Herzschwäche: COPD-Diagnose häufig falsch

Bei Menschen mit Herzschwäche wird oft eine sogenannte COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) diagnostiziert, obwohl überhaupt keine vorliegt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Würzburg. Das Problem daran: Herzschwäche und COPD erfordern entgegengesetzte Behandlungen.

Zum Hintergrund: Bei einer Herzschwäche kommt es oft zu einer begleitenden Atemnot. Die entsteht, weil das Herz nicht mehr ausreichend stark pumpt und sich Blut in die Lunge rückstaut. Eine Behandlungsstrategie besteht in der Einnahme von Entwässerungstabletten (Diuretika).

Die COPD wiederum ist eine chronische Lungenerkrankung, bei der die Atemwege stark verengt sind. Meist ist die Erkrankung Folge jahrzehntelangen Rauchens und entwickelt sich aus einer chronischen Bronchitis heraus. Eine Entwässerungstherapie ist hier potentiell eher kontraproduktiv.

In der Untersuchung waren die Daten von 630 Patienten mit chronischer Herzschwäche analysiert worden. Nicht wenige von ihnen hatten die Zusatzdiagnose COPD in der Krankenakte stehen. Die Würzburger Wissenschaftler überprüften das mit Lungenfunktionstests und kamen zu einer beängstigenden Fehldiagnose-Rate: Bei 70% der veremeintlichen COPD-Patienten lag keine COPD vor. Die Atemprobleme waren stattdessen direkte Folge der Herzschwäche, waren aber wegen der Fehleinschätzung nicht mit Diuretika behandelt worden.

WANC 28.07.2011
Quelle: Medizinische Klinik I, Abteilung Kardiologie, Universität Würzburg

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