Tickende Zeitbomben im Gehirn

Eine neue Behandlungsmethode von sogenannten Aneurysmen im Gehirn hat in einer Studie so gut abgeschnitten, dass die Studie abgebrochen wurde. Das heißt, auch die Kontrollgruppe, die zu Vergleichszwecken noch nach herkömmlicher Methode behandelt worden war, wurde auf das neue Verfahren umgestellt.

Als Aneurysmen bezeichnen Mediziner Aussackungen der Gefäßwand. Wenn diese Aussackungen über längere Zeit bestehen und größer werden, lauert die Gefahr vor allem darin, dass sie platzen. Wenn das in einem Hirngefäß passiert, besteht akute Lebensgefahr. Ein Drittel der Betroffenen verstirbt daran, ein weiteres Drittel erleidet schwere Behinderungen.

Das Tückische daran: Oft bemerkt man gar nicht, dass man ein Aneurysma hat, weil sie meist lange Zeit symptomlos bleiben. Deshalb sprechen sich viele Experten für Routine-Untersuchungen bei Risikopersonen aus. Dies sind unter anderem Menschen mit sehr hohem Blutdruck, starke Raucher aber auch solche, bei denen schon in der Familie Aneurysmen aufgetreten sind.

Schonende Kathetermethode statt offene Gehirnoperation

Nun aber gibt es zumindest ein vielversprechendes neuartiges Behandlungsverfahren. Erprobt wurde es auch an der Erlanger Universitätsklinik. Bei dem sogenannten "Coiling" führen Neuroradiologen einen Mikrokatheter über die Leiste ein und schieben ihn über die Schlagader bis hoch in das betroffene Gehirngefäß. Der Katheter dient dabei als Röhre, durch die das eigentliche Behandlungsinstrument hochgeführt werden kann. Das sind kleine weiche Spiralen, die in das Aneurysma eingeschoben werden und sich dort so weit "aufdrehen", bis die Aussackung verschlossen ist. Zwei Stunden dauert dieser Eingriff.

Das Studienergebnis war beeindruckend: Das "Coiling" war im Vergleich mit der herkömmlichen offenen Gehirnoperation nicht nur schonender und risikoärmer, sondern auch effektiver.

WANC 30.09.05

Anzeigen