Biopsie bei Myokarditis (Herzmuskelentzündung): Wer braucht sie?

Wer konkret bei Verdacht auf eine Myokarditis eine Biopsie (Punktion) aus der Herzmuskulatur benötigt, ist gar nicht so einfach zu sagen. Unter Fachleuten ist diese Frage noch nicht eindeutig beantwortet. Der Trend scheint Richtung mehr Biopsien zu gehen.

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Gewebeprobe anhand einer Herzpunktion spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • zeitlicher Verlauf
  • Pumpkraft des Herzens
  • Komplikationen wie Rhythmusstörungen
  • Ansprechen auf die medikamentöse Therapie einer Herzschwäche

Definitive Diagnose nur mit Biopsie

Diagnose und Behandlung sind bei einer Myokarditis auch heutzutage noch herausfordernd. Eine Herzmuskelentzündung ist mit den sonst gängigen Untersuchungen nicht leicht festzustellen. Krankengeschichte, EKG und Echokardiogramm sind oft unauffällig.

Die Diagnose "Myokarditis" kann tatsächlich nur im histologischen Bild sicher gestellt werden, das heißt mit einer Untersuchung des Gewebes unter dem Mikroskop. Bei der sogenannten endomyokardialen Biopsie (EMB) handelt es sich jedoch um eine invasive Methode. Je nach Erfahrung des Untersuchers können Probleme einschließlich schwerer Verletzungen des Herzmuskels auftreten, wenngleich die Komplikationsrate insgesamt unter 1 % liegt.

Zudem heilen 80 % der Myokarditiden sowieso vollständig aus. Wozu dann noch eine genaue Diagnose, wenn die Kenntnis der Ursache keinen Einfluss auf die Therapie hat? Diese Frage taucht häufig auf.

Experten diskutieren aktuelle Empfehlungen

Auch Spezialisten sind sich bei der Beantwortung der Frage noch nicht ganz einig. Experten der American Heart Association (AHA 2007) raten aktuell u.a. bei folgenden möglichen Fallkonstellationen zu einer Gewebeentnahme, wenn der Verdacht auf eine Myokarditis besteht:

  • innerhalb von zwei Wochen neu aufgetretene Herzschwäche mit normal großer oder vergrößerter linker Hauptkammer
  • innerhalb von zwei Wochen bis drei Monaten neu aufgetretene Herzschwäche mit vergrößerter linker Hauptkammer, Rhythmusstörungen und Therapieversagen
  • vor mehr als drei Monaten aufgetretene Herzschwäche mit vergrößerter linker Hauptkammer, Rhythmusstörungen und Therapieversagen
  • etc.

Trend eventuell zu mehr Untersuchungen

Ein Positionspapier der Europäischen Society of Cardiology (ESC 2013) geht dagegen noch weiter. Allen Menschen, bei denen klinisch eine Myokarditis vermutet wird – hier gibt verschiedene Kriterien wie Fieber oder EKG-Veränderungen, von denen einige zutreffen müssen – empfehlen Ärzte eine Biopsie. Studien müssen dieses Vorgehen jedoch noch untermauern.

Einigkeit besteht bei allen Experten darin, dass besonders Betroffene mit lebensbedrohlichen Verläufen von einer sicheren Diagnose durch eine Gewebeprobe profitieren.

Grundsätzlich sollten natürlich bei allen Betroffenen vor einer Biopsie die gängigen Tests einschließlich klinischer Untersuchung, Blutentnahme, EKG und Echokardiogramm sowie möglicherweise Kernspin (MRT) durchgeführt werden.

Autorin: Dr. med. Susanne Endres

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