Was ist eine Lyse oder Lysebehandlung?

Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel lassen sich, wenn sie noch frisch sind, mit Medikamenten auflösen. Das nennt man Lyse, oder etwas korrekter Thrombolyse. Das Prinzip: Die injizierten Medikamente aktivieren ein bestimmtes Enzym, das für die Auflösung von Blutgerinnseln im Körper verantwortlich ist. Die Rede ist von Plasmin bzw. Plasminogen.

Die verwendeten Medikamente sind vor allem Streprokinase, Urokinase oder Plasminogenaktivator. Modernere Mittel sind Alteplase, Reteplase oder Tenecteplase. Die Substanzen werden entweder in die Vene gespritzt oder über einen Gefäß-Katheter direkt zum Ort der Verstopfung vorgeschoben und dort erst freigesetzt.

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Wenn Lyse, dann sofort

Ein Risiko bei der Verabreichung solcher Substanzen ist eine erhöhte Blutungsgefahr. Diese Blutungen können dabei auch an weit entfernten Körperregionen wie Gehirn oder Magen auftreten, ohne dass man das unbedingt gleich bemerkt, z.B. wenn sich dort bereits bislang unbekannte Läsionen befinden. Vor der Behandlung versucht man, dieses Risiko so weit wie möglich auszuschließen, etwa durch eine Magenspiegelung.

Was wichtig zu wissen ist: Eine Lyse-Behandlung macht nur in den ersten Stunden nach dem Ereignis Sinn. Wenn ein Schlaganfall mehr als vier Stunden zurückliegt (oder Herzinfarkt sechs Stunden), überwiegen die Gefahren den Nutzen, weil dann das betroffene Gewebe teilweise bereits abgestorben sein kann.

Autoren: Dr. Julia Hofmann & Dr. med. Jörg Zorn

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