Sind Krampfadern nicht nur ein kosmetisches Problem?

Das kann man so nicht sagen. Krampfadern an sehr kleinen oberflächlichen Hautvenen sind tatsächlich nur kosmetisch relevant. An anderer Stelle kann eine sogenannte Varikosis jedoch mit Beschwerden und auch mit Gefahren verbunden sein.

Besenreiser und retikuläre Varizen sind harmlos

Es gibt verschiedene Arten von Krampfadern, je nachdem, welche Gefäße geschädigt und erweitert sind. Bei verhältnismäßig tiefen Venen spricht man von einer Stamm-, Seitenast- oder Perforansvarikosis, bei den oberflächlichen von einer retikulären Varikosis oder von Besenreisern. Letztere sind Sammelvenen in der Haut mit einem Durchmesser < 1mm. Eine Etage tiefer direkt unter der Haut liegen kleine Nebenastvenen. Sind sie – oft netzförmig – erweitert, handelt es sich um eine retikuläre Varikosis.

Besenreiser und retikuläre Varizen gefallen vielleicht nicht jedem, sind aber kein medizinisch relevantes Problem. Sie können, müssen aber nicht behandelt werden. Entscheidend ist, dass sie keinen Bezug zum tiefen Venensystem haben und daher nicht hämodynamisch relevant werden können, wie die Mediziner sagen. Das heißt, sie gefährden nicht die Strömung des tiefen venösen Blutgefäßsystems.

In der Tiefe wird's gefährlich

Anders sieht es bei tiefergelegenen Krampfadern aus. Sie können optisch ebenso unansehnlich sein, wenn sie sich schlangenartig am Bein entlangziehen oder die Haut verfärben. Darüber hinaus können sie aber auch Schmerzen, Juckreiz und Krämpfe, schwere Beine und ein Stauungsgefühl hervorrufen.

Und noch wichtiger: Die veränderten und ausgesackten Venen können sich entzünden und Blutgerinnsel ausbilden, die über das tiefe Venensystem fortgeschwemmt werden und die Lungengefäße verstopfen können.

Wenn die Venenwände stark belastet und ausgeleiert sind, können sie zudem einreißen und schwere Blutungen verursachen. Eine weitere gefürchtete Folge einer Stammvarikosis ist die sogenannte chronische venöse Insuffizienz, bei der die tiefen Leitvenen des Beins nachhaltig geschädigt sind. Durchblutungsstörungen, Infektionen und offene Hautstellen, die schwer zu behandeln sind, können die Folge sein.

Krampfadern kann man daher nicht pauschal als Schönheitsproblem abhaken. Wenn Sie tatsächlich nur von den kleinen Besenreisern geplagt sind, umso besser. Andernfalls sollten Krampfadern umgehend behandelt werden.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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