Fettstoffwechselstörungen: Ursachen, Symptome, Behandlung

Übersicht

Unter dem Oberbegriff Fettstoffwechselstörungen wird eine Reihe von Erkrankungen zusammengefasst, bei denen es zu einer krankhaften Erhöhung einer oder mehrerer Blutfette kommt.

Wir brauchen Fette – aber in Maßen

Blutfette sind für den menschlichen Körper essentiell, da sie eine ganze Reihe an Aufgaben erfüllen. Sie sind dabei nicht nur Energielieferanten für Muskel- und Fettzellen, sondern auch beteiligt am Aufbau bestimmter Hormone und Vitamine, die für den Körper lebensnotwendig sind.

Bei einer zu starken Erhöhung von Cholesterinen und Triglyceriden im Blut können Blutfette aber auch schädlich für den Körper und insbesondere für das Herz-Kreislauf-System sein.

Allgemein wird bei Fettstoffwechselstörungen zwischen Hypercholesterinämien, Hypertriglyceridämien und gemischten Hyperlipidämien unterschieden. Während bei Hypercholesterinämien vor allem das LDL-Cholesterin im Blut erhöht ist, sind bei Hypertriglyceridämien die Triglyceride über das normale Maß hinaus angestiegen. Gemischte Hyperlipidämien tragen Merkmale beider vorangehend genannter Fettstoffwechselstörungen.

Immer beteiligt: Ernährung und Bewegung

Fettstoffwechselstörungen können auf Basis einer genetischen Veranlagung oder auch im Rahmen von anderen Grunderkrankungen entstehen.

Unsere 10 wichtigsten Tipps bei zu hohen Blutfettwerten

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Mitbeteiligt an der Entstehung sind jedoch immer auch Aspekte des alltäglichen Lebens wie mangelnde Bewegung und eine ungesunde Ernährung bzw. Lebensweise, was bedeutet, dass eine genetische Veranlagung alleine noch lange nicht zu einem Ausbruch der Erkrankung führen muss.

Unmerkliche Folgen

Besonders aus einem Grund sind Fettstoffwechselstörungen sehr tückisch: Sie verursachen keine bzw. nur sehr wenige Symptome, haben langfristig aber erhebliche Folgen auf das Gefäßsystem. Werden erhöhte Blutfettwerte erst spät entdeckt, können bereits Folgeschäden an den Gefäßen entstanden sein, die unter anderem Erkrankungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle begünstigen können.

Dabei kann die Diagnose einer Fettstoffwechselstörung relativ einfach gestellt werden. Oftmals reicht eine einzige Blutentnahme aus, um erhöhte Blutfettwerte zu erkennen und die Indikation einer Therapie zu stellen.

Lebensumstellung und Medikamente

Die Behandlung von Blutfettwerterhöhungen fußt auf verschiedenen Säulen. Bei nur leicht erhöhten Werten und ohne weitere Risikofaktoren für das Herz-Kreislauf-System reicht oftmals eine Änderung des Lebensstils aus, um die Fettstoffwechselstörung in den Griff zu bekommen.

Bei bereits vorbekannten Erkrankungen, die ebenfalls zu einer Schädigung des Gefäßsystems führen können bzw. bei sehr hohen Blutfettwerten oder einem erfolglosen Therapieversuch ohne Medikamente wird eine medikamentöse Behandlung begonnen. Dafür steht eine ganze Reihe an Präparaten zur Auswahl, die je nach Art und Höhe der veränderten Blutfette ausgewählt werden müssen.

Fettstoffwechsel: Wozu welche Fette gut sind

Menschliche Körperzellen benötigen Blutfette für eine Vielzahl an Funktionen. Da sie durch den Körper jedoch nicht in ausreichendem Maße selbst hergestellt werden können, müssen Blutfette mit der Nahrung aufgenommen und über das Blut an den jeweiligen Ort der Verwendung gebracht werden. Die beiden wichtigsten Blutfette sind Abkömmlinge des Cholesterins sowie die Triglyceride.

Sie haben unterschiedliche Aufgaben:

  • Cholesterine sind keine Fette im eigentlichen Sinne, sondern Fettbegleitstoffe. Sie haben eine ganze Reihe lebenswichtiger Funktionen: Einerseits sind sie Energielieferant für Muskel- und Fettzellen sowie am Aufbau der Zellwände jeder Zelle beteiligt; andererseits werden sie benötigt, um Sexualhormone und Vitamine (insbesondere das Vitamin D) sowie Gallensäuren zu bilden.
  • Triglyceride sind die eigentlichen Blutfette. Sie sind die wichtigsten Energielieferanten für den Aufbau von Fett- und Muskelzellen.

Shuttle-Service für die Fette

Über die Nahrung aufgenommene Fette wie Triglyceride und Cholesterine müssen zunächst über das Blut zum Ort ihrer Bestimmung gelangen. Hierzu werden Sie im Darm über bestimmte Transporter aufgenommen und im Blut an sogenannte Lipoproteine gebunden. Lipoproteine sind Transporteiweiße, an die die Blutfette gebunden und anschließend im Körper verteilt werden.

