Schützen Omega-3-Fettsäuren vor einer Thrombose?

Ein "Klumpen" im Blutgefäß – das ist keine schöne Vorstellung. Tatsächlich kann so ein Pfropf oder Blutgerinnsel mehr als unangenehm werden. Wenn dadurch ein Gefäß verengt oder gar komplett verstopft wird, spricht man von einer Thrombose.

Eine Thrombose kann in den verschiedenen Arten von Gefäßen vorkommen. Sind die Venen betroffen, dann meistens die der Beine oder des Beckens, sehr selten die der Arme.

Kritisch wird's, wenn der Thrombus weitergespült wird

Im Grunde gibt es zwei Übeltäter, die unter bestimmten Bedingungen zu einer Thrombose beitragen: zum einen das Blut, wenn es zu schnell gerinnt und/oder zu langsam fließt; zum anderen die Gefäßwände, wenn sie entzündet, rau oder verletzt sind und alles mögliche daran hängen bleiben kann.

Gefährlich wird es vor allem, wenn sich so ein Thrombus löst und mit dem Blutstrom mitwandert (dann heißt er übrigens nicht mehr Thrombus, sondern Embolus). In den großen Venen, die zum Herzen ziehen, ist das erst einmal kein Problem. Auch das Herz selbst passiert der Embolus in der Regel noch ungehindert. Aber wenn es dann in die feineren Verästelungen der Lungengefäße geht, bleibt er stecken. Die Folge: Ein Teil der Lunge wird blockiert (das ist dann die Lungenembolie), das Blut staut sich zurück und belastet das Herz.

Langsame Gerinnung ist gefährlich

Bei manchen entwickelt sich eine Thrombose, weil sie dazu veranlagt sind. Es gibt aber auch Risikofaktoren, die wir beeinflussen können.

Wer schon einmal eine Operation hatte, kennt – je nach Verlauf – auch Thrombosestrümpfe und -spritzen. Die Strümpfe erzeugen von außen einen mechanischen Druck auf die Venen. Dadurch fließt das Blut schneller, die Blutplättchen haben weniger Chancen zu verkleben. Die Thrombosespritze mit dem Wirkstoff Heparin wiederum setzt die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herab.

Einen nicht ganz so starken, aber doch ähnlichen Effekt können Sie auch bis zu einem gewissen Grad durch Nahrungsmittel erreichen, beispielsweise durch Omega-3-Fettsäuren. Auch sie führen dazu, dass die Blutgerinnung langsamer abläuft und das Blut somit besser in Fluss bleibt.

Ungünstig sind Schäden an den Gefäßwänden

Dass das Blut gut fließt, ist schon einmal die halbe Miete. Eine große Rolle spielen aber auch die Innenwände der Gefäße. Wenn sie nicht mehr ganz intakt und glatt sind, können sich hier Ablagerungen bilden.

Ist ein Gefäß verletzt oder entzündet, bekommt der Körper das Signal, die Wunde in der Gefäßwand zu schließen. Also wird die Blutgerinnung in Gang gesetzt – eigentlich ein sinnvoller Vorgang, der aber in eine Thrombose umschlagen kann. Omega-3-Fettsäuren wirken dem offenbar entgegen, indem sie dafür sorgen, dass die Gefäße schön elastisch bleiben. Außerdem haben diese Fettsäuren einen antientzündlichen Effekt. Kein Wunder also, dass sie manchmal auch als "Venenputzer" bezeichnet werden.

Hoher Fischkonsum mindert das Thromboserisiko

In einer Studie, deren Ergebnisse im Jahr 2014 veröffentlicht wurden, bestätigte sich, dass Omega-3-Fettsäuren das Thromboserisiko senken. Bei Probanden, die mindestens dreimal pro Woche Fisch aßen (vor allem fetter Fisch enthält einen hohen Anteil wichtiger Omega-3-Fettsäuren), lag es um 22% niedriger als bei denjenigen mit bis zu zwei Fischmahlzeiten pro Woche. An dieser Erhebung einer norwegischen Universität nahmen mehr als 23.500 Menschen zwischen 25 und 97 Jahren teil (Hansen-Krone et al. 2014).

Übrigens: Wer zusätzlich zu den drei Fischportionen noch Nahrungsergänzungsmittel mit Fischöl nahm, hatte sogar ein fast 50% geringeres Thromboserisiko. Verschiedene solcher Produkte gibt es zum Beispiel von San Omega.

