Herz, Kreislauf und Gefäße: die wichtigsten Fragen und Antworten

Herzerkrankungen

Wenn es um das Herz und den Kreislauf geht, sind die Zahlen gewaltig. Im Guten wie im Schlechten. Das gesunde Herz eines jeweils durchschnittlich großen und trainierten Erwachsenen pumpt jeden Tag etwa 7.000 Liter Blut durch den Körper.

Allein ein Fünftel davon ins Gehirn. Der Herzmuskel zieht sich dafür 60-90mal pro Minute zusammen und entspannt sich wieder, was wir als Herzschlag messen und als Puls fühlen können. Aufsummiert hat das Herz bei einem Achtzigjährigen folglich zwischen 2,5 und 3,8 Milliarden Pumpaktionen hinter sich.

Die meisten Menschen sterben an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems

Herz und Gefäße sind für unser Leben von zentraler Bedeutung. Und auch für das Sterben. Die meisten Menschen erliegen hierzulande dem Herztod. Dabei nimmt der gefürchtete akute Herzinfarkt nur Platz 2 ein, hinter dem längerwährenden Durchblutungsmangel des Herzmuskels (im Fachterminus: chronische ischämische Herzkrankheit).

Herz und Gefäße gehören zusammen, das gilt auch am Herzen selbst. Sind die Herzkranzgefäße (medizinlateinisch: Koronarien) verstopft, bricht die Sauerstoffversorgung in den von ihnen versorgten Herzmuskelbereichen zusammen und das Gewebe stirbt ab. Damit kommt dann irgendwann auch die Pumpleistung zum Erliegen und am Ende stirbt der gesamte Organismus.

Biologischer Bypass – ein Selbstheilungsmechanismus des Körpers

Allerdings sind die Selbstheilungskräfte des Herzens offenbar groß. Im zentralen Pumporgan finden sich, wie auch anderswo im Körper, sogenannte Kollateralgefäße, die für eine Überbrückung – einen natürlichen Bypass – sorgen und damit den Blutfluss aufrecht erhalten können, wenn eine bisher aktive Arterie verstopft ist. Das ist der Grund, weshalb etliche Herzinfarkte stumm ablaufen und von den Betroffenen gar nicht bemerkt werden. Häufig wird das Ereignis später vom Arzt beim Auswerten einer EKG-Untersuchung entdeckt. Das Potenzial der biologischen Selbstheilungsmechanismen wird zwar mittlerweile beforscht, scheint aber ansonsten eher zu den noch gut gehüteten (oder kaum bekannten) Gesundheitsgeheimnissen zu gehören.

Millionen von Arteriosklerose-Patienten

Herz-Kreislauf-Krankheiten führen jedenfalls die Todesursachenstatistik in den Industrienationen an. In Deutschland verursachen sie mehr als 40% aller Sterbefälle, wenngleich mit etwas fallender Tendenz.

Die mit Abstand häufigste Herz-Kreislauf-Erkrankung ist der Bluthochdruck (Hypertonie), heißt es. Etwa 20% aller erwachsenen Deutschen sollen davon betroffen sein, bei alten Menschen liegt die veranschlagte Quote noch deutlich höher.

An zweiter Stelle folgt die koronare Herzkrankheit (KHK), bei der die Herzkranzgefäße von einer Arteriosklerose bzw. Atherosklerose – im Volksmund „Arterienverkalkung“ genannt – in Mitleidenschaft gezogen und nicht mehr frei durchgängig sind. Geschätzte Patientenzahl in Deutschland: über 3 Millionen.

Etwa 2 Millionen leiden an chronischer Herzschwäche (Herzinsuffizienz), die durch eine stetig nachlassende Pumpleistung des ausgelaugten Herzens gekennzeichnet ist. Und bei immerhin 1 Million Menschen flimmern laut Statistik die Vorhöfe. Wenn das Herz nicht mehr richtig schlägt, handelt es sich um eine Rhythmusstörung. Die gibt es in verschiedenen Formen, am häufigsten ist das Vorhofflimmern.

