Medikamente in der Therapie des Malignen Melanoms

Nur die frühzeitige und vollständige Entfernung des Melanoms kann die Krebserkrankung heilen. Dagegen ist das vorrangige Ziel der aktuell eingesetzten medikamentösen Therapeutika, Betroffenen zu einem möglichst langen und beschwerdefreien Leben zu verhelfen.

In diesem Zusammenhang unterscheidet man beim Malignen Melanom deshalb zwei medikamentöse Behandlungsansätze:

  • adjuvant (unterstützend)
  • palliativ (symptomlinderndend, gegebenenfalls lebensverlängernd)

In beiden Fällen gibt es wiederum verschiedene Wirkstoffgruppen mit sehr unterschiedlichen Kampfstrategien gegen den Krebs. Was derzeit leider noch nicht existiert, ist eine kurative (heilende) medikamentöse Behandlung.

Die Forschung boomt

War man bis vor einigen Jahren noch ausschließlich auf Chemotherapie und Interferone in der Behandlung des schwarzen Hautkrebses angewiesen, so hat die Wissenschaft vor allem in letzter Zeit sehr vielversprechende innovative Therapien hervorgebracht.

Insbesondere das Wissen um die zellulären und molekularen Wirkmechanismen von Arzneimittel gestattet es heute schon, für einige Erkrankungen Medikamente "nach Maß" zu entwickeln. Bezogen auf das Maligne Melanom werden momentan vor allem die sogenannten "targeted therapies", die zielgerichteten Therapien, erfolgreich eingesetzt.

Aber das ist noch nicht alles. Die Pharmabranche boomt, es wird nonstop geforscht und entwickelt. Das Stichwort in der modernen Krebsbehandlung heißt Immuntherapie und lässt uns positiv in die Zukunft blicken.

Targeted Therapies: Wer ist hier das Zielobjekt?

Zielgerichtete Krebstherapien bzw. Medikamente haben es auf bestimmte Merkmale abgesehen, die es so nur in Tumorzellen gibt oder die beim Wachstum der Krebszellen jedenfalls eine wichtigere Rolle spielen als im gesunden Gewebe. Dadurch sollen diese Therapien wirksamer und verträglicher sein als beispielsweise Chemotherapeutika, die auch gesunde Zellen angreifen.

Es gibt im Bereich der zielgerichteten Krebstherapie unzählige Untergruppen mit unterschiedlichen Wirkprinzipien. Allen gemeinsam ist, dass sie direkt in den Stoffwechsel der bösartigen Tumorzellen eingreifen. Zu den derzeit eingesetzten "targeted therapies" beim Melanom gehören die Proteinkinase-Inhibitoren (Signalwege-Hemmer) und die Checkpoint-Inhibitoren (Immuntherapie mit Antikörpern) – Stand 2018.

Signalwege-Hemmer:

  • BRAF-Inhibitoren (Dabrafenib, Vemurafenib)
  • MEK-Inhibitoren (Trametinib, Cobimetinib)
  • c-KIT-Inhibitoren (Imatinib)

Checkpoint-Inhibitoren:

  • CTLA-4-Antikörper (Ipilimumab)
  • PD-1-Antikörper (Nivolumab, Pembrolizumab)

Im Falle einer Genmutation

Bei 50-60 % aller Malignen Melanome findet sich im Tumorgewebe ein bestimmtes genverändertes (mutiertes) Eiweiß namens BRAF. Das "gesunde" BRAF sorgt gewöhnlich in unserem Körper für eine kontrollierte Signalübertragung im Rahmen des normalen Zellwachstums. Im Falle einer BRAF-Mutation kann es allerdings zu einer Funktionsstörung dieses Signalweges und demzufolge zu einem unkontrollierten Wachstum des Melanoms kommen.

Mit einem speziellen Test kann festgestellt werden, ob diese Mutation im Einzelfall vorliegt und somit die Voraussetzung für eine zielgerichtete Therapie mit einem BRAF-Inhibitor gegeben ist. Sollte dies zutreffen, so wird die Behandlung übrigens gerne mit einem weiteren Arzneimittel, einem MEK-Inhibitor, kombiniert. Beide Medikamente haben die Fähigkeit, gleichzeitig an verschiedenen Stellen den fehlgesteuerten Signalweg an der Krebszelle zu unterbrechen und so das ungehinderte Wachstum des Melanoms effektiv zu stoppen.

Bremsen lösen, Immunsystem aktivieren

Unabhängig von irgendwelchen genveränderten Eiweißen können dagegen die Checkpoint-Inhibitoren eingesetzt werden. Es handelt sich um künstlich hergestellte Antikörper, die sich gezielt gegen Brems- bzw. Kontrollpunkte (Checkpoints) in unserem Abwehrsystem richten.

Normalerweise sorgen diese Bremsen in unserem Körper dafür, dass unser Immunsystem nicht unnötig überreagiert und nur in Falle eines "Fremdangriffs" (durch Viren, Bakterien, Krebszellen) stimuliert wird. Tumoren wie das Melanom haben dieses System dummerweise durchschaut und aktivieren gezielt die Checkpoints, um sich so geschickt vor dem Immunsystem zu schützen.

Checkpoint-Inhibitoren wie die CTLA-4- und PD-1-Antikörper lösen diese aktivierten Bremsen gezielt wieder und ermöglichen somit dem Immunsysten, den Krebs nun verstärkt anzugreifen.

Chemotherapie ist out

Im Gegensatz zur modernen Immuntherapie ist die altbewährte aggressive "Chemo" mit Zytostatika fast jedem ein Begriff. In der Behandlung des Malignen Melanoms wird diese medikamentöse Therapieoption inzwischen jedoch kaum noch eingesetzt.

Die aktuelle Leitlinie zum Management des fortgeschrittenen Malignen Melanoms empfiehlt eine Chemotherapie erst dann einzuleiten, wenn überlegenere Behandlungen (BRAF/MEK-Inhibitoren oder PD-1-Antikörper) nicht möglich sind.

Zukunftsaussichten

Übrigens zeichnet sich ab, dass auch die sonst regelmäßig in der adjuvanten (unterstützenden) Therapie des schwarzen Hautkrebses verordneten Interferone (INF-alpha) abgelöst werden könnten. Mitte 2018 hat bereits der Checkpoint-Inhibitor Nivolumab (Opdivo®) eine Erweiterung seiner Zulassung zur adjuvanten Behandlung des Malignen Melanoms bekommen – weitere vielversprechende Medikamente werden sicher demnächst folgen.

Der Vollständigkeit halber: Signalwege-Hemmer wie der c-KIT-Inhibitor Imatinib (Glivec®) werden zukünftig wohl auch nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Erstens ist die Voraussetzung für deren Einsatz eine sehr seltene Genveränderung (c-KIT-Mutation), die vor allem bei speziellen Melanom-Varianten wie den akral-lentiginösen sowie Schleimhaut-Melanomen auftritt. Zweitens stehen alternativ Checkpoint-Inhibitoren wie die PD-1-Antikörper zur Verfügung.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

 

Hier finden Sie Fragen und Antworten zu den Medikamenten, die beim Malignen Melanom eingesetzt werden. Im Menü können Sie die einzelnen Wirkstoffe auswählen.

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