Herzinfarkt: Katheter-Behandlung zu selten eingesetzt

Bei einem Herzinfarkt kann eine Katheter-Behandlung Leben retten. Doch leider wird diese Behandlungsmethode viel zu selten angewandt, wie jetzt Experten in einem Fachartikel monieren.

Bei der Katheter-Behandlung, im Ärztejargon "perkutane koronare Intervention" oder PCI genannt, wird ein dünner Katheter über ein Blutgefäß in der Leiste eingeführt und dann bis zum Herzen vorgeschoben. Alle weiteren Aktionen werden durch den Katheter mit Unterstützung röntgenologischer Bilder vorgenommen.

An der Stelle, an der sich das Herzgefäß verschlossen hat, wo also der Herzinfarkt seinen Ausgang nahm, wird ein Ballon aufgeblasen, der das Herzgefäß wieder öffnet. Daraufhin wir dann in der Regel noch ein sogenannter Stent eingesetzt, das ist ein kleines Gerüst, das die Herzarterie auf Dauer offen halten soll.

Effektiv, aber im Notfall zu selten verfügbar

Dass die Behandlung effektiv ist, zeigen die Zahlen. In Kliniken, die in der Notfallversorgung ein Katheterlabor zur Verfügung haben, stirbt von 20 Herzinfarkt-Patienten, soweit sie lebend die Klinik erreichen, nur einer. In Krankenhäusern ohne diese Möglichkeit sind es doppelt so viele, wie Prof. Christian Hamm aus Bad Nauheim berichtet.

Doch obwohl Deutschland eine sehr hohe Dichte an Herzkatheter-Labors zur Verfügung hat, kommt die Methode vergleichsweise zu selten zum Einsatz. Die Autoren führen das vor allem auf organisatorische Mängel zurück. So würden viele Herzkatheter-Plätze hierzulande überwiegend für Routine-Eingriffe genutzt werden, nicht aber für die Notfallbehandlung. Zudem würden viele Betroffene gar nicht erst in einem Krankenhaus mit diesen Möglichkeiten landen. Ein Flug mit dem Rettungshubschrauber zur nächsten Herzkatheter-Klinik sei bei akutem Herzinfarkt aber durchaus gerechtfertigt.

Autoren: WANC/, 11.04.08
Quellen: DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (12): S. 584; 2008; 133(12): S. 585

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