Je nach Funktion werden dabei folgende Lipoproteine unterschieden:

  • Chylomikronen: Aus der Nahrung über den Darm aufgenommene Triglyceride und Cholesterine werden an Chylomikronen gebunden und von dort zur Leber sowie zu Muskel- und Fettzellen transportiert.
  • LDL: LDL gehört, gemeinsam mit dem HDL, zu den wichtigsten Transportproteinen für Cholesterin. LDL hat die Funktion, das in der Leber angekommene bzw. produzierte Cholesterin zu Muskel- und Fettzellen zu transportieren sowie dem Immunsystem zur Verfügung zu stellen. LDL wird manchmal auch als „schlechtes“ Blutfett bezeichnet, da es sich, wenn die Konzentrationen im Blut zu stark ansteigen, an den Gefäßwänden ablagern und diese nachhaltig schädigen kann.
  • HDL: HDL übernimmt den entgegengesetzten Weg des LDL. Es sorgt für den Rücktransport von überschüssigem Cholesterin zur Leber, wo es zum größten Teil zu Gallensäuren verarbeitet und über Galle und Darm ausgeschieden wird. Da HDL den Körper von überschüssigem Cholesterin befreit, wird es auch als „gutes“ Blutfett bezeichnet, von dem eher zu wenig als zu viel im Blut zirkuliert.
  • VLDL: VLDL hat eine ähnliche Funktion wie das LDL, da es Triglyceride und Cholesterine von der Leber zum jeweiligen Einsatzort transportiert. Allerdings ist es nur für die in der Leber produzierten Blutfette zuständig.

Lesen Sie dazu auch:
Grundlagen zum Fettstoffwechsel

Definition und Einteilung

Fettstoffwechselstörungen sind eine Gruppe von Erkrankungen, bei denen es zu einer Erhöhung einzelner oder mehrerer Blutfettwerte kommt. Unterschieden wird dabei vor allem, welche Lipoproteine im Plasma erhöht sind und ob diese Erhöhung erblich bedingt ist (primäre Fettstoffwechselstörung) oder im Rahmen einer anderen Grunderkrankung wie beispielsweise einem Diabetes mellitus, einer Schilddrüsenunterfunktion, bei Stress oder in Folge zu hohen Alkoholkonsums aufgetreten ist (sekundäre Fettstoffwechselstörung).

Dabei lässt sich generell sagen, dass primäre Formen eher zu einer Erhöhung des Cholesterinanteils im Blut führen, während sekundäre Formen eher eine Erhöhung der Triglyceride nach sich ziehen.

Erhöhung einzelner oder aller Fette

Die häufigsten Fettstoffwechselstörungen sind:

  • Hypercholesterinämien
  • Hypertriglyceridämien
  • gemischte Hyperlipidämien

Hypercholesterinämien sind gekennzeichnet durch eine Erhöhung des Gesamtcholesterins im Blutplasma bei anteilig zu hoher Konzentration an LDL-Cholesterin, während sich die Triglyceride im Normbereich befinden.

Im Rahmen der Hypertriglyceridämien kommt es zu einer Erhöhung der Triglyceridspiegel, die oftmals mit einer Erniedrigung der HDL-Cholesterinkonzentration einhergeht.

Wie der Name schon andeutet, kommt es bei gemischten Hyperlipidämien zu einer Erhöhung mehrerer Blutfettwerte. Die häufigste Form der gemischten Hyperlipidämien ist die familiäre kombinierte Hyperlipidämie, die genetisch bedingt ist. Sie geht typischerweise mit einer gleichzeitigen Erhöhung der LDL-Cholesterin- und der Triglyceridkonzentration im Blut sowie einer positiven Familienanamnese für eine frühzeitige KHK einher.

Ursachen

Gene, Vorerkrankungen und die Lebensweise

Die genauen Ursachen, die zu einer Fettstoffwechselstörung führen, sind bisher nicht eindeutig geklärt. Als sicher gilt, dass bei primären Formen eine genetische Disposition besteht, die eine Erhöhung der Blutfettwerte mitbedingen kann. Bei sekundären Formen hingegen sind Vorerkrankungen der führende Grund, warum es zu einer Erhöhung der Blutfettwerte kommt.

Weder eine genetische Prädisposition noch eine Vorerkrankung sind aber allein verantwortlich für die Entstehung einer Fettstoffwechselstörung. Vielmehr müssen weitere Einflussfaktoren hinzukommen, die das Risiko für die Krankheitsentstehung erhöhen.

