Gezielt gegen den schwarzen Hautkrebs

Sobald ein Melanom Metastasen gebildet hat, entwickelt es seine geballte aggressive Kraft. Neue Medikamente, die gezielt das Immunsystem im Kampf gegen die Krebszellen aktivieren oder den Tumor daran hindern, weiter zu wachsen, haben die Prognose Betroffener radikal verbessert.

Der Preis der Sonnenbräune

Sommerliche Bräune wirkt attraktiv und gesund. Und sie hat ihren Preis: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts erkranken derzeit pro Jahr etwa 20.000 Menschen in Deutschland neu an einem Melanom. Dazu kommen etwa 9.000 Frühformen dieses bösartigen Hautkrebses. In den letzten 30 Jahren hat sich diese Zahl verdreifacht. Mediziner sehen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen häufigen Sonnenbränden in der Kindheit und schwarzem Hautkrebs in späteren Jahren.

Heilen lässt sich der Krebs nur, wenn man ihn komplett entfernen kann. Voraussetzung dafür ist, dass der Tumor frühzeitig erkannt wird. Sobald der Krebs aber in tiefere Hautschichten eingedrungen ist und Metastasen in Lunge, Leber, Gehirn oder Knochen gestreut hat, wird er sehr aggressiv. Chemo- oder Strahlentherapie, die sich bei anderen Tumorarten bewährt haben, richten beim Melanom nur wenig aus. Als „revolutionär“ bezeichnet Hautkrebs-Experte Dr. Peter Mohr aus Buxtehude deshalb die Entwicklung neuer Therapiekonzepte, die den Tumor individuell und gezielt angehen.

Unterstützung fürs Immunsystem

Zum Beispiel die Krebs-Immuntherapie: Dabei handelt es sich um Substanzen, die nicht das Melanom selbst angreifen, sondern bestimmte Zellen des körpereigenen Immunsystems dazu anregen, aktiv zu werden. Das setzt aber voraus, dass diese Zellen die Tumorzellen an bestimmten Merkmalen erkennen. Denn viele Tumorarten haben Strategien entwickeln, die sie für das Immunsystem sozusagen unsichtbar machen. Entweder weisen sie nicht die für das Immunsystem erkennbaren Merkmale auf oder sie tun so, als seien sie gesunde Zellen. Hier setzt die Krebs-Immuntherapie an: Sie entlarvt sozusagen die Tarnung der Krebszellen und aktiviert damit die Immunabwehr. Nachteil der Therapie: Derart wirksame Medikamente sind natürlich mit Nebenwirkungen verbunden und je nach Substanz und Kombinationen sprechen Studien zufolge nur etwa 20 bis 58 Prozent der Patienten auf die Behandlung an.

Gen-Veränderungen im Visier

Eine weitere Strategie greift direkt in den Tumor-Zellzyklus ein. Denn circa jedes zweite metastasierte bösartige Melanom weist eine Veränderung in einem bestimmten Gen, dem BRAF-V600, auf. Das BRAF-Protein ist an der Regulation bestimmter Signalwege beteiligt und beeinflusst damit unter anderem die Zellteilung. Die Mutation führt dazu, dass der Tumor unkontrolliert wächst. Seit kurzem sind nun Substanzen auf dem Markt, die gezielt BRAF-V600 hemmen und damit das Tumorwachstum stoppen können.

Das Problem dieser Substanzen ist, dass auch sie nicht bei allen Patienten mit einer entsprechenden Gen-Veränderung wirken, aber mit unerwünschten Nebenwirkungen verbunden sind. Außerdem können die Tumorzellen dagegen resistent werden. Die Medikamente verlieren deshalb mit der Zeit ihre Wirkung.

„Ich denke, dass wir den schwarzen Hautkrebs mit akzeptablen Nebenwirkungen behandelbar machen können“, ist Hautexperte Mohr überzeugt. Allzu große Euphorie ist allerdings auch mit diesen zielgerichteten Medikamenten nicht angebracht. Sie können zwar „die Prognose der Patienten mit metastasiertem Melanom deutlich verbessern“, sagt Carola Berking, Dermatologie-Professorin in München. Heilen lässt sich ein metastasiertes Melanom aber auch mit diesen Wundermitteln bislang nicht.

Autorin: Cornelia Weber
Patienten Journal Reise & Gesundheit 3/2016

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