Wie wirkt Detimedac (Dacarbazin) beim Malignen Melanom?

Dacarbazin (Detimedac®, Dacarbazin Lipomed®) ist ein in der Chemotherapie eingesetztes Zytostatikum, das beim fortgeschrittenen schwarzen Hautkrebs folgende Wirkungen hat:

  • Angriff auf sich schnell teilende und wachsende Zellen
  • Veränderung der DNS (Träger der Erbinformation) im Zellkern dieser Zellen
  • Blockade der Zellteilung und somit Ausschaltung der Zelle
  • letztendlich Hemmung des Krebswachstums

Ein kleiner Blick in die Zelle

Natürlich ist der zellzerstörende Wirkmechanismus von Dacarbazin nicht in drei Sätzen erklärt, dafür sind die Abläufe in unseren Körperzellen viel zu komplex. Ich denke dennoch, dass ein kleiner Einblick in den Zellkern zum besseren Verständnis der Chemotherapie beitragen kann.

Das Arzneimittel Dacarbazin ist ein Zellgift, welches das Ziel hat, Tumorzellen in ihrer Ausbreitung zu hemmen bzw. sie zu zerstören. Zu diesem Zweck bindet der Wirkstoff an die DNS im Zellkern. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich bei der DNS um einen "Bauplan" der Zellen, der unsere Erbinformation enthält.

Durch das Anbinden an die DNS macht das Medikament den "Zell-Bauplan" unlesbar. Folge dieses DNS-Schadens ist, dass die Zelle sich nun nicht mehr teilen und weiterwachsen kann. Sie wird quasi ausgeschaltet. Am besten funktioniert dieser Angriff von Dacarbazin auf sich schnell teilende und wachsende Zellen wie die Krebszellen.

Was ist gut und was böse?

Ein entscheidender Nachteil von Zytostatika wie Detimedac® oder Dacarbazin Lipomed® ist allerdings, dass sie "böse" und "gute" Zellen nicht voneinander unterscheiden können. Ihre Zielstrukturen sind einfach schnell wachsende Zellen. Zu denen gehören aber leider nicht nur Tumorzellen, sondern u. a. auch die Schleimhautzellen von Mund und Verdauungstrakt, das blutbildende Knochenmark oder die Haarwurzelzellen.

Die mangelnde Unterscheidung von gesunden und kranken Zellen erklärt übrigens auch einen Großteil der Nebenwirkungen im Rahmen der Chemotherapie. Warum die Chemotherapie dennoch wirkt, beruht auf folgender Tatsache: Die Krebszellen sind (aufgrund einer erhöhten Zellteilung und einer eingeschränkten Reparaturfähigkeit) immer noch etwas empfindlicher gegenüber Zytostatika als gesunde Zellen.

Nicht mehr erste Wahl

Im Zuge neuer, vielversprechender Therapieoptionen beim schwarzen Hautkrebs steht die Chemotherapie heutzutage nicht mehr an erster Stelle, was die Wahl der Medikamente angeht. Laut aktueller Leitlinie gilt für das fortgeschrittene Maligne Melanom die Empfehlung, eine Chemotherapie mit Dacarbazin erst anzubieten, falls überlegene Therapieschemata (BRAF/MEK-Inhibitoren oder PD-1-Antikörper) nicht in Frage kommen.

Die gleiche Empfehlung bezieht sich auch auf die Polychemotherapie (Mehrfachtherapie mit verschiedenen Zytostatika).

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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