Dazu zählen im Einzelnen:

  • Ernährung: Die Ernährung ist ein zentraler Aspekt der Krankheitsgenese von Fettstoffwechselstörungen. Besonders gesättigte Fettsäuren, die sich vor allem in tierischen Fetten verbergen, können zu einem direkten Anstieg von Cholesterin führen. Ungesättigte Fettsäuren hingegen wirken sich positiv auf die Cholesterinwerte aus, indem sie zu einer Reduktion von LDL führen. Auch der übermäßige Konsum von Kaffee kann schlecht für den Cholesterinspiegel sein, da durch das darin enthaltene Koffein eine Art Stressreaktion im Körper hervorgerufen wird, die die körpereigene Produktion von Cholesterin als Energielieferant für die Muskulatur ankurbelt.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Betätigung wirkt sich dagegen in zweierlei Hinsicht positiv auf die Blutfettwerte aus. Einerseits führt Sport zu einer Reduktion überflüssiger Triglyceride; andererseits kommt es zu einem Anstieg an HDL-Cholesterin, das für den Abtransport von Cholesterin aus dem Blut verantwortlich ist.
  • Geschlecht: Bei den Blutfettwerten macht sich der Geschlechterunterschied deutlich bemerkbar. Bei Männern steigen die Cholesterinwerte mit zunehmenden Alter stärker an als bei Frauen. Gleichzeitig haben sie einen geringeren Anteil an HDL-Cholesterin im Blut. Zudem schützt das weibliche Östrogen vor den Wechseljahren die Gefäße vor Verkalkungen.
  • Alter: Auch das Alter spielt bei der Entstehung von Fettstoffwechselstörungen eine große Rolle. Im frühen Erwachsenenalter kommt es oftmals zu einem deutlichen Anstieg von LDL-Cholesterin, im Anschluss dann mit den Jahren zu immer weiteren Werterhöhungen.

Mehr dazu finden Sie hier:
Ursachen von Fettstoffwechselstörungen

Symptome

Fettstoffwechselstörungen sind besonders tückisch, da sie lange Zeit ohne Symptome verlaufen. Oftmals werden Veränderungen der Blutfette durch eine Routinekontrolle oder als Nebenbefund entdeckt. Erst spät kommt es zu Folgeerkrankungen, die mit Symptomen einhergehen.

Zu den Folgen einer Fettstoffwechselstörung gehören:

  • Leberverfettung, die ggf. zu rechtsseitigen Oberbauchschmerzen führt
  • wiederholte Entzündungen der Bauchspeicheldrüse
  • knotenförmige Fetteinlagerungen unter der Haut von Händen und Handgelenken sowie an den Sehen der Fußknochen, am Gesäß oder den Augenlidern
  • gräulich-gelber Trübungsring der Hornhaut
  • Fetteinlagerungen an Blutgefäßen des Augenhintergrundes, die zu einer Einschränkung der Sehleistung führen können
  • Kribbeln und Taubheitsgefühl in Füßen und Händen
  • Schmerzen in den Beinen bereits nach kürzeren Gehstrecken

Im Rahmen des Check-Ups wird aus diesem Grund ab dem 35. Lebensjahr von den gesetzlichen Krankenkassen eine Überprüfung der Blutfette durch den Hausarzt empfohlen.

Diagnose

Um eine Fettstoffwechselstörung zu diagnostizieren, wird Ihr behandelnder Arzt zunächst ein ausführliches Gespräch (Anamnese) mit Ihnen führen, um herauszufinden, ob es innerhalb Ihrer Familie bereits vorbekannte Fettstoffwechselstörungen gibt. Des Weiteren wird er Ihnen Blut abnehmen und es auf bestimmte Parameter untersuchen.

Blutentnahme: bitte nüchtern!

Um eine genaue Aussage über Ihre Ausgangsblutfettwerte zu erhalten, sollte die erste Blutentnahme nüchtern bzw. 12 Stunden nach der letzten Mahlzeit erfolgen. Im Abstand von 14 Tagen bis 6 Wochen können Blutentnahmen dann wiederholt werden, sollte noch keine medikamentöse Therapie eingeleitet worden sein.

Bei deutlich erhöhten Triglyceridwerten sollte zusätzlich mindestens eine Woche kein Alkohol konsumiert und nach dieser Karenzzeit eine weitere Blutentnahme erfolgen, da zu viel Alkohol zu einer vorrübergehend starken Erhöhung der Triglyceridkonzentration führen kann.

Normwerte

Als "normal" gelten die Ergebnisse Ihrer Blutuntersuchung dann, wenn folgende Werte eingehalten werden:

  • Gesamtcholesterin < 200 mg/dl (5,16 mmol/l)
  • LDL-Cholesterin < 150 mg/dl (1,7 mmol/l)
  • HDL-Cholesterin > 40 mg/dl (1,03 mmol/l)
  • Triglyceride < 150 mg/dl (1,7 mmol/l)

Die Angabe für Triglyceride ist nur dann von Gültigkeit, wenn keine positive Familienanamnese für eine koronare Herzkrankheit besteht. Das bedeutet, dass kein Verwandter ersten Grades an einer KHK erkrankt sein darf. Ist die Familienanamnese positiv, wird in der Regel zusätzlich das Lipoprotein(a) bestimmt. Ist auch dieses erhöht, wird nach individueller Abwägung schon bei niedrigeren Triglyceridkonzentrationen mit einer Therapie begonnen.

Hypercholesterinämie

Die Hypercholesterinämie ist gekennzeichnet durch eine Erhöhung der Gesamt-Cholesterinkonzentration bei gleichzeitiger Erhöhung des LDL-Cholesterins. Die Diagnose der Hypercholesterinämie wird nicht nur anhand der Erhöhung einzelner Werte gestellt, sondern berücksichtigt auch das Vorliegen weiterer Risikofaktoren für die Entstehung einer Arteriosklerose.

