Kann ich meine Belastungsinkontinenz auch ohne Medikamente in den Griff bekommen?

Ja, durchaus. Nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden stehen bei der Belastungsinkontinenz (Harnabgang vor allem bei Druck aufs Becken, z.B. beim Niesen oder Heben) sogar im Vordergrund! Nur wenn diese nicht den gewünschten Erfolg erzielen, sollte man zu Arzneien greifen.

Zu nennen sind mehrere, bewiesenermaßen wirksame Verfahren:

  • Sehr vielen Betroffenen hilft eine gezielte Beckenbodengymnastik sehr effektiv. Dadurch wird der Beckenboden gestärkt, so dass die Schließfunktion der Blase wieder hergestellt wird. Erlernen sollte man diese Gymnastik (eventuell unter Kontrolle mittels Biofeedback) möglichst unter Anleitung eines speziell dafür ausgebildeten Physiotherapeuten. Allerdings ist regelmäßiges Üben unerlässlich, um nachhaltigen Erfolg zu erzielen.
  • Bewährt hat sich auch Beckenbodentraining mittels Elektrostimulation. Dabei wird ein Impulsgeber in die Vagina eingeführt, der schwache elektrische Reize aussendet, welche eine Kontraktion der Muskeln bewirken. Mit einem Regler kann man die Stärke der Reize selbst bestimmen. Trainiert man die Muskeln ein- bis zweimal täglich 20 Minuten lang, kann sich bereits nach einem Monat ein deutlicher Erfolg bemerkbar machen. Danach reichen ein bis zwei Trainingseinheiten pro Monat, um den erreichten Zustand zu erhalten. Elektrostimulation vermag übrigens nicht nur eine Belastungsinkontinenz zu lindern, sondern auch die Symptome von Drang- und Mischinkontinenz.
  • Haben sich Gebärmutter und Scheide gesenkt, ist eine Pessartherapie zu erwägen. Pessare sind Ringe, Schalen oder Würfel aus weichem Silikon. Diese werden in die Scheide eingeführt. Es gibt spezielle Pessare, die vorne einen kleinen Wulst haben. Dieser drückt dann die Harnröhre bei Belastung leicht zu, was ungewollten Urinabgang verhindert. Solch ein Scheidenpessar können Sie selbst einsetzen und reinigen.
  • Pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka) lindern die Beschwerden bei manchen Frauen wirksam. Häufig gegen diverse Beschwerden der ableitenden Harnwege eingesetzt werden Bärentraubenblätter, Kürbissamenextrakt und Goldrutenkraut.
  • In manchen Fällen von Belastungsinkontinenz – etwa wenn alle anderen Behandlungsmethoden erfolglos blieben und Sie sehr stark unter den Beschwerden leiden – ist eine Operation zu erwägen.

Autorin: Anna Haugg

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