Wann werden beim Malignen Melanom Interferone eingesetzt?

Interferone werden beim Malignen Melanom lediglich als adjuvante (ergänzende) Behandlung zusätzlich zur OP eingesetzt, um die Heilungschancen mancher Betroffener zu erhöhen. Die oft mit vielen Nebenwirkungen einhergehende Therapie ist allerdings nicht für jeden geeignet.

Derzeit ist die adjuvante Interferontherapie die einzige zugelassene und wirksame innerliche Behandlungsmethode für Menschen mit Melanom, die ein erhöhtes Risiko für ein Rezidiv (Wiederauftreten) des Hautkrebses aufweisen. Der Einsatz dieser Medikamente muss mit den Betroffenen sorgfältig besprochen und das Nutzen-Risiko-Verhältnis abgewogen werden.

Was dahintersteckt

Interferone sind Eiweiße, die vom Organismus selbst gebildet werden und eine stimulierende Wirkung auf das Immunsystem haben. Sie dienen dazu, Virusinfektionen und Krebszellen zu bekämpfen, indem sie beispielsweise körpereigene Killerzellen aktivieren, die die bösartigen Tumorzellen angreifen.

Leider liegen zwischen Theorie und Praxis oft Welten. Das mussten sich auch die Wissenschaftler eingestehen, die vor einigen Jahrzehnten die Interferone entdeckt und gentechnisch hergestellt haben. Die große Hoffnung, mit den Interferonen nun wirksame Krebsmedikamente zu besitzen, ließ sich nicht ganz erfüllen.

Dennoch haben Wirkstoffe wie beispielsweise das Interferon-alpha ihren Platz u. a. in der unterstützenden Behandlung des Malignen Melanoms gefunden. Je nach Tumorstadium können sie in niedrigen oder hohen Dosierungen verabreicht werden. Meist werden sie als Fertigspritze ins Unterhautfettgewebe gespritzt.

Vorteile nicht von der Hand zu weisen

Laut aktuellen Leitlinien zum Malignen Melanom sollte man die adjuvante Interferontherapie vor allem Personen mit einem Tumorstadium IIB bis IIIC anbieten. Zahlreiche Studien konnten aufzeigen, dass es in diesen Krankheitsstadien unter einer Behandlung mit Interferon-alpha zu einer wesentlichen Verbesserung des krankheitsfreien Überlebens kommt, und dass auch das Gesamtüberleben leicht verlängert werden kann.

In diesem Zusammenhang macht es aber hinsichtlich der Wirksamkeit wohl keinen allzu großen Unterschied, nach welchem Schema Sie als Betroffener behandelt werden. Ob nun hoch- oder niedrigdosiert, dreimal wöchentlich oder nur einmal die Woche mit einem "pegylierten", das heißt chemisch veränderten Interferon – lediglich die Nebenwirkungen variieren, abhängig von der Art und Anwendungsweise des gewählten Präparats.

Knackpunkt sind die Nebenwirkungen

Eine Interferontherapie hat nicht nur Vorteile. Die regelmäßige Verabreichung des Medikaments kann Ihre Lebensqualität auch erheblich einschränken. Vor allem die Hochdosistherapie scheint verstärkt mit Nebenwirkungen einherzugehen.

Zu den häufigsten unerwünschten Arzneimittelwirkungen gehören u. a.:

  • grippeartige Beschwerden mit Muskel- und Gliederschmerzen (vor allem in den ersten Behandlungswochen)
  • "Fatigue-Syndrom" mit Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit (meist über die gesamte Zeit anhaltend)
  • Depressionsneigung
  • Blutbildveränderungen, erhöhte Leberwerte

Insbesondere im Hinblick auf den körperlichen Allgemeinzustand des Betroffenen muss daher immer genau abgewogen werden, wo die Chancen und wo die Risiken einer Interferontherapie liegen.

Sollten Sie übrigens unter einem Hochrisiko-Melanom leiden, wäre es nicht verkehrt, ggf. über eine Studienteilnahme nachzudenken.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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