Das sind u.a.:

  • Diabetes mellitus
  • arterielle Hypertonie
  • Raucheranamnese
  • Geschlecht
  • Alter
  • Adipositas

Folglich kann die Diagnose der Hypercholesterinämie gestellt werden, wenn:

  • ein Risikofaktor für Arteriosklerose sowie eine Erhöhung des Gesamtcholesterin auf 200-300 mg/dl (5,16-7,74 mmol/l) bei gleichzeitiger Erhöhung des LDL-Cholesterin-Anteils auf > 160 mg/dl (4,13 mmol/l) vorliegen.
  • zwei oder mehr Risikofaktoren bestehen, das Gesamtcholesterin bei 200-300 mg/dl (5,16-7,74 mmol/l) und der Anteil an LDL-Cholesterin auf > 130 mg/dl (3,35 mmol/l) erhöht ist.
  • eine koronare Herzkrankheit oder ein Diabetes mellitus bei gleichzeitiger Erhöhung des Gesamtcholesterin auf > 200 mg/dl (5,16 mmol/l) und des LDL-Cholesterin-Anteils auf > 100 mg/dl (2,58 mmol/l) bestehen.

Per Definition liegen die Blutwerte für Triglyceride bei einer Hypercholesterinämie immer unter einem Wert von 150 mg/dl (1,7 mmol/l).

Hypertriglyceridämie

Im Rahmen der Hypertriglyceridämie kommt es in der Regel zu einer Erhöhung der Triglyceridkonzentration auf Werte zwischen 150 und 500 mg/dl (1,7-5,65 mmol/l) und einer erniedrigten Konzentration an HDL-Cholesterin, wobei diese nicht obligat ist. Anders als bei den Hypercholesterinämien stellt eine isolierte Hypertriglyceridämie kein erhöhtes Arterioskleroserisiko dar, wenn keine anderen Risikofaktoren für eine Gefäßverkalkung vorliegen.

In seltenen Fällen kann die Hypertriglyceridämie jedoch zu Triglyceridwerten von >1000 mg/dl (> 11,29 mmol/l) führen, was im weitesten Sinne zu einer Eindickung des Blutes führt und Störungen der Mirkozirkulation zur Folge haben kann. Diese wiederum kann schwere Folgeerkrankungen wie beispielsweise Schlaganfälle, Herzinfarkte oder eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse nach sich ziehen.

Gemischte Hyperlipidämien

Gemischte Hyperlipidämien sind gekennzeichnet durch eine gleichzeitige Erhöhung von LDL-Cholesterin- und Triglyceridkonzentrationen im Blut. Per Definition besteht zusätzlich eine positive Familienanamnese für eine koronare Herzerkrankung (KHK), was bedeutet, dass mindestens ein Verwandter ersten Grades an einer KHK erkrankt sein muss.

Weitere Untersuchungen

Im Hinblick auf Begleit- oder Folgeerkrankungen können im Rahmen der Diagnosestellung weitere Untersuchungen von Bedeutung sein, um das Herz-Kreislauf-Risiko besser abschätzen zu können.

Hierzu zählen im Einzelnen:

  • einmalige oder Langzeit-Blutdruckmessung
  • Ableitung eines EKGs
  • Messung des Blutzuckers
  • Erheben von Größe und Gewicht zur Errechnung des Body-Mass-Index (BMI)

Lesen Sie hier mehr zum Thema:
Wichtige Fragen zu Diagnostik und Untersuchungen

Behandlung

Folgeschäden vermeiden

Die Therapie der Fettstoffwechselstörungen ist sehr heterogen. Neben der Art der Fettstoffwechselstörung sind auch die Höhe der Blutfettwerte sowie Vorerkrankungen, die zu einem erhöhten Arterioskleroserisiko führen, entscheidend für den Behandlungspfad. Ziel jeder blutfettsenkenden Therapie ist jedoch die Risikoreduktion für Folgeerkrankungen.

Behandlung je nach Risiko

Vielfach wird vor Behandlungsbeginn ein sogenanntes Globalrisiko ermittelt, anhand dessen ein Zielwert für LDL-Cholesterin festgesetzt werden kann. Zur Ermittlung des Globalrisikos werden unter anderem folgende Parameter erfasst und nach einem Risikoscore ausgewertet:

  • Alter
  • Geschlecht
  • Familienanamnese
  • Gesamtcholesterin im Blut
  • LDL-Cholesterin im Blut
  • HDL-Cholesterin im Blut
  • Diabetes mellitus
  • Raucherstatus

Da die Fettstoffwechselstörung als besonders gefährlich eingeschätzt wird, wenn weitere Faktoren vorliegen, die das Risiko für eine Arteriosklerose erhöhen, gehört zur Behandlung der Fettstoffwechselstörungen auch eine umfassende Beratung zu anderen Erkrankungen und Risiken, die sich auf das Gefäßsystem auswirken.

