Hohes Cholesterin: Was bedeutet das für mein Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko?

Die wichtigste Antwort gleich vorneweg: Wenn man in jüngeren Jahren erhöhte Cholesterinwerte hat, ist sowohl das Risiko für einen Herzinfarkt als auch für einen Schlaganfall deutlich erhöht. Das wurde in mehreren großen Studien zweifelsfrei nachgewiesen. Es gilt ganz besonders für Cholesterinwerte von über 240 mg/dl.

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Bei leicht erhöhten Cholesterinwerten in höherem Alter (genauer gesagt ab dem 55. Lebensjahr) ist der Zusammenhang allerdings nicht mehr so eindeutig. Im Gegenteil, hier verdichten sich die Hinweise, dass die Pharmaindustrie die Cholesterin-Angst aus kommerziellem Interesse etwas überstrapaziert hat.

In jüngeren Jahren gefährlicher

Zumindest im mittleren Erwachsenalter gilt aber schon: Wer seine erhöhten Cholesterinwerte konsequent senkt, verringert damit auch nachweislich die Gefahr, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Es lohnt sich hier also wirklich, etwas gegen seine erhöhten Cholesterinwerte zu tun. Mit gesunder Ernährung, viel Bewegung oder auch Tabletten. Das gilt im übrigen auch für die anderen Blutfette, namentlich die Triglyceride.

Wie viel ist wahr, wie viel ist Marketing-Legende?

Besonders gut nachgewiesen ist ein medikamentöser Effekt für die Behandlung mit Cholesterinsenkern aus der Familie der Statine (Simvastatin, Pravastatin, Atorvastatin u.v.a.). Fasst man alle Studien zu dieser Medikamentengruppe zusammen, wird damit eine Senkung des Herzinfarkt-Risikos um 30-40% erreicht. Das Schlaganfall-Risiko verringert sich unter einer solchen Behandlung um 20%.

Allerdings sind die Statine auch die Produktfamilie, zu der die Pharmaindustrie besonders intensive Marketingaktivitäten entfaltet hat. Inklusive der Bezahlung hochrangiger „Meinungsbildner“ (Chefärzte) auf diesem Gebiet. Das bedeutet nicht, dass alles gelogen ist, es kann aber bedeuten, dass zumindest einige Schlussfolgerungen im Interesse der Hersteller „angepasst“ wurden.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn