Wie lange muss ich bei bei Myokarditis Herzmedikamente einnehmen?

Wie lange Sie bei einer Myokarditis (Herzmuskelentzündung) mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz) Medikamente einnehmen müssen, richtet sich vor allem nach der Pumpleistung Ihres Herzens. Wie schnell wann welches Arzneimittel abgesetzt werden kann, wurde bisher noch nicht klar definiert.

Keine eigenen Leitlinien

Eine Herzmuskelentzündung heilt in vielen Fällen spontan aus. Die Angaben schwanken zwischen 50 und 80 %. Grundpfeiler der Therapie sind körperliche Schonung und der Verzicht auf Sport.

Wer im Rahmen einer Myokarditis zusätzlich eine Herzinsuffizienz entwickelt, benötigt Medikamente, die die Pumpkraft des Herzens unterstützen. Hierzu gehören Wirkstoffe wie ACE-Hemmer oder Angiotensinrezeptorblocker, Betablocker und Entwässerungstabletten (Diuretika). Beginn und Reihenfolge der Arzneigabe richten sich dabei nach den allgemeinen Leitlinien der Therapie einer Herzschwäche. Spezifische Empfehlungen zur Myokarditis selbst gibt es noch nicht.

Sollten Rhythmusstörungen auftreten, werden sie natürlich ebenfalls behandelt. In  ausgewählten Fällen kommen zudem Spezialmedikamente gegen die Entzündungsreaktion oder das Virus selbst zum Einsatz.

Zuerst muss sich die Pumpleistung erholen

Solange im Rahmen der Entzündung eine Herzinsuffizienz vorliegt, müssen Sie die oben genannten Medikamente in der Regel einnehmen. Normalisiert sich die Kraft des Herzens im Verlauf, setzen die Ärzte sie meist ab.

Wichtig ist, die Medikamente nicht abrupt abzusetzen, sondern die Dosis langsam zu reduzieren. Wie genau das Weaning (Ausschleichen) zeitlich abläuft, ist in den Leitlinien bisher nicht eindeutig definiert. Verschiedene Faktoren wie Beschwerden und Zeichen einer Herzschwäche, Hinweise auf eine eingeschränkte Funktion aus der Ultraschalluntersuchung (Pumpkraft LVEF und andere Werte) und bestimmte Blutwerte wie das NT-proBNP spielen unter anderem eine Rolle.

Sprechen Sie also mit Ihrem Arzt und Kardiologen, wann Sie gegebenenfalls Ihre Medikamente wieder absetzen können.

Autorin: Dr. med. Susanne Endres

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