1. Therapieziele

Je nach dem, unter welcher Form der Fettstoffwechselstörung Sie leiden und wie hoch die Blutfettwerte im einzelnen sind, gibt es unterschiedliche Zielwerte der einzelnen Lipoproteine:

HypercholesterinämieHypertriglyceridämiegemischte Hyperlipidämien
  • < 2 Risikofaktoren: LDL-Zielwert < 160 mg/dl (< 4,14 mmol/l)
  • ≥ 2 Risikofaktoren: LDL-Zielwert < 130 mg/dl (< 3,35 mmol/l)
  • Vorhandensein einer Gefäßerkrankung wie bspw. eines Herzinfarkts oder Diabetes mellitus: LDL-Zielwert < 100 mg/dl (< 2,58 mmol/l)
  • Triglycerid-Zielwert < 150 mg/dl (< 1,7 mmol/l)
  • < 2 Risikofaktoren: LDL-Zielwert < 160 mg/dl (< 4,14 mmol/l); Triglycerid-Zielwert < 150 mg/dl (< 1,70 mmol/l)
  • ≥ 2 Risikofaktoren: LDL-Zielwert < 130 mg/dl (< 3,35 mmol/l); Triglycerid-Zielwert < 150 mg/dl (< 1,70 mmol/l)
  • Vorhandensein einer Gefäßerkrankung wie bspw. eines Herzinfarkts oder Diabetes mellitus: LDL-Zielwert < 100 mg/dl (< 2,58 mmol/l); Triglycerid-Zielwert < 150 mg/dl (< 1,70 mmol/l)
  • nach einem Herzinfarkt und bei einer Gefäßerkrankung wie bspw. einem Herzinfarkts oder Diabetes mellitus: LDL-Zielwert < 70 mg/dl (< 1,80 mmol/l); Triglycerid-Zielwert < 150 mg/dl (< 1,70 mmol/l)

 

Unabhängig von der Fettstoffwechselstörung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologe allen Menschen, die unter einer KHK leiden, folgende Zielwerte der Blutfette:

  • LDL-Cholesterin < 100 mg/dl
  • HDL-Cholesterin > 40 mg/dl
  • Triglyceride < 200 mg/dl

Auswahl an Therapieoptionen

Die therapeutischen Optionen zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen sind sehr vielfältig. Allgemein konnte gezeigt werden, dass eine Absenkung des LDL-Cholesterins günstige Auswirkungen auf das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und insbesondere der KHK hat.

Zur Senkung der Blutfette kommen dabei unterschiedliche Maßnahmen in Frage. Neben nicht-medikamentösen Behandlungsstrategien gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Medikamente, die bei Fettstoffwechselstörungen Einsatz finden.

2. Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Nicht-medikamentöse Behandlungsstrategien bzw. die konsequente Umstellung des Lebensstils stehen am Anfang jeder Therapie. Der Erfolg von Ernährungsumstellung, Bewegung und Stressreduktion ist sehr unterschiedlich. Er hängt nicht nur davon ab, wie konsequent Sie es schaffen, Ihr Leben zu verändern, sondern auch von der Art der Fettstoffwechselstörung.

a) Ernährung

Bei der Hypercholesterinämie werden vor allem folgende Maßnahmen empfohlen:

  • eine Beschränkung der Kalorienzufuhr auf ca. 2000-2500 pro Tag
  • eine Reduktion der Aufnahme von Nahrungsfetten
  • der Ersatz von gesättigten Fettsäuren durch ungesättigte
  • die Reduktion der Cholesterinzufuhr auf ca. 300 mg pro Tag
  • balaststoffreiche Kost anstelle von schnell resorbierbaren Zuckern

Bei der Hypertriglyceridämie stehen diese Behandlungsstrategien im Vordergrund:

  • konsequente Restriktion des Alkoholkonsums
  • balaststoffreiche Kost anstelle von schnell resorbierbaren Zuckern

Langsam, aber stetig

Die Umstellung der Ernährung ist nicht mit einer strikten Diät gleichzusetzen. Sie ist vielmehr der Ersatz von ungünstigen Nahrungsmitteln durch günstige, was langfristig zu einer Senkung des Gesamtcholesterins um 20-60 mg/dl führen kann.

Im einzelnen bedeutet dies, dass eine individuelle Gesamtzahl an Kalorien von 2000-2500 kcal pro Tag nicht überschritten werden sollte. Der Anteil an Fetten sollte sich auf nicht mehr als 30% der zugeführten Nahrung belaufen, während Eiweiße einen Anteil von 15-20% und Kohlenhydrate etwa 50-55% der täglichen Nahrungszufuhr ausmachen sollten. Bei 2000 zugeführten kcal am Tag entspräche dies etwa 280 g Kohlenhydraten, 75 g Eiweißen und 70 g Fetten.

Fett ist nicht gleich Fett

Doch sind nicht alle Fette gleich. Gesättigte Fettsäuren, die sich vor allem in tierischen Fetten wie Fleisch, Butter, Ei oder Schmalz befinden, lassen den LDL-Spiegel ansteigen. Dagegen vermögen es einfach ungesättigte Fettsäuren wie Raps- oder Olivenöl ebenso wie mehrfach ungesättigte Fettsäuren (enthalten beispielsweise in Distel-, Sonnenblumen-, Mais-, Soja-, Leinöl oder weißem Fisch), den LDL-Spiegel zu senken, während der HDL-Spiegel unbeeinflusst bleibt oder gar ansteigt.