Neben den Durchblutungsstörungen zählen Klappenfehler zu den häufigsten Herzkrankheiten, außerdem Entzündungen. Bei den Gefäßerkrankungen dominieren die arterielle Verschlusskrankheit (AVK), das nicht so gefährliche Krampfaderleiden (Varikose) sowie die potenziell sehr gefährliche Venenthrombose.

Bei Kindern und jungen Erwachsenen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen selten. Hier stehen die angeborenen Herzfehler im Vordergrund.

Echte und scheinbare Erfolge der Reparaturmedizin

Zweifellos kann die moderne Hochleistungsmedizin beachtliche Erfolge aufweisen. Die Zahl der Infarkttoten ist in Deutschland seit 1980 fast um die Hälfte gesunken und geht weiter zurück. Tausende Menschenleben werden jedes Jahr gerettet. Die Zahl der Herz- und Gefäßkranken – und auch der tödlichen Folgegeschehnisse – bleibt aber weiterhin hoch. Denn es handelt sich dabei um keinen Heil-, sondern um einen Reparaturbetrieb. Und das auf sehr hohem wissenschaftlichem, technologischem und kostenintensivem Niveau. Hier wird viel Geld verdient.

Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern bzw. Vorhofflattern zählen – abgesehen von Entbindungen und Alkoholproblemen – zu den häufigsten Behandlungsanlässen im Krankenhaus. Die Anzahl der herzchirurgischen Zentren hat sich hierzulande seit den 1990er Jahren fast verdoppelt, die der Katheterbehandlungen verzehnfacht. Mehr als 325.000 solcher Eingriffe werden mittlerweile jedes Jahr durchgeführt. Auf Kosten der Bypass-Operationen, die zum Leidwesen der Herzchirurgen etwas seltener vorgenommen werden. Aber immerhin auch noch über 50.000 Mal im Jahr.

Operationen und Medikamente nur teilweise sinnvoll

Für die Pharmaindustrie zählt der Herz-Kreislauf-Bereich zu den lukrativen Megamärkten. Diverse Blockbuster – millionenfach verschriebene und verkaufte Präparate – sorgen für prächtige Renditen. Ein riesiges Arsenal an Medikamenten kommt hier zum Einsatz: von den verschiedenartigen Blutdrucksenkern, alten und neuen Blutverdünnern über direkt am Herzen wirkende Mittel bis zu Fettstoffwechselregulatoren wie den viel diskutierten Statinen. Schätzungsweise vier Millionen Bundesbürger schlucken mittlerweile Pillen gegen erhöhte Cholesterin-Werte. Für Operationen wie für Medikamente gilt: Nur bei einem Teil davon ist der Einsatz unzweifelhaft sinnvoll.

Denn wer glaubt, Herz- und Gefäßkrankheiten wären grundsätzlich ein technisch lösbares Problem, das die Medizin dauerhaft beheben kann, liegt falsch. Viele der Behandelten überleben zwar, werden in ihrem Leben aber nicht mehr wirklich gesund. Grund ist häufig der ungesunde Lebensstil, den sie statt Herz und Gefäßen pflegen.

Ausgangspunkt der meisten Kreislauferkrankungen: die Atherosklerose

Ein Großteil der vielfältigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelt sich auf der Grundlage einer Atherosklerose. Dabei kommt es durch die Ablagerung von Fett, Thromben, Bindegewebe und Kalk in den Blutgefäßwänden zu einer Verhärtung der Schlagadern. Es bilden sich atheromatöse Plaques, die einreißen und zu Gefäßverstopfungen führen können. Mit möglichen dramatischen Folgen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Gefäßverschluss in den Gliedmaßen (pAVK).

