Wie hilft die Misteltherapie beim Malignen Melanom?

Eigentlich gar nicht. Die vor allem in der anthroposophischen Lehre als Heilpflanze bekannte Mistel hat nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen keinerlei Nutzen in der Behandlung des Malignen Melanoms. Es besteht der Verdacht, dass das Tumorwachstum durch Mistelpräparate sogar begünstigt wird.

Studienergebnisse bislang vernichtend

Die Experten der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) haben sich in der neuesten Leitlinie zum Melanom klar gegen die adjuvante (ergänzende) Therapie mit Mistelpräparaten geäußert.

Bisher ließ sich in keiner der veröffentlichten, qualitativ gut durchgeführten Studien nachweisen, dass eine Misteltherapie einen Effekt in Bezug auf Überlebenszeit oder gar Lebensqualität beim Malignen Melanom habe. In einer groß angelegten Untersuchung konnte sogar ein tendenziell erhöhtes Risiko für ein Fortschreiten des Tumors und der Metastasen (Tochtergeschwülste) festgestellt werden. Die Forscher führen diese Beobachtung darauf zurück, dass unter der Misteltherapie ggf. eine immunologische Stimulation des Tumorgewebes stattgefunden hat.

Von der Grundidee nicht verkehrt

Aber wie kommt man überhaupt darauf, dass die Mistel bei einer Krebserkrankung wie dem schwarzen Hautkrebs helfen könnte? Hintergrund für diese Annahme ist die Tatsache, dass die Mistel Wirkstoffe enthält, die Einfluss auf unser körpereigenes Abwehrsystem haben. Allerdings ist deren Nutzen bisher noch sehr umstritten und deshalb (zumindest beim Melanom) nicht zu empfehlen.

So scheint beispielsweise die im Rahmen der Brustkrebs-Behandlung gerne begleitend eingesetzte Misteltherapie bei einigen Frauen durchaus eine Wirkung zu zeigen. Es wird beschrieben, dass die Einnahme von Mistelpräparaten das sogenannte Fatigue-Syndrom lindern würde. Dieses geht u. a. mit Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit einher.

Vorsicht bei moderner Immuntherapie

In den letzten Jahren hat es vor allem in der palliativmedizinischen Behandlung des metastasierten Melanoms einige positive Entwicklungen gegeben. Derzeit werden hierfür zunehmend moderne Immuntherapeutika (z. B. Ipilimumab, PD-1-Antikörper) eingesetzt.

Aufgrund der nachgewiesenen immunstimulierenden Wirkung der Mistelextrakte warnen die Experten deshalb nochmals ausdrücklich davor, diese mit den modernen immunologisch wirkenden Medikamenten zu kombinieren. Durch eine gleichzeitige Einnahme könnten insbesondere die immunologisch bedingten Nebenwirkungen verstärkt werden und dadurch zu einem Therapieabbruch führen oder sogar einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

Anzeigen