Am wenigsten gesund sind die sogenannten Transfettsäuren, die beim Erhitzen ungesättigter Fettsäuren entstehen, also beispielsweise beim Frittieren von Pommes oder bei der Herstellung von Chips und Fertigpizzen. Transfette führen nicht nur zu einer Erhöhung des LDL-Cholesterinanteils, sondern auch zu einer Absenkung des HDL, was sie in gewissem Sinne doppelt ungesund macht.

Die Frage nach den Eiern

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Ernährungsumstellung darauf abzielen sollte, weniger Fleisch und Wurst, Butter, Eier und frittierte Lebensmittel wie Chips und Co. zu essen, während der Anteil an Seefisch, Gemüse und Obst, Pflanzenöl und gedünsteten Lebensmitteln erhöht werden sollte.

Eier stehen immer wieder im Fokus der Diskussion bei Fettstoffwechselerkrankungen. Wer gesund ist und sich gesund ernährt, braucht sich auch um ein tägliches Frühstücksei keine Gedanken zu machen. Besteht jedoch bereits eine Erhöhung der Blutfette, sollten maximal zwei Eier in der Woche verzehrt werden.

Grundpfeiler der Ernährung: Kohlenhydrate

Kohlenhydrate sollten einen Gesamtanteil von etwa 55% der täglichen Kalorienanzahl ausmachen. Besonders ballaststoffreiche Kohlenhydrate wirken sich dabei positiv auf die Blutfettwerte aus, da sie die Darmtätigkeit anregen, die Verdauungszeit verkürzen und so zu einer geringeren Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm beitragen. Weiterhin hemmen sie über verschiedene Mechanismen die Herstellung von Cholesterin sowie die Wiederaufnahme von Gallensäuren aus dem Darm, was insgesamt zu einer Regulation der Blutfettwerte führt.

Besonders reich an Ballaststoffen sind folgende Kohlenhydratträger:

  • Vollkornnudeln
  • Vollkornreis
  • Linsen
  • Erbsen
  • Weizenvollkorn- und Roggenvollkornbrot

Helle Nudeln und Reis, aber auch Weißbrot sind hingegen weitaus ballaststoffärmer, da sich Ballaststoffe in der Schale des Korns befinden und beim Herstellungsprozess heller Lebensmittel verlorengehen.

Hier finden Sie weitere wichtige Informationen dazu:
Fragen rund um die Ernährung

b) Bewegung und Stressbewältigung

Regelmäßige körperliche Betätigung wirkt sich auf zweierlei Weise günstig auf die Blutfettwerte aus. Zum einen wird der Anteil an Triglyceriden im Blut gesenkt, und zum anderen kommt es zu einer Erhöhung des HDL-Cholesterins.

Doch auch Folgeerkrankungen einer Fettstoffwechselstörung kann durch Sport vorgebeugt werden. So trägt der erhöhte Energieverbrauch beim Sport zu einer Gewichtsabnahme sowie zu einer Reduktion von Stress und Anspannungszuständen, aber auch zu einer gesünderen Lebensweise bei, was langfristig positive Effekte auf den Gefäßstatus hat und beispielsweise Herzinfarkten oder Schlaganfällen vorbeugen kann.

Körperliche Aktivität sollte zur Regulierung der Blutfettwerte mindestens drei- bis viermal in der Woche für 30 Minuten betrieben werden. Am besten geeignet sind dabei Ausdauersportarten wie Nordic Walking, Joggen, Schwimmen oder Radfahren.

3. Medikamente

Die medikamentöse Therapie von Fettstoffwechselstörungen wird in der Regel erst dann begonnen, wenn eine Änderung des Lebensstils über drei bis sechs Monate keine Verbesserung der Blutfettwerte erzielen konnte.

Besonders Augenmerk wird dabei auf die Parameter Gesamt- und LDL-Cholesterin sowie HDL-Cholesterin und Triglyceride gelegt, wobei unterschiedliche Behandlungsgrundsätze verfolgt werden. Denn je nach dem, welche Form der Fettstoffwechselstörung besteht und welche Begleiterkrankungen vorliegen, wird zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit einer Behandlung begonnen und mit verschiedenen Medikamenten therapiert.

a) Hypercholesterinämien

Die Behandlung einer Hypercholesterinämie erfolgt abhängig von begleitenden Erkrankungen mit Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System. So wird eine Hypercholesterinämie in folgenden Fällen diagnostiziert und behandelt:

  • wenn ein Risikofaktor für Arteriosklerose sowie eine Erhöhung des Gesamtcholesterin auf 200-300 mg/dl (5,16-7,74 mmol/l) bei gleichzeitiger Erhöhung des LDL-Cholesterin-Anteils auf > 160mg/dl (< 4,13 mmol/l) vorliegen.
  • wenn zwei oder mehr Risikofaktoren bestehen, das Gesamtcholesterin bei 200-300 mg/dl (5,16-7,74 mmol/l) und der Anteil an LDL-Cholesterin auf > 130mg/dl (> 3,35 mmol/l) erhöht ist.
  • bei Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit oder eines Diabetes mellitus und gleichzeitiger Erhöhung des Gesamtcholesterin auf > 200 mg/dl (> 5,16 mmol/l) und des LDL-Cholesterin-Anteils auf > 100mg/dl (> 2,58 mmol/l).