Auch Schutz vor weiteren Thromboembolien

In einer weiteren Erhebung ging es um die Gefahr, nach einer erlittenen venösen Thromboembolie von einer weiteren heimgesucht zu werden (Reiner et al. 2017). Dazu wurde das Blut der Betroffenen auf den Spiegel an Omega-3-Fettsäuren untersucht und dann in drei Kategorien eingeteilt: niedrig, mittel und hoch. Diejenigen mit den niedrigen Omega-3-Werten hatten nach einem halben Jahr ein höheres Risiko, erneut an einer Thromboembolie zu erkranken, als diejenigen mit den mittleren und hohen Werten.

Schwedischen Forschern fiel ebenfalls auf, dass Omega-3-Fettsäuren die Thromboseneigung mindern (Nilsson et al. 2012). Sie untersuchten noch weitere Wirkungen. Dabei kam heraus, dass verschiedene Risikofaktoren für Krankheiten des Herzens und der Gefäße reduziert werden konnten – und zwar bei den Studienteilnehmern, die über einen Zeitraum von fünf Wochen jeweils 3.000 mg eines Fischöl-Nahrungsergänzungsmittels nahmen. Bei ihnen sanken die Blutfettwerte, der Blutzuckerspiegel, die Entzündungsmarker und der Blutdruck. Zudem zeigte sich eine verzögerte Blutgerinnung – alles Faktoren, die auch das Risiko herabsetzen, eine Thrombose zu entwickeln.

Statt Fleisch mehr Fisch und Gemüse

Dass neben Fisch auch die übrige Ernährung das Risiko einer venösen Thromboembolie mindern kann, macht eine Untersuchung von Forschern in den USA deutlich (Steffen et al. 2007). Demnach traten entsprechende Ereignisse seltener auf, wenn die Probanden mehr Gemüse und Fisch, dafür aber weniger rotes und verarbeitetes Fleisch aßen.

Ein möglicher Grund ist, dass Fleisch – ebenso wie Eier und Milchprodukte – meistens einen recht hohen Anteil an Omega-6-Fettsäuren aufweist. Verstehen Sie das bitte nicht falsch: Auch diese Fettsäuren haben wichtige Aufgaben im Körper. Aber die meisten von uns nehmen zu viele dieser Omega-6-Fettsäuren auf. Und das kann Entzündungen fördern, Gefäße verengen und zudem zulasten der Omega-3-Fettsäuren gehen.

Auf die verschiedenen Omega-3-Fettsäuren achten

Was letztere anbelangt, so sollten Sie auch wissen: Es gibt zwei Omega-3-Fettsäuren, die als biologisch aktiv gelten, und zwar die Eicosapentaensäure (EPA) und die Docosahexaensäure (DHA). Ein Vorläufer dieser beiden ist die Omega-3-Fettsäure namens Alpha-Linolensäure (ALA), die in hoher Konzentration in einigen pflanzlichen Ölen wie Lein- und Chiaöl vorkommt. Der Organismus kann sie zwar in die anderen beiden Omega-3-Fettsäuren umwandeln, aber nur zu einem kleinen Prozentsatz. Deshalb ist es ratsam, regelmäßig direkt EPA und DHA aufzunehmen – durch fetten Fisch (Hering, Makrele, Lachs, Sardine, Thunfisch), spezielle Algen oder entsprechende Nahrungsergänzungsmittel. Empfehlenswerte Produkte gibt es zum Beispiel hier.

Wenn Sie Ihrem Körper dazu noch genügend Mineralstoffe und Vitamine gönnen, kann das die Wirkung Omega-3-Fettsäuren unterstützen (vor allem Vitamin E schützt die Fettsäuren). So sind Sie rundum bestens gerüstet.

Autorin: Anna Brockdorff

Studien:

  • Hansen-Krone IJ, Enga KF, Südduth-Klinger JM, Mathiesen EB, Njølstad I, Wilsgaard T, Watkins S, Brækkan SK, Hansen JB: High Fish plus Fish Oil Intake Is Associated with Slightly Reduced Risk of Venous Thromboembolism: The Tromsø Study. 2014.
  • Nilsson A, Radeborg K, Salo I, Björck I: Effects of supplementation with n-3 polyunsaturated fatty acids on cognitive performance and cardiometabolic risk markers in healthy 51 to 72 years old subjects: a randomized controlled cross-over study. 2012.
  • Reiner MF, Stivala S, Limacher A, Bonetti NR, Méan M, Egloff M, Rodondi N, Aujesky D, von Schacky C, Lüscher TF, Camici GG, Beer JH: Omega-3 fatty acids predict recurrent venous thromboembolism or total mortality in elderly patients with acute venous thromboembolism. 2017.
  • Steffen LM, Folsom AR, Cushman M, Jacobs DR Jr, Rosamond WD: Greater fish, fruit, and vegetable intakes are related to lower incidence of venous thromboembolism: the Longitudinal Investigation of Thromboembolism Etiology. 2007.
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