen, sowie Abstoßungsreaktionen bei Transplantationen lassen sich in einer Biopsie nachweisen.

Durch Gefäße zum Herzmuskel

Die Untersuchung selbst läuft ähnlich wie bei einem Herzkatheter ab. Speziell geschulte Kardiologen führen sie im Katheterlabor durch, oft reicht eine Beruhigungs- oder Schlafspritze. Über die Leiste schieben Mediziner dabei dünne Drähte bis zum Herzen vor. Dort können sie dann aus der Herzmuskulatur kleine Gewebeproben entnehmen, sie zwicken sie quasi aus dem Muskel heraus.

Die Biopsie kann sowohl in der rechten als auch der linken Hauptkammer erfolgen. Wichtig ist, dass das gewonne Zellmaterial schnell und korrekt konserviert und weiter verarbeitet wird, um es im Verlauf unter dem Mikroskop auswerten zu können. Hierfür sind dann andere Fachärzte verantwortlich.

Je nach Krankheitsverlauf wird vor einer Herzmuskelbiopsie zusätzlich ein Kardio-MRT durchgeführt. Es beschreibt vorab betroffene Areale und ermöglicht es, direkt dort die Probe zu entnehmen. Dies soll die Trefferquote erhöhen. In schweren Myokarditisfällen wird in der Regel empfohlen, schnell und direkt zu punktieren, um keine weitere Zeit zu verlieren.

Expertise gefragt

Herzmuskelbiopsien werden bisher vor allem in spezialisierten Zentren durchgeführt, die über viel Erfahrung verfügen. Wenngleich die Komplikationsrate bei entsprechender Expertise mit 0-0,8 % gering ist, können potentiell gefährliche Probleme wie eine Verletzung des Herzmuskels mit Tamponade und Perikarderguss (Einblutung in den Herzbeutel) oder ein Schlaganfall auftreten. Eine Tamponade muss meist mit einer Drainage behandelt werden. Die Prozentzahlen liegen mit 0,6-0,8 % sehr niedrig, jedoch nicht ganz bei Null.

Unter Fachleuten gilt die Gewebeprobe bei Myokarditisverdacht als sogenannter diagnostischer Goldstandard. Sie soll in Zukunft immer wichtiger werden, da die frühzeitig erkannte Ursache einer Herzmuskelerkrankung es Medizinern ermöglicht, zielgerichtet Medikamente einzusetzen.

Autorin: Dr. med. Susanne Endres

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