An erster Stelle stehen Statine

Mittel der ersten Wahl zur Behandlung einer Hypercholesterinämie sind die Statine. Statine sind derzeit die Medikamente, die den LDL-Spiegel am wirksamsten abzusenken vermögen.

Bei einer Standartdosis kommt es in der Regel zu einer Senkung des LDL-Cholesterinanteils um bis zu 35-50%, während eine weitere Dosissteigerung der Statine bis auf die doppelte Standarddosis eine Wirkungssteigerung um lediglich 6% erreichen kann, wobei Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Muskel- und Gliederschmerzen sowie ein Anstieg der Leberwerte häufiger auftreten.

Zu den am häufigsten verabreichten Statinen im Rahmen einer Hypercholesterinämie zählen:

  • Atorvastatin (Sortis®, Atoris®)
  • Simvastatin (Zocor®)
  • Fluvastation (Cranoc®, Lescol®, Locol®)
  • Pravastatin (Mevalotin, Pravagamma®, Pravalip®, Pravasin protect®)
  • Rosuvastatin (Crestor®)

Wenn Statine allein nicht ausreichen

Können die festgesetzten Therapieziele durch eine Monotherapie mit Statinen innerhalb von 6 bis 12 Monaten nach Therapiebeginn nicht erreicht werden, bietet sich eine Kombination aus Statinen und einem Medikament aus einer anderen Substanzgruppe an. Diese können, bei einer kombinierten Gabe mit Statinen, eine weitere Absenkung des LDL-Cholesterinanteils um 20-30% erreichen.

Zu den einzelnen Medikamentenklassen zählen:

  • Fibrate: Fibrate wie Benzafibrat (Benzafibratum®) und Fenofibrat (Fenoglide®, Lipofen®, Procetofen®) haben in Kombination mit Statinen gleich mehrere Auswirkungen auf die Blutfettwerte. Sie führen neben einer weiteren Absenkung des LDL-Cholesterins um 20% zusätzlich zu einer HDL-Erhöhung um bis zu 30% sowie zu einer Absenkung der Triglyceride um etwa die Hälfte. Fibrate bieten sich aus diesem Grund besonders zur Behandlung gemischter Hyperlipidämien an. Ein entscheidender Nachteil von Fibraten ist jedoch, dass sie nicht eingenommen werden dürfen, sobald Erkrankungen von Niere und Leber oder eine Schwangerschaft bestehen. Weiterhin verstärken sie die Wirkung einiger Blutverdünner sowie oraler Antidiabetika.
  • Nikotinsäure: Die heute eher seltener eingesetzte Nikotinsäuren (Niacin®) führt unter den Medikamenten zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen zu der stärksten Anhebung von HDL-Cholesterin bei gleichzeitiger Absenkung von Triglyceriden. Nikotinsäuren werden daher beinahe ausschließlich zur Behandlung gemischter Hyperlipidämien eingesetzt. Allerdings sind Nikotinsäuren in der EU seit 2013 nicht mehr im Handel, da es unter der Therapie gehäuft zu Nebenwirkungen wie Hautjucken, Brennen, Durchfall, Übelkeit, Muskelschmerzen sowie einer verstärkten Glukosetoleranz gekommen ist, während ein Nutzen auf das Herz-Kreislauf-System nicht sicher nachgewiesen werden konnte.
  • Austauscherharze: Austauscherharze wie Cholestyramin (Lipocol®, Quantalan®, Vasosan®) und Colesevelam (Cholestagel®) binden Gallensäuren im Darm und führen zu deren Ausscheidung. Da in Folge weniger Gallensäuren aus dem Darm rückresorbiert und wiederverwertet werden können, müssen neue Gallensäuren aus Cholesterin gebildet werden. Folglich sinkt das LDL-Cholesterin um 20-25% im Blut ab bei gleichzeitiger Erhöhung des HDL-Cholesterins. Der Nachteil an Austauscherharzen ist, dass auch bestimmte Medikamente schlechter aus dem Darm aufgenommen werden und folglich nur in einem zeitlichen Abstand von vier Stunden zu Austauscherharzen eingenommen werden sollten. Dazu zählen unter anderem Aspirin, Digitalispräparate, Cumarine, Thyroxin und bestimmte Statine.
  • Cholesterinsäureresorptionshemmer: Cholesterinaufnahmehemmer wie Ezetimib (Ezeterol®) hemmen die direkte Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm. Sie sind besonders in Kombination mit Statinen gut wirksam und verträglich und daher die am häufigsten eingesetzte Ergänzung aus Fettsenkern bei Hypercholesterinämien.

b) Hypertriglyceridämien

Da sich primäre Hypertriglyceridämien durch Alkoholkonsum deutlich verschlimmern können, steht die absolute Alkohlkarenz im Vordergrund jeder Behandlung mit dem Ziel, den Triglyceridwert auf Werte < 150 mg/dl (< 1,7 mmol/l) abzusenken.

