Was bedeutet Extremitätenperfusion (ILP) beim Malignen Melanom?

Die isolierte Extremitätenperfusion (Isolated Limb Perfusion = ILP) ist eine besondere Art der Chemotherapie, die u. a. beim Melanom mit schnell wachsenden, multiplen regionären Haut- und Unterhautmetastasen (Tochtergeschwülsten) an Arm oder Bein eingesetzt werden kann.

Das aufwendige Therapieverfahren kann nur an bestimmten Zentren durchgeführt werden und sollte vor allem dann zum Einsatz kommen, wenn andere lokale Maßnahmen bereits ausgereizt sind oder nicht praktikabel erscheinen.

Und so funktioniert's

Die Grundidee bei der ILP besteht darin, lediglich die von Metastasen betroffene Gliedmaße (Arm oder Bein) gezielt mit einem Chemotherapeutikum zu behandeln, indem man sie dafür vom restlichen Körperkreislauf isoliert. Wie das funktionieren soll? Ohne allzu sehr ins Detail zu gehen, möchte ich Ihnen einen verständlichen Überblick über diese doch sehr spezielle Behandlungsmethode geben.

Zunächst trennt der Chirurg die Blutversorgung der entsprechenden Gliedmaße vom restlichen Körperkreislauf, indem er die entsprechenden Gefäße (Arterien und Venen) freilegt. Anschließend wird unter Zuhilfenahme einer Herz-Lungen-Maschine ein sogenannter "extrakorporaler" Blutkreislauf (außerhalb des Körpers) hergestellt. Diese künstliche Umleitung des Blutes sorgt dafür, dass die Versorgung und somit die Funktion des betroffenen Armes oder Beines weiterhin gewährleistet ist.

Medikamente mit Überwärmung kombinieren

Über die Herz-Lungen-Maschine wird die entsprechende Gliedmaße dann langsam auf etwa 40°C erwärmt und mit einem hochdosierten Chemotherapeutikum (meist Melphalan), ggf. in Kombination mit einem anderen Medikament, dem rekombinanten humanen Tumornekrosefaktor alpha (rh TNFα), durchgespült.

Die Vorteile dieser Methode liegen auf der Hand. Dank der isolierten Extremitätenperfusion ist es möglich, sowohl extrem hohe Arzneimitteldosierungen einzusetzen als auch die Wirkung dieser Medikamente zusätzlich durch die kombinierte Gewebeüberwärmung zu steigern – und zwar ohne Auswirkungen auf den restlichen Körper.

Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man das ILP-Verfahren beherrscht. Ein Leck im System mit einem Übertritt der Substanzen vom extrakorporalen Kreislauf in den zentralen Körperkreislauf könnte sonst entsprechende (schwerwiegende) Folgen haben. Zu Ihrer Beruhigung sei aber erwähnt, dass es dafür ein extra Kontrollsystem mit (gering) radioaktiv markierten roten Blutkörperchen gibt, die während des gesamten Eingriffs gemessen werden.

Am Ende wird noch ausgewaschen

Die isolierte Extremitätenperfusion dauert insgesamt etwa 90 Minuten und erfolgt unter Vollnarkose. Im Anschluss an die "Durchströmungs-Behandlung" wird noch eine Auswaschung der behandelten Gliedmaße durchgeführt. Mit dieser ergänzenden Reinigungsprozedur soll verhindert werden, dass ungewollt Medikamente oder Gewebegifte in den restlichen Körper gelangen. Erst nach diesem letzten Schritt wird die bis dahin noch isolierte Gliedmaße erneut an den restlichen Blutkreislauf angeschlossen.

Mögliche Nebenwirkungen

Nicht selten kommt es nach der Behandlung zu lokalen Reaktionen wie Rötung, Überwärmung, leichter Blasenbildung und Abschuppung der Haut. Wenn die Chemotherapie gleichzeitig mit dem rekombinanten humanen TNF-α gegeben wird, besteht eine erhöhte Gefahr, dass es infolge der ILP zu Komplikationen im Bereich der behandelten Gliedmaße kommt. Obwohl selten, kann dies zum Teil mit schwerwiegenden Schädigungen der Muskulatur, der Blutgefäße und Nerven einhergehen.

Deutlich seltener sind ausgeprägte generelle Nebenwirkungen der Chemotherapie, da das Medikament ja in der Gliedmaße verbleibt. Durch kontinuierliche Messungen während des Eingriffs wird dafür Sorge getragen, dass kein Wirkstoff in den Körperkreislauf übertritt.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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