Kann man eine Hautinfektion mit Honig behandeln?

Bestimmt kennt jeder, der schon mal erkältet war, den wohlwollenden Rat: "Trink' heiße Milch mit Honig!" Diese Kombination weckt bei vielen von uns Kindheitserinnerungen und ist mit einem wohligen Gefühl verbunden. Doch kann der Honig mehr als nur gute Stimmung verbreiten?

3fach gegen die Entzündung

Ja. Honig wirkt antibakteriell und das gleich mehrfach. Zum einen führt der hohe Zuckergehalt zu einem osmotischen Effekt. Das bedeutet, den Bakterien wird Wasser entzogen, so dass sie schließlich austrocknen und absterben – übrigens ein Effekt, den man sich auch bei der Konservierung von Lebensmitteln durch Zuckerzugabe zunutze macht.

Dieser Beitrag entspricht nicht zwingend unserer Meinung. Navigator-Medizin möchte aber bewusst auch Heilpraktikern und Alternativmedizinern das Wort geben.

 

Zum anderen werden in Honig durch die Aktivität eines Enzmys, der Glucose-Oxidase, geringe Mengen Wasserstoffperoxid gebildet, das die Bakterienhülle zerstört. Da Wasserstoffperoxid beständig aus Glucose durch die Aktivität des Enzyms nachgebildet wird, genügen bereits geringe Mengen Honig für eine Wunddesinfektion.

Aber Honig hat noch einen dritten Effekt: Studien konnten zeigen, dass die Inhaltsstoffe des Honigs die Kommunikation der Bakterien auf molekularer Ebene stören und damit die Ausbildung von Biofilmen verhindern. Das sind Beläge voller Mikroorganismen, die sich auf sämtlichen Oberflächen ansiedeln können. Gefürchtet sind solche Biofilme besonders im Krankenhaus, wo sich die Erreger an Türgriffen und Ablageflächen, aber auch an Kanülen oder Kathetern festsetzen und schwere Infektionen auslösen können. Wenn sich die Bakterien nicht mehr auf diese Weise zusammenrotten können, werden sie leichter angreifbar.

Stark gegen MRSA: Manuka-Honig

Eine Besonderheit ist der Manuka-Honig. Er wird von Bienen aus dem Blütennektar der Südseemyrte (Manuka), die zu den Teebaumpflanzen zählt, erzeugt. Manuka-Honig enthält neben den oben beschriebenen Komponenten zusätzlich das Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal, das besondere antibakterielle Eigenschaften in Bezug auf das Bakterium Staphylococcus aureus zeigt.

Staphylococcus aureus ist bekannt und gefürchtet als der Erreger der MRSA (multiresistenter Staphylococcus aureus), der gegen alle bisher verfügbaren β-Lactam-Antibiotika (die bekanntesten sind die Penicilline und die Cephalosporine) resistente Stämme bildet, die den Antibiotika trotzen.

Speziell zur Behandlung akuter und chronischer Wunden wurde der Medizinische Honig entwickelt, für den Manuka-Honig zusätzlich per Bestrahlung sterilisiert wird. Er ist unter der Bezeichnung Medihoney als Gel oder Fertigverband in Apotheken erhältlich.

Medizinischer Honig wird auch in Krankenhäusern bereits seit einigen Jahren als Alternative zu Antibiotika getestet und zur Wundbehandlung bei Menschen mit MRSA eingesetzt.

Gefürchtet: resistente Bakterien

Chemische Antibiotika, wie die meist verwendeten β-Lactam-Antibiotika, greifen in den Stoffwechsel der Bakterien ein, indem sie die Zellwandsynthese hemmen. Bakterien können darauf mit der Bildung eines Enzyms, der β-Lactamase, reagieren, die das Antibiotikum inaktiviert. Diese resistenten Bakterien überleben und vermehren sich weiter. Jede nachfolgende Generation ist somit resistenter als die vorherige.

Auch gegen andere Gruppen von Antibiotika wie die Carbapeneme, Monobactame und Cephalosporine und selbst gegen das Reserveantibiotikum Colistin wurden bereits Resistenzen beobachtet, wenn auch bislang noch seltener.

Natürliche Antibiotika werden z.B. von Pflanzen synthetisiert, um sich gegen einen Befall durch Bakterien, Viren und Pilze zu wehren. Sie sind das Produkt einer natürlichen Selektion. Pflanzen synthetisieren unterschiedliche antibiotisch wirkende Substanzen wie Triterpene, Saponine oder Senfölglykoside. Oft kommen mehrere dieser Substanzen in einer Pflanze vor.

Natürliche Antibiotika greifen ebenfalls meist an der Zellwand der Erreger an. Die Bakterien sind aber nicht in der Lage, die natürlichen Antibiotika zu inaktivieren, so dass sie nicht widerstandsfähig werden können. Auch beim Manuka-Honig wurden bislang im Zuge der Anwendungen keine Resistenzen beobachtet.

Autorin: Dr. Kerstin Reider

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