Daneben gibt es immer wieder Therapieversuche mit Fibraten, Nikotinsäure und Fischölpräparaten, zu denen es jedoch keine überzeugenden Studiendaten gibt. Besteht eine Hypertriglycerdiämie, sollte aus diesem Grund eine strikte Änderung des Lebensstils erfolgen, angeführt von dem absoluten Verzicht auf Alkohol und einer Ernährungsumstellung auf mediterrane Kost.

c) Gemischte Hyperlipidämien

Gemischte Hyperlipidämien werden ebenso wie Hypercholesterinämien abhängig vom Gesamtrisiko behandelt.

So besteht in folgenden Fällen eine direkte Behandlungsindikation:

  • < 2 Risikofaktoren: LDL-Cholesterin < 160 mg/dl (< 4,14 mmol/l); Triglyceridwerte < 150 mg/dl (< 1,70 mmol/l)
  • ≥ 2 Risikofaktoren: LDL-Cholesterin < 130 mg/dl (< 3,35 mmol/l); Triglyceridwerte < 150 mg/dl (< 1,70 mmol/l)
  • Vorhandensein einer Gefäßerkrankung wie bspw. eines Herzinfarkts oder Diabetes mellitus: LDL-Cholesterin < 100 mg/dl (< 2,58 mmol/l); Triglyceridwerte < 150 mg/dl (< 1,70 mmol/l)
  • nach einem Herzinfarkt und bei einer Gefäßerkrankung wie bspw. einem Herzinfarkts oder Diabetes mellitus: LDL-Cholesterin < 70 mg/dl (< 1,80 mmol/l); Triglyceridwerte < 150 mg/dl (< 1,70 mmol/l)

Im Vordergrund der Therapie von gemischten Hyperlipidämien steht die Absenkung des LDL-Cholesterins auf den gewünschten Zielwert. Dazu werden vornehmlich Statine eingesetzt, die bei stark erhöhten bzw. nicht kontrollierbaren Triglyceriden auch mit Fibraten wie Fenofibrat und Benzafibrat oder aber mit Nikotinsäure kombiniert werden können.

Individuelle Behandlung

Die Therapie von Fettstoffwechselstörungen ist sehr komplex und in vielen Fällen eine Einzelfallentscheidung, da nicht jeder in gleichem Maße auf die Medikamente anspricht und diese auch nicht gleich gut verträgt.

Für jeden Behandlungspfad gilt jedoch: Eine medikamentöse Therapie bedeutet nicht, dass Sie auf eine Umstellung von Ernährung und körperliche Bewegung verzichten können. Im Gegenteil, der Erfolg einer medikamentöse Behandlung ist stark abhängig von einer konsequenten Umstellung des Lebensstils.

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Komplikationen

Zu viel Fett schadet den Gefäßen

Die Fettstoffwechselstörung ist vor allem deshalb so gefährlich, da sie lange Zeit keine Symptome verursacht, jedoch zu erheblichen Gefäßschäden führen und das Herz-Kreislauf-System hierdurch enorm beeinträchtigen kann. Besonders wenn zusätzlich zu der Fettstoffwechselstörung weitere Faktoren bestehen, die einen schädlichen Einfluss auf das Gefäßsystem haben, kann es bereits frühzeitig zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen kommen.

Dabei steigt mit jedem der folgenden Einflussfaktoren die Gefahr für eine Folgeerkrankung:

  • Rauchen
  • unzureichende Bewegung
  • falsche Ernährung
  • Übergewicht
  • Stress
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus

Herzinfarkt, Schlaganfall & Co.

Folgeerkrankungen, die sich auf Basis einer längerfristig bestehenden Fettstoffwechselstörung entwickeln können, sind dabei vor allem:

  • koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Brustenge (Angina Pectoris) & Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
  • Fettleber
  • Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Besonders häufig unter den Folgen erhöhter Blutfette sind Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Grob gesprochen führt jede Erhöhung der LDL-Konzentration im Blutplasma zu einer Steigerung des Risikos für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung um ca. 10%. Allein diese Faustregel macht deutlich, wie wichtig eine regelmäßige Kontrolle und Therapie erhöhter Blutfettwerte ist.

Und noch ein paar Tipps zum Abschluss:
Selbsthilfe bei Fettstoffwechselstörungen

Autorin: Lisa Wunsch

Quellen

G. Herold: Innere Medizin, Eigenverlag, 2012.

M. Freissmuth, S. Böhm: Pharmakologie und Toxikologie, Springer Medizin Verlag, 2012.

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie: ECS/EAS Pocket Guidelines, Diagnostik und Therapie der Dylipidämien, http://leitlinien.dgk.org/files/Dyslip_Netzseite_DGK_neu.pdf, zuletzt aufgerufen am 15.05.2018.

Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Artneimittelverordnung in der Praxis, https://www.akdae.de/Arzneimitteltherapie/TE/A-Z/PDF/Fettstoffwechselstoerungen.pdf, zuletzt aufgerufen am 15.05.2018.

hivandmore.de: Leitlinien Diagnostik und Therapie der Fettstoffwechselstörungen, https://www.hivandmore.de/archiv/2010-2/HIV2_10_FoBiPauliFSWSt.pdf, zuletzt aufgerufen am 15.05.2018.

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