Hauptrisikofaktor: ungesunde Haltung

Risikofaktor Nummer eins für Herz-Kreislauf-Krankheiten ist ein erhöhter Blutdruck. Risikofaktor Nummer zwei ist das Rauchen. Auch die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Fettstoffwechselstörungen begünstigen das kardiovaskuläre Risiko. Bei diesen Volks- oder Zivilisationskrankheiten spielen neben genetischen Veranlagungen, Alter und Geschlecht die inneren Einstellungen, die äußeren Lebensumstände und der individuelle Lebensstil die Hauptrolle.

Sie ahnen es, um welche ungesunden Schlüsselfaktoren es geht: um falsche Ernährungsgewohnheiten, Übergewicht, Bewegungsmangel, Dauerstress, seelische Konflikte, Unausgeglichenheiten im körperlich-geistig-seelisch-sozialen Beziehungsgefüge und eine reduzierte Widerstandskraft (Resilienz). Es sind immer die gleichen Übel bzw. Schwachstellen, die einem gesunden Zustand abträglich sind. Bei einem so zentralen Organsystem wie dem Kreislauf wirken sie sich – meist nach langer Latenzzeit ohne relevante Symptome – entsprechend heftig und nachhaltig aus.

Die meisten Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind vermeidbar

Wer einmal im pathologischen Institut oder einfach per Klick im Internet den Unterschied zwischen einer glatten, intakten Gefäßinnenwand und einer arteriosklerotisch deformierten gesehen hat, sollte eigentlich zur Achtsamkeit für sein Kreislaufsystem motiviert sein. Die Mehrzahl der Menschen kümmert sich um ihr Herz und ihre Gefäße aber leider erst dann, wenn diese sich durch Krankheitsanzeichen bemerkbar machen. Das ist schade, denn die Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen nicht nur für viele Patienten zu erheblichem Leid und für das Gesundheitswesen zu hohen Kosten – sie wären sogar in den meisten Fällen vermeidbar.

Neues, altes Zauberwort: Bewegung

Was Sie unbedingt wissen sollten: Für die Aktivierung und Förderung der Selbstheilungskräfte durch eine gesündere, achtsamere Lebensweise ist es nie zu spät. Das gilt natürlich nicht nur für das Herz, ist dort aber durch faszinierende Forschungserkenntnisse mittlerweile wissenschaftlich belegt. Auch renommierte Ärzte fordern deshalb ein Umdenken in der Herztherapie. Das neue, alte Zauberwort heißt: Bewegung. Sie fördert die Ausbildung von Kollateralgefäßen, also natürlichen Bypässen (siehe oben) und wirkt sich in vielfältigster Weise positiv auf das Kreislauf-, Muskel-, Nerven- und Immunsystem sowie den Stoffwechsel und den gesamten Organismus aus.

Schon 15 Minuten körperliche Aktivität täglich wirkt vorbeugend

Schon wenn Sie sich jeden Tag nur 15 Minuten lang körperlich betätigen, verringern Sie Ihr Sterberisiko durch Herzinfarkt um 20% und verlängern Ihr Leben um mindestens 3 Jahre. Natürlich nur statistisch betrachtet und ohne Gewähr. Denn was wirklich passiert, hängt immer vom einzelnen Menschen und seiner individuellen Situation ab. Die macht gesund aber einfach mehr Spaß. Gesundheit ist dabei vor allem eine Frage der Haltung, das gilt genauso vor wie nach einem Herzinfarkt oder einem anderen unerwünschten Ereignis. Deshalb: Hören Sie auf Ihr Herz!

Und machen Sie sich schlau, etwa über gesunde Blutdruck-, Fett-, Gerinnungs- und andere vitale Blutwerte. Ob es um die medizinische Behandlung, die Selbsthilfe oder die Vorbeugung geht: Sie selbst können (und sollten) viel für Ihre Herz- und Gefäßgesundheit tun. Unsere Antworten auf viele wichtige Fragen sind Ihnen dabei hoffentlich behilflich. Wir bemühen uns auch gerne um neue Antworten auf weitere Fragen.

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