Tension-free vaginal tape

Tension free Vaginal Tape (kurz TVT) beschreibt ein Kunststoffband aus Polypropylen (Prolene) und ein damit verbundenes Operationsverfahren in der gynäkologischen Urologie zur Behandlung einer bestimmten Form der Harninkontinenz, der so genannten Belastungs- oder Stressinkontinenz.

Indikation

Es gibt mehrere Risikofaktoren für die Harninkontinenz der Frau. Zu berücksichtigen sind dabei insbesondere der Zustand des (gedehnten) Beckenbodens nach mehreren Geburten, eine angeborene Bindegewebsschwäche und Adipositas (Übergewicht). In Folge dessen kann es z.B. beim Husten, Lachen, Niesen oder Treppensteigen zu einer Inkontinenz in Form von unwillkürlichem Urinabgang kommen.

Die genannten Aktivitäten, wie auch Übergewicht, haben einen intraabdominale Druckerhöhung (d.h. in der Bauchhöhle) zur Folge, die von oben auf die Harnblase einwirkt. Ein gesunder Beckenboden bietet der Unterseite der Harnblase und der Harnröhre ein Gegenlager, so dass ein Verschlussmechanismus gewährleistet ist.

Beim geschwächten Beckenboden hält dieses Gegenlager dem erhöhten Blasendruck nicht stand: der Verschlussmechanismus wird überwunden, und man verliert Urin. Weitere Informationen zur Harninkontinenz siehe dort. In leichten Fällen kann die Betroffene durch tägliche Übungen zum Training der Beckenbodenmuskulatur eine Heilung erzielen. In schwereren Fällen kann nur eine operative Therapie zur Beschwerdefreiheit führen.

Die klassische Operation nach Burch bestand in einer Anhebung der vorderen Scheidenwand und des Blasenbodens mithilfe von Nähten, die an der Rückseite des Schambeins befestigt wurden. Der Zugang erfolgte hierbei durch einen querverlaufenden Hautschnitt oberhalb des Schambeins.

Diese Operation führte jedoch bei vielen Patientinnen nur zu einer zeitweiligen Besserung.

Hintergrund

Die TVT-Plastik (Tension free Vaginal Tape) nach Ulmsten stellt eine schonendere Operationstechnik zur Behandlung der Stressharninkontinenz im Vergleich zur klassischen operativen Therapie dar. Seit etwa 1995 wird sie in den skandinavischen Ländern und seit Juni 1996 auch in Deutschland durchgeführt. Mittlerweile hat sie sich in vielen weiteren europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten etabliert.

Durchführung

Bei dieser Technik wird in Regionalanästhesie, d.h. in lokaler Betäubung der Umgebung von Harnröhre, unterem Teil der Harnblase und Schambein, bei der wachen Patientin ein Kunststoffband spannungsfrei (engl. "tension-free") unter die Harnröhre gelegt und durch kleine Ausstiche im Schambeinbereich nach oben geführt.

Die Schlinge wird dann, unter Husten der Patientin, gerade so weit angehoben, dass es beim Hustenstoß nicht mehr zu Harnabgang kommt. Hierdurch kann eine überhöhte Spannung der Schlinge vermieden werden, die sonst ein willkürliches Wasserlassen nach der Operation verhindern würde (daher "tension-free").

Die Wirkungsweise der TVT-Plastik besteht in der spannungsfreien Stabilisierung der mittleren Harnröhre und indirekt des Blasenbodens. Auf diese Weise wird eine Kompensation des Bindegewebs- und Banddefektes erreicht, da ein Absinken der Harnröhre (und damit eine Inkontinenz) unter Druck verhindert wird. Damit wird der Eingriff der aktuellen Expertenmeinung nach der multifaktoriellen Genese der Harninkontinenz gerecht.


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