Jucken, Nässen, Schmerz: Was kann es außer Hämorrhoiden noch sein?

Bei den genannten Beschwerden denkt man zuerst an ein Hämorrhoidalleiden. Aber dahinter können sich auch ganz andere Erkrankungen verbergen, die abgeklärt werden müssen.

Deshalb sollten Sie bei entsprechenden Symptomen zum Arzt gehen, auch wenn das vielen Betroffenen unangenehm ist.

Alles andere als eindeutig

Krankhafte Hämorrhoiden äußern sich am häufigsten durch leichte Blutungen. Wenn das Toilettenpapier nach dem Stuhlgang (vornehmlich bei starkem Pressen) hellrot verfärbt ist, ist das ein deutliches Anzeichen. Außerdem kann der After nässen und schmieren. Auch Juckreiz kommt vor, ist jedoch genauso wie Schmerzen kein typisches Symptom und tritt eher bei unbehandelten Hämorrhoiden im Verlauf der Erkrankung auf.

Um Ihnen einen Überblick zu geben, was sich noch hinter den Beschwerden verbergen kann, haben wir eine Auswahl der wichtigsten Differentialdiagnosen des Hämorrhoidalleidens mit ihren typischen Charakteristika zusammengestellt.

Analfissur: heftiger Schmerz beim Stuhlgang

Eine Analfissur ist ein äußerst schmerzhafter Einriss der sensiblen Haut im Analkanal, der meist durch einen harten Stuhl verursacht ist. Gerade am Anfang sind die Schmerzen direkt nach dem Toilettengang besonders schlimm. Auch leichte Blutungen können, ähnlich den Hämorrhoiden, hinzukommen. Wenn die Verletzung nicht abheilt und chronisch wird, verengt sich der Analkanal zunehmend, was den Stuhlgang auch nicht eben erleichtert.

Anfänglich können warme Sitzbäder, Salben und Maßnahmen zur Stuhlregulierung Linderung verschaffen. Im chronischen Stadium helfen oft lokale Mittel, die die Muskeln entspannen. Manchmal muss der enge Darmausgang aber auch mit einem kleinen Schnitt erweitert werden.

Abszess und Fistel: ein Paar

Diese beiden nicht weniger unangenehmen Erkrankungen gehören zusammen. Eine Fistel ist nämlich quasi die chronische Variante des akuten Abszesses. Dieser geht auf eine Entzündung der Drüsen rund um den Schließmuskel zurück und ist ebenfalls sehr schmerzhaft, vor allem, wenn man darauf drückt. Von außen sieht man eine gerötete Schwellung. Typisch für Abszesse jeglicher Lokalisation sind außerdem Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl.

Fisteln hingegen äußern sich eher durch Nässen mit nachfolgendem Juckreiz und Hautausschlag. Die kleinen Gänge bilden sich, wenn der anfangs abgeschlossene Abszess in irgendeine Richtung durchbricht und sich seinen Weg nach außen bahnt.

Ein akuter Abszess muss rasch operativ entlastet werden. Auch Fistelgänge sind ein Fall für den Chirurgen. Je nach dem, wie sie verlaufen, ist die Operation hier mehr oder weniger aufwendig.

Auf Analvenenthrombose folgt Mariske

Analvenenthrombose/Hämorrhoiden Analvenenthrombose/Hämorrhoiden

Auch diese beiden sind ein Paar. Die Analvenenthrombose kann ganz ähnlich aussehen wie eine vergrößerte Hämorrhoide und wurde früher tatsächlich auch als "äußere Hämorrhoide" bezeichnet. Der Begriff ist allerdings falsch, weil beide Erkrankungen völlig unterschiedliche Ursachen haben.

Während krankhafte Hämorrhoiden nichts anderes als eine Erweiterung des Gefäßpolsters im Analkanal sind, bilden sich bei der Analvenenthrombose in den Venen der Analhaut kleine Blutgerinnsel, die sich zu einer schmerzhaften, dunkel geröteten Schwellung auswachsen können. Begünstigt werden solche Blutverklumpungen durch starken Druck, sei es durch körperliche Anstrengung oder auch unter der Geburt.

Oft heilen die Gebilde von alleine wieder ab. Zurück bleibt eine sogenannte Mariske. Das ist eine schlaffe Hautfalte, die die prall gefüllte Thrombose hinterlässt. Viele Menschen haben solche Überbleibsel, die oft keinerlei Beschwerden verursachen. Wenn die Thrombose sind nicht spontan zurückbildet, kann man mit lokaler Kühlung, Salben oder manchmal auch mit einem kleinen Schnitt nachhelfen.

Analkarzinom: bösartig, aber selten

Wenn auch zum Glück sehr selten, soll hier zuletzt doch auch der Worst Case zur Sprache kommen: Krebs im Analbereich. Meist stecken bestimmte Viren, chronische Entzündungen oder Geschlechtserkrankungen dahinter.

Die Beschwerden reichen von Blutungen über Juckreiz bis hin zu Kontinenzstörungen. Letztlich gibt erst eine kleine Probenentnahme Aufschluss. Therapie der Wahl ist meist die Bestrahlung, verbunden mit einer Chemotherapie. Nur in frühen Stadien oder bei wiederkehrenden Tumoren wird operiert.

Sie sehen, hinter den Beschwerden, die man am After so haben kann, können sich viele verschiedene Erkrankungen verbergen. Manches erledigt sich von alleine wieder; oft muss der Arzt jedoch nachhelfen, manchmal auch dringend. Daher sollten Sie bei bleibenden oder wiederkehrenden Beschwerden den Weg zu ihm nicht scheuen und die Sache abklären lassen.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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